Sonntag, 19. Februar 2017

Tagesausflug zur unbewohnten Kanaren-Insel Lobos

Auf der kleinen, unbewohnten Insel Lobos gibt es keinen Massentourismus, es gibt nicht einmal ein Hotel, sondern nur einen Campingplatz. Wer mit der Personenfähre auf die kleine Insel fährt, kann sich noch wie ein Entdecker fühlen. Dass wir Touristen wahrlich nicht die ersten Besucher auf Lobos sind, verrät die erst kürzlich entdeckte römische Purpur-Manufaktur aus dem 1. Jahrhundert vor Christus.

Blick in den Krater, der zu einem Drittel bereits im Meer verschwunden ist


Seit 1982 sind sowohl die Dünen von Corralejo als auch die kleine Insel Lobos ein Naturreservat, indem es strenge Regeln zu befolgen gilt, wie etwa nicht die Wanderwege zu verlassen. Die Insel erstreckt sich auf 467,9 Hektar und hat eine Küstenlinie von 13,7 Kilometern. Auf der Insel gibt es nur Wanderwege, Autos sucht man hier vergeblich. Lobos ist nur 2 Kilometer von Fuerteventura und 8 Kilometer von Lanzarote entfernt. Die höchste Erhebung ist der "Kessel-Berg" mit 127 Metern. Die Caldera des Vulkankraters ist bereits zu einem Drittel ins Meer gestürzt und ein Schutzgebiet für gefährdete Vogelarten. Die Alisios-Winde verstärken durch ihre ständige Präsenz auf der baumlosen Insel die Austrocknung des Bodens.


Blick auf die Dünen von Corralejo - die 2 Hotels stechen in der Landschaft hervor

 

Wie ist die Fährfahrt nach Lobos?


Mit dem Glasbodenboot Majorero vom Hafen in Corralejo erreichten wir die Insel Lobos innerhalb einer Viertelstunde. Ganzjährig fahren mehrere Fähren auf die Insel. Mittlerweile sogar mehr als auf den Flyern angegeben, da die Nachfrage größer geworden ist und so schnell die Flyer und Plakate an den Verkaufshäuschen nicht erneuert werden konnten, erklärte uns der deutsche Fahrkartenverkäufer. Daher fährt auch im Januar die letzte Fähre gegen 17 Uhr. Im November fällt der meiste Niederschlag und wird es sehr früh dunkel, daher ist die Frequenz der Fähren im November geringer als in anderen Monaten. Da die Dämmerung bereits um 17 Uhr einsetzt, fährt die letzte Fähre um 16 Uhr. Im Januar setzt die Dämmerung erst gegen 18.30 Uhr ein und um 19 Uhr ist es bereits stockdunkel gewesen. Laut Fahrkartenverkäufer beginnt die Primavera (Frühling) auf den Kanaren Mitte Februar und dann verkehren auch wieder deutlich mehr Boote zwischen den beiden Inseln. Da die Insel Lobos zwischen den beiden Inseln Fuerteventura und Lanzarote recht geschützt liegt, ist die See ruhig und man kann das klare blaue Wasser und den Blick auf die beiden ungleichen Kanareninseln genießen.


Personenfähre


Ein Ticket kann man bequem am Hafen in einem der Kioske kaufen. Zur Auswahl stehen neben der bereits erwähnten Personenfähre (Hin- und Rückticket 15 EUR) auch Wassertaxis von verschiedenen Anbietern. Deren Kioske stehen dicht beieinander und die Verkäufer haben Ähnlichkeit mit den Marktschreiern in Marrakesch. Was widerum sicherlich die Preisverhandlung erleichert. Für Wasserratten sind die Katamaranausflüge zum empfehlen. Hier wird vor der Insel geankert und man hat ausreichend Zeit zum Schnorcheln, Tauchen oder Schwimmen.

Welche Tiere und Pflanzen gibt es auf Lobos? 

