Mittwoch, 23. November 2016

Celtic Boyne Valley Day Tour - auf den Spuren der Kelten

Drei junge Frauen laufen irgendwo in Irland über eine Wiese, die von Frost bedeckt ist und spüren ihre Füße nicht mehr. Lisa, Henriette und ich sind am vergangenen Wochenende auf den Spuren der Kelten gewandelt und wir haben fünf Orte in der Nähe Dublins besucht, die allesamt wichtige historische Kulturstätte sind und in Verbindung zu dem keltischen Erbe der Insel stehen. Dazu zählen unter anderem Hill of Tara, Trim Castle und Loughcrew. Mittlerweile ist das Thermometer in Irland kräftig gefallen und der Winter ist auch in Dublin angekommen, daher waren wir sichtlich erleichtert als sich nach einer Weile die schwerfällige Heizung des Vans bis zu uns durchgekämpft hatte. Sandra, unser Tour Guide für unsere Celtic Boyne Valley Day Tour, drehte das Radio lauter als wir Dublin in Richtung Autobahn verließen und ich schaute aus dem Fenster auf das gefrorene Gras während Lisa und Henriette einschliefen. Der Van hüpfte fröhlich über die engen Landstraßen und Schafe punkteten wieder die Landschaft während die Sonne hartnäckig gegen die dicken Wolken ankämpfte.


Sonnenaufgang überm Hill of Tara




Hill of Tara


Als wir an unserem ersten Stop ankamen, hatte noch nicht einmal das Café geöffnet und so musste ich ohne meinen morgentlichen Coffee-to-go durch die gefrorene Landschaft laufen. Wir liefen rasch über den alten Friedhof in Richtung einer Wiese, die auf dem ersten Blick nicht vermuten lässt, dass es sich hierbei um ein uraltes politisches und spirituelles Zentrum handelt. Während uns Sandra die Bedeutsamkeit dieses Ortes näher bringen wollte, konnte ich nur daran denken, wie kalt es war. Wir liefen über die Wiese, kletterten auf die zwei Graskreise und suchten den Fairytale Baum. Ich machte so viele schöne Fotos mit dem gefrorenen Gras, dass sich das Frieren richtig gelohnt hat.

Fairytale Bäume sind übrigens Hawthorn Trees (Weißdorn). Der Weißdorn gilt in Irland traditionell als Feenbaum und als Zugang zur Anderswelt. Weißdornbüsche werden häufig als Wunschbäume verehrt, wie ihr reicher Bänderschmuck verrät. Mit den Bändchen lassen die Hilfesuchenden etwas von sich selbst am Baum zurück, so dass sich der „zuständige“ Genius Loci auch an sie und ihr Anliegen erinnern möge. Das Bändchen soll besonders schön sein, schließlich ist es ja ein Geschenk.


von links nach rechts: Myriam (ich), Henriette und Lisa


Die Iren sind sehr abergläubisch, ähnlich wie die Islander, und die Iren glauben an ihre "Märchenbäume". Das bedeutet, dass sie Hawthorn Trees niemals fällen, maximal beschneiden würden und sogar ganze Autobahnen um die magischen Bäume bauen. Unser Tour Guide erzählte uns eine Geschichte von einem Mann der jedoch 4 Hawthorne Trees im Garten zu stehen hatte, die die Sicht behinderten und er sie gern gefällt hätte. Im Dorf erklärte sich aber nieman der Bewohner dazu bereit, weil alle an die magischen Bäume glaubten. So fragte der Gartenbesitzer einen Polen, der den ersten Baum absägte. Da der Baum jedoch so groß war, lud er die Äste auf seinen Pickup und wollte sie abtransportieren. Der Legende nach ist noch bevor der Pickup das Gehöft verlassen hat ein schwerer Ast auf den Fuß des Besitzers gefallen, der sich daraufhin das Bein gebrochen hat. Die Moral von der Geschichte: Fälle niemals ein Hawthorn Tree. Dem Polen ist übrigens nicht passiert, da er es ja nicht wissen könnte wurder er von den Geistern/Feen verschont. Ob diese Geschichte wahr oder geflunkert ist, werde ich wohl nie erfahren. Tour Guides in Irland erzählen stets 80% die Wahrheit und die restlichen 20% entspringen ihrer Phantasie.


Hill of Tara - heute sind nur noch die Strukturen im Boden zu erkennen

Auf dem Hügel befinden sich zahlreiche vorzeitliche und frühgeschichtliche Monumente. Seit Jahrhunderten gilt der Hügel als Heimat  von Göttern und Druiden. Das Alter der Hügelgräber und ringförmigen Erdarbeiten wird auf mindestens 4.000 Jahre geschätzt. Der Hügel war seit jeher der Sitz der Hochkönige. Leider ist von der früheren Pracht des Hill of Taras nicht mehr viel übrig geblieben, da die Holzbauten dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind, lediglich die Fundamente lassen sich anhand der Strukturen im Boden erahnen. Aus der Luft sieht es noch spektakulärer als vom Boden aus. Wer dazu noch weiterlesen will, findet hier einen guten Artikel.

