Montag, 21. März 2016

Wenn Lesen zum Erlebnis wird: Leipziger Buchmesse 2016

Am Sonntag ging nach vier Messetagen die Leipziger Buchmesse zu Ende. In den 5 Messehallen stapelten sich wieder die Büche bis an die Decke. Die Leipziger Messe ist aber nicht der einzige Ort in Leipzig, der sich während der Messe auf wundersame Weise verändert. Nein, die ganze Stadt wird zur "Lese-Ecke". Denn die Buchmesse wird von Europas größtem Lesefest "Leipzig liest" umrahmt. In diesem Jahr, welches auch noch das 25. Jubiläum von "Leipzig liest" war, gab es an 410 verschiedenen Orten in der Stadt 3.200 Veranstaltungen, die sich alle rund ums Thema Buch drehten.

Lesung "Das Seehaus" von Kate Morton im Hugendubel



Daher ist es mehr als verständlich, dass ich nur einen kleinen Bruchteil der Veranstaltungen besuchen konnte. Aber wer möchte, kann an den vier Messetagen rund um die Uhr lesen oder sich vorlesen lassen. Denn auch wenn die Messehallen um 18 Uhr schließen, bedeutet dies noch lange nicht, dass mit Lesen Schluss sei. Weit gefehlt! In der Stadt geht es dann erst richtig los. Die "Lange Leipziger Lesenacht" begann bspw. erst um 20 Uhr. Ich hatte zwar dafür leider keine Zeit, weil ich, wie ihr wisst, gerade meine Abschlussarbeit schreibe, aber allein schon das Wort "Lesenacht" zauberte mir ein Lächeln auf meine Lippen, als ich es im 430 Seiten starken Programmheft las. Erinnerte es mich doch an meine Grundschulzeit.





Auf der Buchmesse:

Nachdem ich zunächst etwas plan- und ziellos durch die "Manga-Halle" irrte, stürzte ich mich in die Welt der Bücher. Die meiste Zeit verbrachte ich, wie kann es auch anders für eine Reisesüchtige sein, in der Reiseliteratur-Abteilung.

Da wir im nächsten Monat nach Österreich, Kroatien sowie nach Bosnien und Herzegowina fahren, suchte ich vorallem Reiseführer für diese Länder. Die Bücher werde ich euch dann genauer in meinen Reiseberichten vorstellen.

1000 Places to see before you die - meine Bibel


Reiseführer für Dalmatien, Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina

Nach den ersten drei Stunden auf der Messe brauchte ich ersteinmal ein kaltes Getränk (Messepreis 3 Euro) und eine Verschnaufpause und so hörte ich mir die Lesung "Tote Models nerven nur" von Vera Nentwich an.


Leipzig Liest - Vera Nentwich


Da ich aber noch nicht in allen fünf Messehallen war, setzte ich meine Tour fort und landete in Halle 5. Dort waren erstaunlich viele Stände aufgebaut, die "Self publishing" anboten. Ist das jetzt ein neuer Trend? Einfach seine Bücher selbst "rausbringen"?

In Halle vier fühlte ich mich dann wieder wohler. Hier hatten einige Länder ihre Stände mit regionaler Literatur aufgebaut, Frankreich, Österreich, die Schweiz waren ebenso wie die USA, Israel und Taiwan vertreten. Am Taiwan-Stand bekam ich eine Tasse taiwanesischen Tee gereicht. Ich kannte den Tee bereits aus unserem Chinesisch Sprachkurs und wusste daher bereits wie gut er schmeckt. :)


Literatur @ Taiwan


Neu war für mich, dass die Polizei Streife auf der Messe lief. Das fiel mir in den Jahren davor nicht auf. Am Donnerstag war die Messe ohnehin leerer als am Samstag, der als der Besuchertag schlechthin gilt. Ehrlich gesagt, hatte ich es auch gehofft und war aus diesem Grund schon am Donnerstag auf der Messe.

