Mittwoch, 30. Juli 2014

Reisebericht Marokko Teil 5: Ankunft im Paradies

So meine Lieben, 
endlich ist die letzte Klausur geschrieben und ich habe mehr Zeit für meinen Blog. Heute folgt bereits der 5. Reisebericht. Ich habe mich sehr über eure vielen lieben Kommentare gefreut. Besonders darüber, dass euch unsere Fotos so gut gefallen - denn ich habe kein einziges bearbeitet.




Am 19. Juni lag wieder ein langer Fahrtag vor uns. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, durch deren Mitte sich eine geteerte Straße schlängelte. Die Häuser entlang dieses Asphaltweges waren super in Schuss, aber bereits in der zweiten Reihe standen verfallende oder unfertige Häuser. Diese sehen wie kleine Festungen aus, nach außen gibt es keine oder nur wenige kleine Fenster. So soll die Privatssphäre der Bewohner geschützt werden. Einige Dörfer sehen besser als andere aus. Die Geschäfte verbergen sich hinter großen schweren Eisentoren im Erdgeschoss. Zur Mittagszeit sind sie geschlossen. Dann wirken die Dörfer recht verlassen. Die schönsten Wohnburgen sind fast ausschließlich Hotelanlagen. Sie sind gesäumt von Palmen und wunderschön blühenden Pflanzen. Draußen neben der Straße spielten viele Kinder, Männer fuhren mit Fahrrädern neben der Straße, Frauen waren kaum zu sehen. Außerhalb der Dörfer gibt es nur Tankstellen und Polizeistationen. Diese und die Moscheen waren die besten Bauwerke auf unserer Strecke. 






Hin und wieder sahen wir neben der Fahrbahn große eingezäunte Bauprojekte. Überall lagen große Kieshaufen und Baufahrzeuge fuhren geschäftig von A nach B.  Dann mussten wir stoppen, da an der Oberleitung gewerkelt wurde. Ein dickes Stromkabel lag auf der Straße, um unsere Fahrt fortsetzen zu können, wurde es kurzerhand von einem Bauarbeiter hochgehalten und wir fuhren schnell darunter hindurch. Einer Sicherung gab es nicht. Ich wunderte mich, wie im Hintergrund laute Musik aus einem Radio ertönen konnte, wenn doch die Stromleitung gekappt war.

Ab der Stadt Tinghir wurde die Landschaft plötzlich viel schöner und farbenprächtiger. Entlang des Dades- Tals wechselten sich die roten Häuser mit dem üppigen Grün ab und dies ergab einen wundervollen Kontrast. Der Fluss im Tal führte aufgrund der Jahreszeit wenig Wasser. Die Dörfer sahen wesentlich gepflegter aus, es waren mehr Menschen unterwegs und die Geschäfte hinter den großen Toren öffneten langsam wieder. Die Sonne verließ ihren höchsten Stand und die Luft kühlte sich allmählich ab. Insgesamt wirkte die Gegend touristischer. Alle paar Meter stand oder hing irgendwo ein "Coca Cola" Schild. Die Restaurants waren trotzdem nicht gut besucht.





Ankunft im Paradies - Chez Talout

Ehe wir das Schild zum Hotel "Chez Talout" sahen, fuhren wir eine kurze Strecke Serpentinen. Danach nahm die Vegetation abrupt ab und links und rechts waren wieder nur Sand mit vereinzelten Grasbüscheln zu sehen. Überall dort wo noch ein Tropfen Wasser hinkam, grünte und blühte es wie verrückt -die Natur schien förmlich zu explodieren. Aber wehe das Wasser fehlte einmal, dann sah man nur Wüste.

Um zum Hotel zu gelangen, mussten wir eine sechs Kilometer lange unbefestigte Schotterpiste überwinden, bei der es ständig Berg hoch und Berg runter ging. Für unseren Mietwagen war diese Strecke absolut nicht geeignet. Als wir durch das Tor der Anlage fuhren, offenbarte sich uns ein Paradies in mitten der Steinwüste.
Ein wahrer Garten Eden. Die Anlage sah wunderschön aus. Stockrosen, Sonnenblumen, Kakteen, Oleander und viele viele weitere Blumen. Es gab einen Spielplatz, ein Hammam und einen großen Pool. Unsere Zimmer waren geräumig und hatten einen kleinen Balkon mit Blick in die Einöde der Steinwüste.







Zum Abendessen gab es, zur sehr großen Freude von Christoph, Pommes. Seit über einer Woche das erste Fastfood. Er war im Junk-Food Himmel. Der Salat, die Tajine und der Obstteller - das traditionelle marokkanische Menü - war gewohnt üppig und köstlich. Wir teilten unsere Hähnchen- Tajine mit der hungrigen Katzenfamilie, die gerade Nachwuchs bekommen hatte.


Die zwei hatten auch Hunger
Pommes im Paradies
Hähnchen-Tajine



Abendstimmung von der Hotelterrasse


Meine Empfehlung: Mindestens zwei Tage im Chez Talout verweilen

Im Chez Talout sollte man, nein muss man, länger als nur eine Nacht bleiben. Zum einen weil es so schön ist und zum anderen weil man sich von der Wüste und der Fahrt dorthin ersteinmal erholen muss, um für den Trubel in der Millionen Stadt Marrakesch gewappnet zu sein.


Am nächsten Morgen standen wir vor der Wahl: Entweder wir bleiben bis 13 Uhr am Hotel- Pool oder wir fahren zeitig los und schauen uns noch die alte Burg "Kasbah Ait Benhaddou" an. Im Internet lasen wir, dass dies ein wahrer Touristenmagnet sei und man schon Sorge um die alte Bausubstanz haben müsse. Kurzerhand entschlossen wir uns, nicht durch die Burg zu "trampeln", sondern noch einen Minztee am Pool zu schlürfen. Ein weiterer, nicht unbedeutender, Grund war außerdem unsere Sorge nicht rechtzeitig den Mietwagen bei Europcar in Marrakesch abgeben zu können. Schließlich lehrte uns die Fahrt nach Rissani, dass man schnell für eine 300 km Strecke sieben Stunden brauchen kann.

Fahrt über den Tiki - n - Tichka Pass nach Marrakesch

Am Nachmittag setzten wir unsere Autofahrt Richtung Marrakesch entlang einer sehr schönen Strecke fort. Die Regel vom Vortag bestätigte sich erneut: Überall dort, wo auch nur ein Tröpfchen Wasser hinkam, erblühte die Natur im Tal in den herrlichsten Farben. Eine schmale Serpentinen Straße führte uns zeitweise durch eine karge Gebirgsgegend. Vereinzelt kamen uns LKW`s entgegen. Sonst hatten wir die Straße für uns allein. Stellenweise ging es ziemlich steil bergab. Zum Schutz gab es nur eine kleine Betonmauer mit Löchern zum Wasserabfluss.

Circa 80 km vor Marrakesch fuhren wir über den Tizi - n - Tichka Pass. Dörfer schienen in den Fels hinein gebaut zu sein. Oleander, Palmen und Kakteen standen im Wettbewerb um die besten Plätze. Der Fluss führte noch genügend Wasser, um die Pflanzen am Blühen zu halten. Aber seht selbst. Ich habe euch die schönsten 10 Fotos, die Christoph und ich geschossen haben, hochgeladen.











Nächster Halt: Marrakesch - Eine Stadt zwischen Tradition und Moderne - zwischen Armut und Reichtum.


Fotos: C. Jobst und M. Kuntze

Kommentare:

  1. Ein toller Blog - ich folge dir ab jetzt sehr gern und regelmäßig. Vielleicht magst du auch mal bei mir vorbei schauen und mir folgen. Das würde mich freuen. Viele Grüße. Kerstin

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  2. Liebe Myriam,
    leider bin ich erst jetzt dazugekommen deinen wunderbaren Reisebericht zu lesen. So was geht bei mir irgendwie nicht zwischen viel Trubel, da brauch ich Ruhe. Habe es somit wieder in vollen Zügen genossen, sehr interessant geschrieben. Die Bilder sind sehr schön, da ist sowieso keine Bearbeitung nötig :-) Geh jetzt gleich zum nächsten Teil...

    liebe Grüße
    Petra

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  3. Huhu Myri,
    ein toller Bericht und wirklich schöne Fotos dazu. Ich würde auch gerne mal nach Marokko, vor allem das Essen dort würde ich lieben :) Mein Sprung auf einen anderen Kontinent hat mich bisher nur nach Tunesien geführt. Dort hat man die Armut auch gleich neben den Hotelanlagen. Aber trotzdem ein wunscherschönes Land mit super lieben Menschen.
    Liebe Grüße,
    Äna

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