Donnerstag, 27. August 2015

7 unvergessliche Begegnungen mit Einheimischen - und wie du sie auch erleben kannst

Mittlerweile bin ich schon ein wenig in der Welt herumgekommen und wenn ich meine Reisen Revue passieren lasse, fallen mir als erstes die schönen Momente mit den Einheimischen ein. Beim Reisen geht es mir nicht zwangsläufig darum, eine To-Do-Liste mit den berühmtesten Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern es geht mir viel mehr darum, das Land und deren Bewohner kennen zu lernen. Wie ticken die Menschen vor Ort, was sind ihre Vorlieben, was beschäftigt sie und nach welcher Philosophie leben sie. Im heutigen Blogbeitrag geht es um die Menschen, denen ich in den unterschiedlichsten Regionen der Erde begegnet bin.





Marokko - Ein Tag mit der Auswanderin Claudia und unser Besuch in der Arganöl Kooperative

Die Marokkoreise war für mich die erste Reise auf den afrikanischen Kontinent. Als wir nach Essaouira gefahren sind, hatten wir schon eine lange Strecke mit dem Auto, dem Dromedar und dem Bus zurückgelegt. Uns sind die unterschiedlichsten Menschen begegnet: Wir haben in der Wüste ausversehen problematische Fragen zum Ramadan gestellt, haben eine sympathische französische Familie kennengelernt und wurden in Marrakesch wüst als "motherfucker" beschimpft.

Warum schreibe ich das eigentlich?

Um von Anfang an klarzustellen, dass ich nichts romantisieren will und dass nicht jede Erfahrung im Ausland toll ist. Aber eine Erfahrung ist besser als keine.

Wir hatten also eine Kräuterwanderung mit Claudia durch die marokkanischen Wälder gebucht inkl. anschließender Einführung in die Haja-Kräuterkunde und einem Tajine Kochkurs.

Auf dem Weg zum Kochkurs haben wir auf meinem Wunsch hin bei einer Arganöl Kooperative angehalten. Ich hatte mich im Vorfeld viel mit dem Land beschäftigt und etliche Dokumentationen über diese neuen von Frauen geführten Kooperativen gesehen. Also wollte ich selbst eine erleben. Und da das noch am Anfang meiner "Reisekarriere" war, war ich mächtig aufgeregt und dankbar, dass wir Claudia an unserer Seite hatten, die ins Französische übersetzt hat, dass wir uns gerne ihren kleinen Betrieb ansehen möchten und wir durften dann direkt selbst einmal versuchen die schweren Argannüsse zu knacken. Schnell überließ ich diese Arbeit aber wieder den Profis, da man sich dabei superleicht blaue Finger holen kann. Sofort wurde für uns Tee gekocht und wir bekamen Brot gereicht und durften uns durch das Warenangebot kosten. Lecker! 


Ich in einer Arganöl Kooperative

Als wir letztes Jahr in Marokko waren, hatte ich noch meine alte kleine Digitalkamera, daher sind die Fotos leider nicht so schön. Ich war aber auf alle Fälle mächtig stolz auf mich, dass ich so "mutig" war und mich getraut habe dort vorbeizuschauen. Ich hatte nämlich anfangs schon erhebliche Berührungsängste in Marokko. 
 
Festung Essaouira und fotogene Möwe


Island - Pension mit Familienanschluss

Ein Jahr später in Island war ich fast ein Jahr älter und um einiges reifer und mutiger (hoffe ich jedenfalls). Mit unserer Pension hatten wir wirklich richtig Glück. Sie wurde von einem Ehepaar in den besten Jahren geführt, das bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken konnte. Die Familie wanderte zunächst nach Schweden aus, anschließend ging es nach Neuseeland, ehe sie wieder in ihre Heimat Island zurückkehrten. Insgesamt haben sie 4 Kinder. Eine Tochter lebt in den USA, eine andere blieb in Neuseeland und die zwei Söhne leben mit den Eltern in Island. Einer wird sogar demnächst in Deutschland studieren. Ich habe übrigens den Tipp bekommen, dass Flüge nach Neuseeland über Weihnachten sehr günstig sind, wie der Vater erzählte. Er hat damit bereits schon einige Erfahrung gesammelt, da sie die Tochter über Weihnachten dort besuchen.