Anschließend hatte sogar das Café geöffnet und ich bekam noch meinen Coffee-to-go und einen leckeren Schokoladen Muffin. Da das Visitor Center nur bis Mitte September geöffnet hat, hatten wir freien Eintritt. 

Parkplatz Hill of Tara



Trim Castle


Unser zweiter Stop auf der Tour war das Trim Castle. Ich freue mich immer wie ein Schneekönig, wenn ich in Irland wieder ein neues Schloss besichtige und ich schicke meiner Schwester, die wie unser Tour Guide auch Sandra heißt, immer ganz schnell Fotos über whatsapp. Aber auch diesmal musste ich meine Schwester wieder enttäuschen auch in diesem Schloss kann man nicht übernachten. Man darf es nicht einmal ohne Tour Guide betreten. Leider war gerade eine große Touristengruppe in der Burg und so konnten wir die Anlage nur von außen betrachten und liefen eine kurze Runde um die alte Burg.

Wer die ganze Zeit überlegt, warum ihm das Trim Castle bekannt vorkommt, hat vielleicht den Film Brave Heart mit Mel Gibson geschaut. Die Burg aus dem 12. Jahrhundert diente nämlich 1995 als Drehort. Danach wurde die Burg 2004 vom Staat übernommen, der es restaurierte und den Besuchern zugänglich machte. Während Erdarbeiten wurden sogar nocht mittelalterliche Kräuter entdeckt, die allerdings angeblich so sehr gestunken haben, dass man sie wieder dem Erdboden gleich gemacht hat.  Mit einer Fläche von 30.000 qm galt es ursprünglich als das größte Kastell in Europa, heute sind leider nur noch die Überreste der Anlage erhalten. Unser Tour Guide erzählte uns noch, dass um die Burg extra ein Graben gezogen wurde, um zu kontrollieren, wer die Burg betritt. Wahrscheinlich war aber nie Wasser im Burggraben. Auch sonst galten die Burgbewohner als paranoid. Sie hatten niemals Wasser oder Feuer im Schloss und bereiteten das Essen im Freien zu.


Trim Castle

Loughcrew


Allmählich gewann die Sonne den Kampf gegen die Wolken und die Landschaft erwärmte sich. Auf dem Weg nach Loughcrew schaukelte der Van sich durch die engen Straßen, schlich durch nicht enden wollene Alleen und an unendlich vielen Schafswiesen vorbei. Im Radio dudelte irische Volksmusik und Sandra summte die Schlager leise mit. 

Loughcrew ist ein beschaulicher Ort. Mitte November sind dort mehr Schafe als Touristen und man kann je nach Wetterlage den Ausblick auf bis zu fünf anderen Counties genießen. Mit einem strammen Schritt machen wir uns auf den Weg zur Hügelspitze. Dort angekommen, schlossen wir das Grab auf und kletterten ins Innere, um die Malereien an den Wänden zu bestaunen. Obwohl das auch wieder ein historisch bedeutsamer Ort ist, hatte ich nur Augen für die Schafe und versuchte möglichst schöne Landschaftsfotos hinzubekommen. Die Schafe machten mir aber ein Strich durch die Rechnung, da sie sich ständig wegdrehten. Da waren die Hirsche im Dubliner Phoenix Park eindeutig fotogener. 😸

Um noch mal auf das Grab zurück zu kommen, dabei handelt es sich um eine Grabanlage aus der Steinzeit. Diese soll um 3200 v. Chr. erbaut worden sein und ist damit sogar älter als die Pyramiden von Gizeh. In dem Steingrab sind noch die Reste von 25 der einst 32 Gräbern erhalten. Im Inneren könnt ihr auch die Malereien auf den Wänden erkennen. Aber Vorsicht im Steingrab ist es sehr eng und man kann sich leicht den Kopf stoßen.

Bei dieser schönen Aussicht packten wir unsere Lunchpakete aus und aßen an der frischen Luft unser Mittagessen. Im Sommer lädt dieser Ort echt zum Verweilen ein, man könnte sich dann ins Gras legen und stundenlang ins Tal blicken. Ich wäre gern noch länger geblieben und hätte gern noch länger diesen kraftvollen Ort genossen, aber allmählich froren wir und so liefen wir wieder zum Parkplatz, wo es, wie könnte es auch anders ein, ein kleines gemütliches Café mit Touristenpreisen gab. Wir wärmten uns etwas auf und waren bereit für die letzen beiden Stops auf der Tour.









Monasterboice


Ich muss zugeben, dass es für Touristen, wie uns, bessere Orte als Monasterboice am Totensonntag gibt. Während die Dorfbewohner ihrer Toten gedachten und frische Blumen auf die Gräber legten, liefen wir fotografierend über den Friedhof und machten Fotos von den Kreuzen und vom Rundturm. Wahrscheinlich haben wir nicht einmal gestört, da die Bewohner bereits an die Touristenmassen gewöhnt sein müssten. Die alte Klosterruine wurde bereits im 11. Jahrhundert nach einem Brand aufgegeben, aber wie in Irland üblich wird der Friedhof noch heute genutzt. 




Drogheda


Verflixt und zugenäht nochmal! Wenn eine Stadt hässlich, wie Kilkenny ist und man vergeblich den mittelalterlichen Kern sucht, hat man 2 Stunden Zeit und weiß nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen als auf einen engen Turm zu klettern (Reisebericht folgt noch), aber wenn man nur 30 Minuten, wie wir in Drogheda Zeit hat, ist die Stadt auf einmal schön, scheint interessant zu sein und man will mehr und mehr erkunden, hat aber nicht genug Zeit. Wir wären gern noch in weitere Kirchen gegangen, hätten das Schloss angesehen und die Brücke über den Fluss vom Nahen betrachten wollen.

Leider hatte uns unser Tour Guide statt der üblichen 2 Stunden nur 30 Minuten Zeit gegeben und so eilten wir ins Shopping Center und suchten die Waschräume auf, gingen in die St. Peter's Church und zündeten Kerzen an. 



Glücklicherweise beschlossen wir noch, auch trotz der knappen Zeit zum Fluss zu laufen. In Irland ist nichts und niemand pünktlich, von daher kommt man mit 10 minütiger Verspätung meistens noch als erster. 😺

Viele Menschen eilten zum Fluss und zogen uns praktisch mit, ein älterer Herr erklärte uns, dass wir unbedingt zum Fluss kommen müssten, aufgrund seines Akzentes habe ich aber nicht verstanden warum. Als ich aber am Fluss stand begriff ich es: Die Menschen hatten sich dort Punkt 5 Uhr nachmittags versammelt, um Santa Claus, der auf einem Boot daher kam, zu winken und Fotos zu machen. Leute, die auf einer Insel wohnen, kommen immer auf die lustigsten Ideen. Santa Claus, der mitten im November mit nem Boot aufm Fluss fährt. Herrlich!

Santa Claus in Drogheda


Auf dem Rückweg nahm Sandra die Autobahn und wir sahen einen blutroten Sonnenuntergang hinter den Bäumen. Ich schloss die Augen und ließ den Tag noch einmal rekapitulieren.

Mein Fazit: Der Ausflug war wunderschön. Es macht mich immer wieder glücklich durch die irische Landschaft zu fahren und die Schafe auf den Wiesen zu sehen, an der Küste entlang zu fahren und hier in den versch. Kirchen Kerzen für meine Lieben anzuzünden. Aber bei aller Herrlichkeit darf man nicht vergessen, dass in Irland auch der Kapitalismus auch "angekommen" ist und die Touristen "ausgeraubt" werden. Alles, wirklich alles ist hier teuer. Da wir den Ausflug am Sonntag machen, mussten wir ein Taxi nehmen, da am Sonntag der erste Bus erst um 9 Uhr fährt und wir zu Fuß 1,5 Stunden in die Stadt brauchen. Also zahlten wir für die kurze Taxifahrt über 20 EUR, da der Taxifahrer erstens zu früh kam und einfach schon mal das Taxameter laufen ließ, man hier 4 EUR extra wegen Sonntag berechnet und je ein Euro Person und Rucksack. Daylight Robbery! (reiner Wucher) Ich hätte auch gern noch das Trim Castle von innen gesehen oder mehr von Drogheda, aber es war einfach nicht möglich, obwohl wir dafür bezahlt hatten. Ich mag es einfach nicht, wenn man viel bezahlen muss und dann nicht die Leistung erhält. 

Welche Erfahrungen habt ihr bereits mit geführten Touren und/oder  Touristenwucher gemacht?

Kommentare:

  1. Wie toll ist das denn, dass der Weihnachtsmann auf dem Fluss herumschippert?! Wahnsinn! Deine Fotos finde ich diesmal besonders schön, da kommt bei mir gerade große Sehnsucht auf :-)
    Ich wünsche dir ein schönes erstes Adventswochenende!

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    1. Es freut mich, dass dir meine Fotos gefallen. Bei diesem Ausflug hat auch alles gestimmt - Wetter, Landschaft und wir hatten fast überall genug Zeit. Ich überlege gerade, ob ich vor Weihnachten noch einen weiteren Trip mache, die Wahl steht zwischen Connemara, Galway und Cork.

      LG Myriam

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