Und obwohl ich schon seit Jahren auf die Leipziger Buchmesse gehe, kann ich doch noch immer Jahr für Jahr Neuentdeckungen machen. In diesem Jahr sind das:

  • Reiseliteratur vom Picus Verlag - die Autorinnen und Autoren des Verlags berichten aus über 150 weltweite Reisezielen. Im Mittelpunkt stehen immer persönliche Erlebnisse und Alltagsbegegnungen.
  • Der Pro Leipzig e.V. Verein, der sich mit Leipziger Historie und Architektur beschäftigt.
  • Der Drachenhaus Verlag, der ausschließlich chinesisch-deutsche Bücher herausgibt. Ich habe mir ein Buch mit Kurzgeschichten gekauft, die in chinesischer und deutscher Sprache abgedruckt sind. Vielleicht kann ich es bald lesen ohne ständig auf die deutsche Übersetzung zu schauen. (wie bereits hier auf dem Blog erwähnt, lerne ich Chinesisch)
  • Nicht neu, aber besonders schön sind die "Bücher fürs Handgepäck" aus dem Unionsverlag. Diese geben einen tiefen Einblick in die Seele der Menschen, indem sie Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren zu verschiedenen Destinationen erzählen. Ich hatte mir auf der letzten Buchmesse "Kuba fürs Handgepäck" gekauft und es auch auf der Insel gelesen - ihr glaubt gar nicht wie doll ich geheult habe, da die Geschichten so bewegend waren. Dieses Jahr habe ich mir "China fürs Handgepäck" gekauft. Der Verlag versucht pro Jahr zwei neue Bände herauszugeben, damit wächst das Angebot und für euch die Chance, dass bald auch eure Traum-Destination dabei ist.  

Stand des Drachenhaus Verlags


Zur Lesung "Das Seehaus" von Kate Morton und mit Esther Schweins:

Mein größtes Highlight auf der diesjährigen Buchmesse war definitiv die Lesung des Buches "Das Seehaus". Die Autorin Kate Morton hat es in Begleitung von Esther Schweins (deutsche Schauspielerin, die das Hörbuch liest) und Margarete von Schwarzkopf (deutsche Journalistin, Autorin und Moderatorin der Lesung) vorgestellt.

Nach dem Motto: "Kein Buch ohne Geheimnisse" zieht Morton mit ihrem neuen Roman wieder die Leser in ihren Bann. In ihrem Roman geht es um Geheimnisse und um eine Familie - für die Autorin ist das der Stoff aus dem gute Romane gemacht sind.

Zum Inhalt: Im Jahr 1933 fiebert die 16-jährige Alice dem Mittsommernachtsfest entegen, das auf dem englischen Landgut ihrer Familie stattfindet. In dieser Nacht geschieht aber etwas Schreckliches. Ein Kind verschwindet. Was genau geschah, versucht 70 Jahre später die Polizistin Sadie herauszufinden, die auf einem Spaziergang das verlassene Seehaus entdeckt.

Die Lesung, zu der mich der Randomhouse Verlag einlud, fand in unserem Hugendubel auf der Petersstraße statt. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig durch die Eingangstür schieben, da die Verkäuferin die Tür zu sperren wollte und einige Gäste mit den Worten "Wir sind ausverkauft." abweisen musste. 

"Das Seehaus" ist nicht der erste Bestseller von Kate Morton. Die Geschichten der Australierin spielen in England. Die Autorin lebt dort auch seit einigen Jahren mit ihrer Familie. Morton erklärte, dass Australien ein Einwanderungsland (gewesen) sei und viele Australier England als ihre Heimat angesehen haben. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, warum ihre Romane in England spielen. Morton liebt ebenfalls viktoriansiche Romane. Sie ist fasziniert von der englischen Landschaft mit ihren Mooren, alten Häusern und dunklen Geheimnissen. In ihren Romanen nimmt sie sich die Zeit, um ihre Charaktere und die Natur ausführlich zu beschreiben. Sie hat diese besondere Gabe eine Romanfigur mit scheinbar winzigen Details exakt zu beschreiben. Sei es die Art und Weise wie eine der Romanheldinnen ihr braunes Notizbüchlein aufblättert oder sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht wischt.


Für ihren Roman hat die Autorin nach einem verlassenen Haus als Inspirationsquelle gesucht. Ein Dornröschenhaus, wie sie es nennt. Ein Haus, deren Besucher es scheinbar nur kurzzeitig verlassen haben. Das feine Porzellan steht noch auf dem Tisch, als wären die Bewohner nur kurz in den Garten gegangen. Nur eine dicke Staubschicht bedeckt alles und verrät, dass das Haus schon längst nicht mehr bewohnt ist.

Besonders sympathisch fand ich, dass die Autorin nur über etwas schreibt, das sie kennt. Das ist auch meine Devise. Und so war es ein glücklicher Umstand oder ein Wink des Schicksals, dass Kate Morton so ein verlassenenes Haus in Cornwall fand.

In ihrem Kopf "geisterten" schon lange zwei Ideen für einen neuen Roman. Ein verschwundenes Kind und ein altes, verlassenes Haus. Sie verwob in "Das Seehaus" beide Ideen zu einem Roman. Sie sagte, sie hätte einen "Korb voller bunter Fäden im Kopf, die sie zu einer Geschichte zusammenspinnt".

Besonders interessant an dem Buch ist, dass zwei Zeitebenen mit einander verbunden werden und nur eine Person im Roman die "Brücke zwischen den Zeiten" darstellt. 


 
Kate Morton live im Leipziger Hugendubel

Kate Morton, die Theaterwissenschaften und Englische Literatur studierte, las Auszüge ihres Romans auf Englisch vor und auch wenn ich nicht alles verstand, so war ihre Lesung ein Erlebnis. Sie las unglaublich "szenisch" und wechselte ihre Tonlage, arbeitete mit ihren ausdrucksstarten Augen, ja mit ihrem ganzen Körper. Morton ist eine elegante, junge Frau, deren Bewegungen fließend sind.

Nicht weniger ausdrucksstark liest Esther Schweins die deutschen Textstellen und lässt keine Gelegenheit aus, um von der Wortgewalt der Autorin zu schwärmen. Und so wurde ihr Roman mit der Sinfonie "Die Moldau" von Smetana verglichen. Morton entgegnete, dass es ihr darauf ankäme, dass ihre Texte ein gutes "mouth feeling" hätten.

Und das kann ich der Autorin zu 100 Prozent bescheinigen. Als im letzten Teil der Lesung, die 2. Romanheldin Sadie vorgestellt wird, schließe ich meine Augen und bin plötzlich in Cornwall und entdecke gemeinsam mit der Polizistin das alte, verlassene Haus. Morton hat es so unglaublich intensiv und detaillreich beschrieben, dass man als Leser denkt, man könne das englische Moor riechen.


Altes Haus in Cornwall


Und zum Abschluss noch etwas in eigener Sache:

Ich bin jetzt übrigens auf Snapchat sehr aktiv und habe dort auch über die Lesung live berichtet. Wer in Zukunft interessante Führungen durch Leipzig live miterleben und mir auch auf meinen Reisen über die Schulter schauen möchte, kann mich gern auf Snapchat adden. Falls ihr auch bei Snapchat seid, postet mir einfach euren Benutzernamen in die Kommentare. Dann können wir uns unsere Snaps gegenseitig ansehen.

Snapchat Screenshot vom 19. März
Einfach Code scannen oder über Benutzernamen adden




Kommentare:

  1. ich war noch nie auf ner buchmesse, obwohl ich für mein leben gern lese, sprachen studiere und auch mal in die richtung lektorin gehen möchte.. oh man vllt sollte ich das doch schonmal vorher getan haben. :)
    danke für diesen post und das neugierig machen!
    LG aus dem santa christina grödnertal
    Claudia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gern gesehen. :) Vom 19. bis 23. Oktober findet in Frankfurt am Main noch eine 2. Buchmesse statt. Falls du Zeit hast, kannst du diese ja besuchen. http://www.buchmesse.de/de/fbm/
      LG Myriam

      Löschen