Reykjavik

Von Anfang an haben wir uns gut mit ihnen verstanden - obwohl mein Englisch jetzt nicht das beste ist. *räusper* Da Basti seinen Führerschein in Leipzig vergessen hatte, war unsere erste große Sorge: Kann Basti ohne Führerschein auf Island fahren? Aber wir wurden rasch mit den Worten: "Macht euch nicht so viele Gedanken, es wird wahrscheinlich niemand den Führerschein sehen wollen." beruhigt und bekamen einen Tee und die besten Ausflugs-, Routen- und Restauranttipps. Gerade die Restauranttipps für Reykjavik von Locals sind Gold wert, da die Stadt einfach mal mega teuer ist. 

Tipp: Wo wir schonmal bei Restaurants sind: Wir können Saffran empfehlen, es gibt in Reykjavik mehrere Filialen. Dort gibt es Pizza, Burger, Salate und co. Aber edel und lecker. Außerdem ist Wasser gratis und der leckere Kaffeeautomat zaubert so viele Kaffees, wie ihr trinken könnt. Ihr müsst nur eine Tasse bezahlen. Das ist zB. ein Restaurant was uns empfohlen wurde.

Zum Frühstück unterhielten wir uns mit der Familie, den anderen Gästen aus China und der USA und tauschten unsere Erlebnisse aus. Abends saßen wir mit der Familie am großen Esstisch. Ich bloggte, bzw. zeigte der Dame des Hauses meinen Blog und Basti half beim Übersetzen eines Briefes an eine deutsche Firma bei der sie einen Geländewagen gekauft hatten und nur noch der Transport nach Island geklärt werden musste. 


Blick in den offenen Wohn-Ess-Bereich um 22.30 Uhr!

Ehrlich: Ich habe gar nicht mehr weggewollt. Wir haben uns so gut unterhalten, ich bin immer besser im Englischen geworden und ich habe es geliebt im Wohnzimmer zu sitzen und die letzten Strahlen der Mitternachtssonne auszukosten und dabei frischgebackenen Kuchen zu essen.



Kuba - So viele liebe Menschen

Varadero - "Ich will einmal in meinem Leben Schnee sehen"

Hach, wo fange ich bloß an. Nie war es für mich so einfach mit Einheimischen in Kontakt zu treten wie auf Kuba. Und wenn es nur die kurzen Gespräche mit den Hotelmitarbeiterinnen war. Die Nachtrezeptionistin in Varadero meinte zu mir, dass sie den 20 km langen Sandstrand auf der Halbinsel Varadero gar nicht mag - immer nur Strand, Sonne und Meer. Sie wollte mal Schnee sehen - wie viele andere Kubaner auch, wie sie mir verriet.

Wie unterschiedlich doch die Menschen sind, die einen wollen mehr Sonne, Strand und Meer und die anderen wollen einmal im Leben Schnee sehen. :)

Wenn wir in Varadero geblieben wären, hätten wir nicht viel Kontakt zu den Einheimischen gehabt. Varadero ist ein bisschen mit Las Vegas zu vergleichen - nicht wirklich authentisch. ;)

Wir starteten also mit nur 4 Stunden Verzögerung unseren Roadtrip durch Kuba. Welche Schwierigkeiten es gab unseren Mietwagen auf Kuba zu bekommen, erfährst du hier.


bei Kiki in Playa Larga


Kiki - Der Traum von der eigenen Casa Particulares

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unsere erste Casa Particulares. Das sind kleine private Pensionen, die die kubanische Regierung seit einiger Zeit erlaubt. Kiki, der Besitzer, vermietet in seinem Haus 3 Zimmer. Wir wurden von seiner Köchin begrüßt, die leider nur Spanisch spricht, aber mit Händen und Füßen versteht man sich auch. Und kurze Zeit später kam auch schon Kiki und wir unterhielten uns auf Englisch. Zunächst besprachen wir das Abendessen, das extra für uns zubereitet wurde und sehr lecker war. Später am Abend unterhielten wir uns über sein Leben, die Gegend und Kuba. Als es hieß, dass Kubaner private Pensionen und Restaurants führen dürfen, hängte er seinen Job an den Nagel und eröffnete seine eigene Casa Particulares. Er hat die gesamte Elektrizität des Hauses selbst verlegt, was mich stark an meinen Vater erinnert hat, er die gesamte Ölheizung in unserem Haus installiert hat. Kiki ähnelte meinem Vater sehr. Er zeigte uns anschließend Fotos von der Schweinebucht, von den Tieren und seine größten Fänge beim Angeln. An den Wänden reihen sich Foto an Foto, auf denen er stolz meterlange Fische in die Kamera hält.