 

Ist man auf der Insel angekommen, kann man sich kurz die Ausstellung im winzigen Besucherzentrum ansehen oder man startet gleich die Wanderung und entdeckt die zahlreichen Tiere und Pflanzen, die zum Teil nur noch auf Lobos vorkommen.


seltene Pflanzen auf Lobos




Früher war die Insei die Heimat vieler Mönchrobben "Lobos del mar". Sie gaben der Insel auch ihren Namen. Mittlerweile sind sie leider ausgestorben, da die Tiere u.a für ihr Fleisch gejagt und schließlich ausgerottet wurden. Die knuddeligen Mönchrobben findet man heute noch an der Küste der Westsahara (südlich vom Staatsgebiet Marokkos).
Heute gibt es noch viele Seevögel, die auf der Insel leben und u.a. auf dem Vulkan brüten. Da die Brutstätten geschützt sind, darf man zur Brutzeit nicht auf den gesamten Vulkankrater wandern gehen, sondern nur sich nur in den erlaubten Arealen bewegen. Zu den geschützten Arten zählen u.a. der Sturmtaucher, der Fischadler und die Weißkopfmöwe. Die Tregentrappe, der Rennvogel und der Raubwürger stehen auf der roten Liste der gefährdeten Arten und werden auf der Insel besonders geschützt.
Die Vegetation hat sich auf Lobos dem hohen Salzgehalt angepasst. Hier findet man 130 Arten. Darunter befinden sich einige, die man nur auf Lobos findet.


Blick auf den Wanderweg zum Vulkan und auf die baumlose Landschaft


 

Was ist die beste Wandertour auf Lobos?


Auf Lobos gibt es 2 Möglichkeiten, die Wandertour zu beginnen. Entweder startet ihr euren Inselgrundgang, indem ihr am Visitor Centre in die linke oder rechte Richtung loslauft. Haltet ihr euch links, kommt ihr zuerst zu dem kleinen Strand Playa de la Concha, geht ihr nach rechts, erreicht ihr das fleine Fischerörtchen El Puertito mit dem einzigen Restaurant auf der Insel. Wer im Restaurant einkehren möchte, muss telefonisch vorbestellen.

Wir haben uns für den Wanderweg, der rechts vom Visitor Centre aus startet, entschieden, da wir am Ende der Wandertour noch etwas am Strand chillen wollten. Wer sich kein Picknick mitgenommen hat und im Restaurant vorbestelllt hat, sollte die andere Richtung wählen.


Der Rundweg (14 Kilometer) über die Insel ist in 3-5 Stunden zu schaffen. Gegen eine Gebühr von 3 EUR könnt ihr auch noch ein Fahrrad mit auf die Insel nehmen. Aber lasst euch gesagt sein, dass die Wege fürs Radfahren nicht geeignet sind und es sehr anstrengend ist und ihr auch nicht schneller vorankommen werdet.


Radfahren auf Lobos


An einigen Stellen gabeln sich die Wege und ihr könnt euch entscheiden, ob ihr eine Strecke mit Meerblick oder eine Strecke durchs Innselinnere nehmen wollt. Wir haben uns für den Weg mit Meerblick entschieden und sind durch einen Agaven-Wald gelaufen, wahrscheinlich ist das eine Stelle auf der Insel, wo es feuchter ist und diese Pflanzen genügend Wasser bekommen.


Agavenwald auf Lobos


Dann ging es an den Las Lagunitas vorbei. Die Sonne spiegelte sich auf dem Meer und dieses glänzte wunderschön. Zwischen den kleinen Buchten, die mit Lava bedeckt sind, sahen wir Segelboote, die vor der Insel geankert hatten. Die Salzwiesen, die oft vom Meer überflutet werden, darf man nicht betreten, da hier seltene Pflanzen blühen und bedrohte Vogelarten dort ihren Rückzugsort haben. Der Wanderweg führte uns an die Nordspitze der kleinen Insel. Dort steht der Leuchtturm Faro de Martiño. Auf der Aussichtsplattform habt ihr einen wundervollen Blick auf die Papagayo Strände auf Lanzarote und natürlich aufs Inselinnere mit seinen ockerfarbenen Wegen und den etwas dunkleren Erhebungen, die leicht ihre Häubchen hervorragen lassen.


Blick vom Leuchtturm auf die Insel Lobos


Der Weg führt weiter am Meer entlang, wo ihr sehen könnt, wie der stürmische Atlantik ans Ufer peitscht. Leider eignen sich die kleinen Buchten nicht zum Baden, aber sehr wohl zum Fotografieren. Nach einer guten Viertelstunde erreicht ihr die Weggabelung zum Vulkankrater. Der Weg führt zuerst auf einer Ebenen zum Fuße des 127 Meter hohen Vulkans und geht dann recht steil bergauf. Der Montaña de Lobos ist ein erloschener Vulkan, dessen westlicher Ausläufer im Meer verschwunden ist.

Weg zum Fuße des Vulkankraters

Am Anfang gibt es noch Steintreppen, später muss man einfach so am steilen Berg hochlaufen


Die herrliche Aussicht belohnt euch für den schwierigen Aufstieg. Oben könnt ihr kurz verschnaufen und picknicken. Ihr dürft aber nicht die seltenen Vogelarten stören und müsst hinter der Absperrung bleiben. Meiner Meinung nach eignet sich der Aufstieg nicht für Kleinkinder. Schulkinder sollten mit dem Aufstieg aber keine Probleme mehr haben. Mir sind übrigens beim Abstieg die Schuhe kaputt gegangen. Die Sohle hatte sich gelöst und ich musste alle paar Meter anhalten und die Steinchen rauspuhlen. Also macht es besser als ich und nehmt nicht die alten Schuhe ausm Schrank zum Wandern mit. Da wir bereits das Salzmuseum mit den Salinen zwei Tage zuvor besucht hatten, sparten wir uns den Schlenker zu Las Salinas und gingen direkt wieder zur Anlegestelle zurück.

Doch zuvor suchte ich noch die im Reiseführer beschriebene Purpur-Manufaktur, die erst 2012 auf der Insel entdeckt wurde. An der Küste entdeckten Archäologen die Fundamente einer 18x6 Meter großen Anlage in der vom ersten Jahrhundert vor Christus bis zum ersten Jahrhundert nach Christus Krustentiere "geerntet" worden sein sollen. Aus den Tieren gewann man die damals für Kleidung sehr beliebte Farbe "Purpur". Die Purpurschnecke, aus der der Farbstoff gewonnen wurde, scheidet zur Verteidigung ein gelbliches Sekret aus, welches sich bei Kontakt mit Sonnenlicht purpur färbt. Ich habe gelesen, dass man 12.000 Purpurschnecken zur Herstellung von 1,5 Gramm! benötigt. Krasse Zahl, oder? Für die Chemie-Freaks unter meiner Leserschaft, hier noch ein Link zum Thema Purpur.


Blick auf die abgedeckte Ausgrabungsstätte der Purpur-Manufaktur


Auf Lobos wurden 70.000 Purpurschnecken gefunden, damit konnte man gerade einmal 8,75 Gramm Farbstoff herstellen. Es wurden aber auch Keramikstücke, Eisen- und Bronzefragmente sowie Knochen von Ziegen gefunden. Die eigentliche Sensation ist aber, dass man nun mehr oder weniger einen Beweis dafür hat, dass römische Seeleute tatsächlich mit ihren Booten die Kanaren ansteuerten. In antiken Schriften wurde der Archipel als die "Glücklichen Inseln" beschrieben. Vielleicht haben auch die Alten Römer, die Inseln mit den nordafrikanischen Berberstämmen besiedelt. Wer die Kanaren besiedelt hat, ist übrigens noch eine andere spannende Geschichte. Die Geschichte über die Guanchen, so werden die Ureinwohner der Kanaren genannt, erzähle ich euch ein anderes Mal, denn in der Ferne sehe ich schon unser Schiff, welches uns wieder zurück nach Corralejo bringt. 



Visitor Centre am Bootsanleger

 

Wie wird euer Wandertag unvergesslich?



Da die Sonnenstrahlen auf den Kanaren immer relativ stark sind, solltet ihr ausreichend Trinkwasser und ein Lunchpaket einplanen. Außerdem müsst ihr unbedingt an Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung denken. Ja, ihr braucht das auch im Winter! Und macht es besser als ich und nehmt Schuhe mit, die eine bis zu 5-stündige Wandertour aushalten. :) Fahrräder würde ich nicht mitnehmen, sondern wirklich laufen. Wer Schatten braucht, sollte eine längere Pause beim Leuchtturm einplanen, weil es nur dort Schatten gibt und auch der Wind zusätzlich für die nötige Abkühlung sorgt. Der Strand ist nicht so schön und lädt nicht besonders zum Baden ein. Im Visitor Centre gibt es saubere Toiletten. Das Wasser dort hat aber keine Trinkwasserqualität. Im Visitor Centre gibt es keine Postkarten etc zu kaufen, es ist also noch weniger touristisch als auf La Graciosa. Nehmt einfach alles von Fuerteventura mit was ihr braucht und rechnet damit, dass ihr auf Lobos nichts kaufen könnt.

So im nächsten Reisebericht wird es richtig sandig, denn es geht auf eine Quadtour und/oder ich zeige euch die schönsten Strände der Westküste. Es wird romantisch ....

Bis dahin eine schöne Woche. :)


Diese Aussicht macht doch Lust auf Wandern, oder?

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