Samstag, 17. Oktober 2015

Erfahrungsbericht: Clarissa´s Auslandssemester in Indonesien

Clarissa am Strand


Im Sommer traf ich mich mit Clarissa, der Gründerin der Leipziger Gruseltour, auf einen Kaffee in unserem Viertel. Wir plauderten stundenlang über Gott und die Welt und vergaßen völlig die Zeit. Sie erzählte viel Interessantes über ihr Jahr in Indonesien und so kam ich auf die Idee sie zu fragen, ob sie nicht Lust hätte für meinen Blog einen Gastbeitrag zu schreiben. Schließlich können so noch mehr von ihren Erfahrungen profitieren.

Sie berichtet darüber, wie man relativ einfach ein Stipendium von der indonesischen Botschaft erhält und  wie es sich anfühlt plötzlich in den Tropen mitten im Verkehrschaos zu stehen.

Indonesien bietet den ein oder anderen Kulturschock, dies machen die Indonesier mit ihrer Herzlichkeit aber mehr als wett.






"Indonesia istimewa!

„Indonesia istimewa“ ist Bahasa Indonesia, die indonesische Sprache, und bedeutet „Besonderes Indonesien“. Und da fällt schon die erste Frage… Hmm haben die Indonesier etwa unsere Schrift? Ganz genau! Indonesien wurde von den Holländern kolonisiert und sie verbreiteten unsere Schriftzeichen. Auch die Sprache ist gar nicht so schwer, wie man es von einer so fremden Sprache vermuten würde. Es gibt keine Zeitformen, Verben werden nicht dekliniert, der Satzbau ist recht variabel und beim Plural wird das Wort einfach verdoppelt. Hier ein Beispiel:
Orang - Mensch
makan – essen
nasi – Reis
Ein Mensch isst Reis. Orang makan nasi.
Die Menschen essen Reis. Orang-orang makan nasi.
Doch recht einfach, was? Ich habe die Indonesische Sprache an der Universität Leipzig gelernt und bin deswegen auch für zwei Semester mit einem Stipendium in Indonesien gewesen. Das Stipendium wurde von der Indonesischen Botschaft gestellt und fast jeder kann sich darauf bewerben. Grundvoraussetzungen sind das Interesse an der indonesischen Kultur und dass man unter 35 Jahre alt ist (unabhängig davon, ob man studiert oder nicht). Mit dem Stipendium erhält man den Zugang zu einer indonesischen Universität. Vor Ort lernt man an den Universitäten entweder die Sprache, etwas über traditionelle indonesische Medizin, indonesische Tänze oder das Wayang Kulit - das indonesische Puppenspiel - je nachdem für welchen Kurs man sich beworben hat. Hier und hier gibt es mehr Informationen.

Café in Bandung

Zum Foto: Bandung ist eine Stadt in Jawa. In Indonesien gibt es wahnsinnig viele moderne und hippe Cafés, Restaurants, Shops, die könnten jedem Café in Berlin Prenzlberg zur echten Konkurrenz werden.

Ich war von August 2014 bis April 2015 in Yogyakarta auf der Insel Jawa. Ich habe mein geliebtes Leipzig verlassen, um am Meer zu wohnen, jeden Tag frische Mangos vom Baum zu essen und entspannt in der Sonne zu liegen und zu meditieren – hey so hatte ich das ja bei „Eat, Pray, Love“ gesehen! Soviel zu den Medien und was sie uns für ein falsches Bild vermitteln. 

Es kam natürlich ganz anders. 

Yogyakarta liegt zwar am Meer, aber es dauert fast zwei bis drei Stunden, um sich durch die verstopften Straßen dorthin zu kämpfen. Denn obwohl die Stadt offiziell nur so viele Einwohner hat wie Leipzig, wirkt sie viel, viel voller und vor allem lauter. Es gibt kaum öffentliche Verkehrsmittel. Jeder, der es sich leisten kann, fährt mit einem Scooter. Das erzeugt Lärm, viele Abgase und vor allem Unfälle. Fast jeder meiner Mitstudenten war in einen Unfall verwickelt, manche hatten nur einen Schock oder leichte Schürfwunden, andere mussten etwas länger im Krankenhaus bleiben. Das steigerte meine Angst mit dem Scooter zu fahren.