Unser Bootsführer



Am nächsten Tag versuchte ich mit meinem Spanisch Wörterbuch den Satz "Der Fisch ist lecker." zu übersetzen und ihn auswendig zu lernen, um mich bei der Köchin zu bedanken. Ich glaube, sie hat verstanden was ich ausdrücken wollte.

Ich kann euch nur empfehlen: Reist auf Kuba ein wenig umher und übernachtet in Casa Particulares. Es lohnt sich.


Jörg - ein deutscher Auswanderer auf Kuba

Unsere Reise ging dann weiter nach Trinidad, wo wir bei dem deutschen Auswanderer Jörg und seiner Frau schliefen. Bei Jörg trafen sich alle deutschen Individualtouristen und ich muss sagen: ich mochte sie alle. Abends saßen wir alle in der Bar zusammen, schlürften Cocktails und tauschten die schlimmsten Mietwagen-Geschichten aus. Der Barkeeper - besser bekannt als el comandante - war lustig und mit seinen Brocken Deutsch und unserem Alkohol im Blut ließ sich ein wundervoller Abend unter den Palmen der Unterkunft zaubern. 

Insgesamt zu acht (vier Pärchen) machten wir am folgenden Tag einen Ausflug ins Escambray Gebirge (Bericht folgt noch). Jörg erklärte uns viel, zeigte uns die tollsten Aussichts- und Badestellen und auf der Bootsfahrt durften wir sogar mal ans Steuer, als unser Steuermann beschloss, dass es Zeit für eine Pause wäre.



Jörg erzählte uns viel vom Alltag der Kubaner. Dass er beispielsweise viel Zeit mit der Beschaffung von Lebensmitteln und Baumaterialien verbringt. Dass sich schon viel auf Kuba verändert hat, dass es aber noch große Schwierigkeiten gibt das Land weg von der Monokultur zu bringen. Die Kubaner müssen viel zu viel exportieren, könnten dabei aber viel mehr selbst anbauen. Er erzählte uns vom Deal "Ärzte gegen Öl" mit Venezuela. Seitdem gibt es wenigstens keine Probleme mehr mit der Stromversorgung. Früher waren am Tag bis zu achten Stunden Stromausfall immer im Wechsel 8-16 Uhr, 16-24 Uhr oder 24-8 Uhr. Aber seitdem Kuba Ärzte in das südamerikanische Land schickt und dafür täglich Rohöl erhält, ist es besser geworden.


Über den Dächern Trinidads (Kuba)



Simón - und der beste Mojito

Ich hatte im Reiseführer gelesen, dass in Trinidad ein Kubaner ein Restaurant führt, der in den 1980er Jahren in Leipzig studiert hatte. Also beschlossen wir dort vorbeizugehen. Wir trafen ihn auch noch rechtzeitig an, ehe er auf dem Markt Besorgungen machen wollte. Er freute sich darüber, dass ihn Touristen aus Leipzig besuchten. Er konnte noch gut Deutsch sprechen und so fragte ich ihn, was er denn in Leipzig studiert hätte. Er antwortete aber, dass er dort "nur" als Arbeiter in einer Fabrik tätig gewesen sei. Er lud uns auf einen Mojito ein und wir durften uns in seinem Palast umschauen.  Das Haus wurde 1514, dem Gründungsjahr Trinidads, erbaut. Die Tische waren über und über mit kostbarem Geschirr und Besteck, dass die Familie laut Reiseführer im Keller der alten Kolonialvilla gefunden hatte und nun damit das eigene Restaurant ausstaffierte. Im Innenhof waren noch mehr Gegenstände aus der Kolonialzeit. Von seiner Dachterrasse aus hatten wir den besten Blick auf die Stadt und dem angrenzenden Gebirge. 

Basti schwört noch heute dort den besten Mojito seines Lebens getrunken zu haben. :)

Blick in Simóns Restaurant


La Habana - Eine Stadtführung mit dem Diplom-Informatiker

Auf der karibischen Insel kann man im Tourismus wesentlich mehr Geld verdienen als in anderen Berufen. Und so verwunderte es mich nicht als unser Stadtführer in Havanna erzählte, dass er wie Basti Informatiker ist. Die beiden verstanden sich blendend und tauschten sich über Programmiersprachen, den Inhalten ihrer Studiengänge und die Programmierung von Apps aus. Tja und ich trat ins größte Fettnäppchen der Umgebung als ich mich wunderte, wie man auf Kuba Informatik studieren könne, wenn doch nirgens eine stabile Internetverbindung zur Verfügung stand. An der Universität von Havann wäre das wohl kein Problem. Okay. Naja jedenfalls zeigte er uns zu zweit die Stadt, wir liefen an Hemingways Lieblingsbars vorbei und tranken auf der Dachterrasse des Ambos Mundos einen Mojito (was auch sonst). Auf einmal stürmten alle wie wild an die Brüstung und machten Fotos. Er erklärte uns, dass wir gerade einen sehr bedeutenden historischen Moment miterleben würden - ähnlich wie der Mauerfall 1989. Die erste Regatta Miami-Havanna seit der Revolution fuhr in den Hafen ein. Ein besonderer Moment also, den wir sonst "verpennt" hätten.


Havanna

Wir unterhielten uns anschließend weiter über Kuba, darüber das Kapitalismus und Materialismus nicht immer gut seien, was wohl die Zukunft für Kuba bringen würde und welche Chancen sich junge Kubaner erhoffen. Seitdem Castros Bruder die Amtsgeschäfte übernommen hat, sei vieles besser geworden. Es ginge liberaler zu.

Und bei solchen Gesprächen erfährst du wirklich etwas über Land und Leute und zwar aus erster Hand - nicht durch Medien gefiltert. Du erlebst hautnah was die Menschen in anderen Ländern denken, was sie beschäftigt, was sie antreibt, was sie lieben, was sie hassen und wofür sie kämpfen würden.

Mein Lieblingszitat von ihm ist eindeutig: 

"Der Staat tut so als würde er uns bezahlen und wir tun so als ob wir arbeiten würden."


Wenn du jetzt auch gern auf deinen Reisen mit Einheimischen in Kontakt kommen möchstest, habe ich einen Tipp für dich. Dieser ermöglicht es dir auch als "Neuling" diese Erfahrungen zu sammeln - auch wenn du schüchtern bist und nicht so recht weißt, wie du es am besten angehen sollst.

Kennst du Beetripping?

Das junge Start-up Unternehmen wirbt mit dem Slogan:


Entdecke die Welt über ihre Bewohner


Du kannst also mit einem Einheimischen die Stadt entdecken, auf Shoppingtour gehen oder die angesagtesten Clubs und Bars stürmen oder oder oder - du entscheidest. Dafür musst du dich nur auf  www.beetripper.com/de registrieren und deine Tour planen. Eine individuelle Tour durch Madrid kannst du bereits für 7 Euro buchen. 

Ich finde das Projekt klasse und würde selbst eine Tour buchen, wenn ich einmal in Spanien oder Lateinamerika unterwegs bin. Auch die Preise sind meiner Meinung nach unschlagbar, ich habe für unsere Touren in Fés und Havanna wesentlich mehr bezahlt. Und aus diesem Grund berichte ich auch über Beetripper auf meinem Blog, weil ich davon überzeugt bin, dass es eine gute Sache ist.

Und weil ich bereit bin für eine individuelle Stadtführung Geld zu bezahlen. Natürlich wäre es schöner, wenn dir Menschen gratis ihre Heimat zeigen und vielleicht gibt es das auch - vereinzelt, aber ich bin Realistin: Auch sie müssen ihre monatlichen Rechnungen bezahlen. Aber auch du kannst Beetripper werden und anderen deine Heimat zeigen - das Netzwerk will sich noch erweitern.

Die Touren werden bislang für folgende Städte angeboten:


Beecities                                                                                                                              Quelle: http://www.beetripper.com/de/

Welche Erfahrungen habt ihr bislang mit Einheimischen gemacht und was haltet ihr von #beetripping?

Kommentare:

  1. Finde ich total toll und hoffe, wir können bei unseren kommenden Reisen auch so tolle Begegnungen und Erfahrungen sammeln! Man lernt das Land doch am besten über die Einheimischen kennen.
    Liebe Grüße

    Jana

    PS: Bin jetzt auch beim Blogger-Treff! Danke für den Tipp!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jana,

      ich freue mich, dass du jetzt auch beim Blogger-Treff bist. Hab die Seite auch nur durch Zufall gefunden. :)

      LG Myriam

      Löschen
  2. Hallo Myriam, wir reisen im Juni auch nach Kuba. Hast du denn noch die Kontaktdaten der Personen, mit denen ihr in Havanna und Trinidad unterwegs wart?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Leider nicht mehr. Aber auf Kuba knüpft man auch schnell so Kontakte.
      Viel Spaß auf Kuba.
      LG Myriam

      Löschen
  3. Danke für die tollen Eindrücke - Toller Bericht und super Bilder :)

    AntwortenLöschen
  4. Macht richtig Lust auf eine Marokko Reise – Marokko tolles Land, und so vielfältig..

    AntwortenLöschen