Deswegen entschied ich mich für den lokalen Bus. Das hieß aber auch, ich musste viel mehr Zeit und Wege einplanen. Manchmal bin ich auch einfach durch die Straßen von Yogyakarta gelaufen (völlig verschwitzt nach 500 m – es ist wirklich, wirklich sehr warm). Jedoch haben mich die Bewohner in den Häusern immer super freundlich begrüßt und mir zugewunken. Wahrscheinlich werden sie sich auch gewundert haben. Warum läuft sie bei dieser Hitze freiwillig in den Straßen herum? Die Hitze hat mir auch wirklich zu schaffen gemacht und ich war gefühlt müder als in Deutschland und brauchte mehr Ruhe.

Gado Gado - typisches indonesisches Gericht an einem Straßenimbiss in Yogyakarta

Super toll fand ich die Indonesier und deren entspannte Mentalität. Alle die mir begegneten oder mit denen ich studiert hab, waren so freundlich und offen. Bereits vor meiner Reise hatte ich Bedenken: Werden mich die Indonesier akzeptieren, obwohl ich keine Muslima bin? Schließlich ist Indonesien das größte muslimische Land der Welt! 

Mir war es gar nicht bewusst, dass ich mir da ein Vorurteil zusammen gesponnen hatte. Zum Glück hat es sich nicht bewahrheitet. Ich wurde so akzeptiert, wie ich bin. Überall strahlende Gesichter, freundliche und offene Gesten und Einladungen, die Familie oder die Freunde kennenzulernen. 

Bald habe ich sogar an der Universität in Yogyakarta Deutschkurse gegeben. Das war grandios! Plötzlich gibt es um dich herum Indonesier, die alle deutsch sprechen - mitten in Jawa! Das hat mich wirklich fasziniert.

Was mir auch richtig gut gefallen hat, waren die tollen, leckeren und süßen Früchte. Die meisten Früchte hatte ich vorher noch nie gesehen. An jeder Straßenecke konnte man Smoothies oder Kokosnüsse kaufen. Umgerechnet hat ein Smoothie vielleicht 30 Cent gekostet. Indonesien ist generell sehr günstig für Europäer. Aber auch sehr gewöhnungsbedürftig.

Was solltet ihr vor einer Reise beachten? 

Bitte hört auf den Tropenarzt und impft euch gegen alles. Zu viele meiner europäischen Freunde lagen zum Beispiel mit Typhus im Krankenhaus. Wer oft von Mücken gestochen wird, muss sich vor Ort regelmäßig mit Mitteln gegen Moskitos eincremen, auch empfehle ich Anti-Mücken-Spray für die Kleidung (die Mücken vor Ort sind äußerst aggressiv). In Indonesien übertragen Mücken Denguefieber und in manchen Regionen auch Malaria. 

Lernt ein paar Worte Indonesisch! 

Die Augen der Indonesier werden vor Freude glühen! Wenn ihr eine Universität besuchen wollt, solltet ihr lange sommerliche Kleidung parat haben. Kurze Hosen und armellose Shirts sind an den Universitäten verboten. Kauft euch vor Ort eine indonesische SIM-Karte. Mit wenigen Euro habt ihr den ganzen Monat Internet. Probiert alle Früchte, aber immer vorher mit Trinkwasser waschen oder abschälen (das wurde uns von der Ärztin an der Indonesischen Botschaft eingetrichtert). 

Bule mengajar - bei der NGO an einer Schule

Solltet ihr in der Nähe von Yogyakarta sein, meldet euch bei dieser NGO:Bule mengajar“ heißt soviel wie „Ausländer lehren“. Diese in Yogyakarta bekannte NGO wurde von einer indonesischen Mitstudentin gegründet und verbindet Ausländer und Indonesier. Das Team nimmt euch an eine indonesische Schule mit. Dort erzählt ihr etwas von eurer Heimat. Ihr werdet rundum vom Team vor Ort versorgt und erhaltet einen grandiosen Einblick in die indonesische Kultur – alles umsonst. Wir haben es auch gemacht. Mein Freund hat auf dem Trip sogar gelernt auf Palmen zu klettern und Kokosnüsse professionell zu zerschlagen. Jetzt könnten wir also auch einer einsamen Insel überleben. 


Indonesien ist auf jeden Fall ein Land voller Gegensätze und Überraschungen. Ihr könnt es traditionell erleben oder super modern. Wenn ihr es gerne außergewöhnlich musikalisch haben wollt, schaut euch das Video an. Meine indonesische Lieblingsband

Terima kasih banyak! Vielen lieben Dank!

Eure Clarissa"

Clarissa in der Ethnologiebibliothek an der Universität von Bandung beim Austausch mit den Studenten vor Ort

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen