Sonntag, 28. Mai 2017

Gran Canaria Teil 2: Costa Mogán und 2 Gran Canaria Reiseführer im Vergleich*

Bevor ich zu unseren Ausflügen in die Berge Gran Canarias komme, will ich euch noch über die Costa Mogán berichten. Im letzten Bericht habe ich euch über die Costa Canaria mit seinen langen Sandstränden und den Partymeilen von Maspalomas und der Playa Inglés erzählt. Die Costa Mogán ist hingegen anders: Hier findest du hübsche, kleine Buchten und wenn du nicht die Autobahn nimmst, sondern direkt am Meer der GC500 folgst, siehst du auch die atemberaubende Steilküste, die bis zu 200 Metern aufragt.




Wie jeden Morgen starteten wir nach einem kleinen Frühstück, bestehend aus einem Kaffeebecher und einem Joghurt, unsere Entdeckungstour. Der Vorteil der Costa Mogán liegt in seinen Unterschieden zu Maspalomas, wo wir unseren Bungalow gemietet hatten. Der Tourismus  mit all seinen Facetten kam in diesen Teil der Insel erst viel später und so erhielt sich der Küstenabschnitt noch etwas mehr Charme. Außerdem ist man hier westlich genug, um bei gutem Wetter auf den Teide, dem höchsten Berg Spaniens, auf der Nachbarinsel Teneriffa gelegen, zu blicken und einen wunderschönen Sonnenuntergang zu genießen.


Puerto de Mogán - "Klein Venedig"

 

Dieser Küstenabschnitt wird von den beiden Fischerdörfern Arguineguín und Puerto de Mogán begrenzt. In ersterem sind wir nur kurz auf der Suche nach einem Wochenmarkt durchgefahren. Fanden aber leider keinen.Wenig später fanden wir uns in den engen Gassen von Puerto de Mogán auf der Suche nach einem Parkplatz wieder. Das "Klein Venedig" der Kanaren ist besonders beliebt bei Tagesausflüglern und dementsprechend ist auch die Parkplatzsituation, sodass uns nur die Fahrt in ein Parkhaus blieb. Wir schlenderten durch die schattigen Gassen mit ihren Boutiquen und Eiscafés und fanden den Weg zur Bucht. Dicht aneinander, wie Perlen auf einer Schnur, rekelten sich Touristen und Einheimische gleichermaßen in der Sonne und Kinder planschten vergnügt im seichten Wasser der geschützten Bucht. Normalerweise prescht der Atlantik mit all seiner Wucht auf die meisten Strände der Kanaren, Hier aber nicht. Eine künstlich angelegte Kaimauer im Wasser schützt den kleinen Strand vor den Naturgewalten. Wie überall auf den Kanaren üblich, werden auch hier Liegen und Sonnenstühle vermietet. Die einzige Möglichkeit am Strand etwas Schatten zu bekommen - ohne selbst einen klobigen Sonnenschirm mitzuschleppen.


 Der Strand von Puerto de Mogán ist besonders bei Familien mit Kleinkindern beliebt.

Uns stand der Sinn nicht nach baden, wir hatten Hunger. Besser gesagt, ich hatte Hunger. Und so liefen wir die Promenade nach einem Lokal ab, welches uns beide gefiel. Am Ende der Altstadt, die von einem Kanal und vielen hübschen blauen Brücken begrenzt ist, fand ich ein paar Tische, die im Schatten standen. Der Ober eilte herbei und verkündete uns, dass die große Paella, die man jeden Sonntag gegen 14 Uhr macht, fertig sei. "Paella ist lecker", dachte ich und bestellte eine Portion. Basti zeigte sich noch verhalten und war zunächst mit einem kalten Smoothie zufrieden. Da die hausgemachte Paella aber so lecker war, bestellte er auch noch einen Teller. Wer kann da schon für 7,50 € wiederstehen?

Paella in Puerto de Mogán


Wer Puerto de Mogán ganz für sich allein haben möchte, sollte wie alle Tagesausflugsziele auf den Kanaren nach 16 Uhr, besser nach 18 Uhr anreisen. Dann kann man fast allein durch die Gassen spazieren gehen und in einem kleinen Café den abendlichen Kaffee genießen.


Cañada de Los Gatos - Küstendorf der Altkanarier


Cañada de Los Gatos ist eine Siedlung der Guanchen, so heißen die Ureinwohner der Kanaren, die über 1300 Jahre alt ist. Der Besucher erreicht diese Ausgrabungsstätte in wenigen Minuten vom Zentrum Puerto de Mogáns aus. Während eines Spaziergangs über die Anlage erfährt man viel über die frühere Lebensweise auf den Kanaren und hat einen wunderschönen Ausblick auf den Hafen. Allein schon dafür lohnt es sich Eintritt zu bezahlen. Wer übrigens einmal den Eintritt von 4 € entrichtet hat, darf ein Jahr lang auf die Anlage. Das bietet sich vorallem für Reisende an, die in eine Unterkunft in der Nähe haben, da die Ausgrabungsstätte auch ein kleines Café mit einem Aussichtspunkt hat. Ich glaube sogar, dass meinem Freund (und bekennender Museumsmuffel) dieses Freiluftmuseum gefallen hat. 

Ich interessiere mich schon seit unserem ersten Besuch auf den Kanaren für die Urgeschichte des Archipels. Fakt ist, dass die Inseln schon sehr früh besiedelt wurden. Es gibt sogar Hinweise, dass bereits die alten Römer den Weg auf diese Inseln fanden. Die ersten Bewohner sollen aus Nordafrika stammen und Berber gewesen sein. Bei etwa 10 der 19 Gebäuderesten handelt es sich um Wohnhäuser der Ureinwohner aus Steinmauern, die halb in den Abhang eingegraben wurden. Sie weisen von außen eine nahezu runde Form auf, haben aber im Inneren einen kreuzförmigen Grundriss. Darauf wurden Häuser jüngeren Datums gefunden, die wahrscheinlich aus der Zeit der Erorberung durch die Spanier stammen. Erstaunlicherweise wurde auf diesen Resten eine weitere, dritte, Hausebene entdeckt. Sie wird auf das Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts datiert. Hier stellt sich natürlich die Frage warum die Häuser immer wieder an der gleichen Stelle gebaut wurden. Waren die alten Mauern noch zu sehen oder gab es andere Gründe genau an dieser Stelle in 2. und 3. Generation ein Haus zu errichten?

Läuft man weiter über die Anlage kommt man zur Grabstätte La Crucecitas. Die zu sehenden Skelette sind Nachbildungen. Die echten Gebeine befinden sich im Museum.

Info: Eintritt 4 €/Jahr (Jahreskarte daher aufbewahren); Adresse: Calle Puntilla, Puerto de Mogán, Zufahrt über die GC-200; begrenzte kostenlose Parkplätze direkt vor dem Eingang, Alternative: Parkhaus; im Winter von 10-17 Uhr geöffnet, im Sommer (April bis September) von 10-18 Uhr; Informationstafeln auf Spanisch, Englisch und Deutsch; durchschnittliche Besuchsdauer: 2 Stunden; nicht geeignet für Kleinkinder und Senioren mit Gehhilfen, da das Gelände unwegsam und bergig ist.


Blick auf die Ausgrabungsstätte Cañada de Los Gatos

Los Azulejos - Das rätselhafte Farbspiel


Nicht nur die Ureinwohner sind ein interessantes Rätsel auf den kanarischen Inseln. Auch die Geologie und die Entstehung der Inseln sind spannend und interessant. Als wir von der Costa Mogán aus in die Berge fahren wollten, hätten wir fast einen Mittelstreifen-liebenden Radfahrer auf der kurvenreichen Bergstraße nicht gesehen, weil wir von dem faszinierenden Farbspiel der grün-rot schimmernden Felsen abgelenkt waren. 

Ich wollte unbedingt wissen was das ist und schlug im Reiseführer nach. Praktischerweise sind in der vorderen Klappe meines ADAC Reiseführers alle Sehenswürdigkeiten mit einer Zahl gekennzeichnet und so fand ich schnell die passende Erklärung im Buch: Am Fuße des Inagua Berges zeigt das Gestein je nach Sonnenstand "verschieden intensive helle oder dunkle blau-grüne Streifen. Es handelt sich um poröses, geschichtetes, stark mineralhaltiges Tuffgestein [...] ." Quelle: ADAC Reiseführer plus S. 70.
Der Reiseführer weist auch noch darauf hin, dass man das Gestein auf einem kleinen Spaziergang noch genauer erkunden kann und von nahem auch gut das brüchige Gestein erkennen kann. Dafür hatten wir allerdings an diesem sonnigen Urlaubstag keine Zeit, denn wir wollten noch in den Bergen wandern gehen. Davon aber mehr im dritten Teil meiner Gran Canaria Reiseberichte.

Los Azulejos

 

Welche Reiseführer eigenen sich am besten für Gran Canaria?


Mein Jura Professor riet uns diese Art von Fragen anfänglich immer mit "Es kommt darauf an" zu beantworten. Und hier trifft das besonders auf die verschiedenen Arten von Reisenden zu. Wir reisen gemächlich und mögen Hintergrundinformationen über Land und Leute. Daher bin ich ein großer Fan der MERIANmomente-Reihe

Der Aufbau des Buches kommt mir sehr entgegen: 

Zum Buch und Aufbau des MERIANmomente:

Es gibt eine Faltkarte zum Herausnehmen, die eine gute Orientierung über das Reiseziel bietet. Außerdem beginnen die Bücher mit einer Einleitung des Autors, der seine Beziehung zur Destination schildert. Diese persönliche Note schätze ich besonders.
Perfekt für to-do Listen Liebhaber, wie mich, sind die folgenden 3 Listen:

1. MERIAN TopTen 
2. MERIAN Momente Das kleine Glück auf Reisen  
3. Neu entdeckt - worüber man spricht


Ein freundlicher französischer Tourist fotografierte uns am Mirador El Mulato

Mit großer Begeisterung versuche ich bei jedem Reiseziel die Top Ten Liste abzuarbeiten und durch die Liste mit den kleinen Glücksmomenten zu ergänzen. Wir sind keine Freunde von Massenansammlungen und so schätzen wir die Insider Tipps, etwa wie Picknichs am See oder besondere Aussichtspunkte, der Autoren sehr.

Die folgenden Kapitel handeln alle wichtigen Punkte, wie Übernachten, Essen & Trinken, Einkaufen, Sport & Shopping ab. Besonders zu erwähnen sind auch noch die Tipps zum nachhaltigen Reisen, die sich auf mehrere Seiten erstrecken. Außerdem wird das Reiseziel in Regionen unterteilt, die noch näher beleuchtet werden und typische Themen stehen "Im Fokus". In dem Gran Canaria Reiseführer sind das u.a. die deutschen Auswanderer und so habe ich "zufällig" die deutsche Bäckerei Zipf auf den Kanaren gefunden. Bevor das Buch mit einem umfangreichen Serviceteil schließt, werden noch pro Titel 3-5 Touren (meist Tagestouren mit dem Auto oder Rad) vorgestellt. Besonders dieser Teil hat uns bereits sehr schöne Reisetage beschert.

MERIANmomente-Reiseführer - Liebe auf den ersten Griff ins Regal


Genauso wie ich jetzt von den MERIANmomente-Reiseführern schwärme, habe ich es auch auf der Leipziger Buchmesse getan und kam so mit einem Verlagsmitarbeiter ins Gespräch. Er ist redaktionell für die ADAC Reiseführer zuständig und gab mir den Reiseführer über Gran Canaria als Rezensionsexemplar mit.


ADAC Reiseführer plus Gran Canaria                                                                        Cover: ADAC, Travel House Media GmbH

Zum ADAC-Reiseführer plus:

In meinem Handgepäck nach Gran Canaria befanden sich nun also erstmalig 2 Reiseführer. Skeptisch musterte ich das Cover des Buches und las darauf " Jetzt mit TIPPS für Familien und cleveres Reisen".

Die 8 Tipps für cleveres Reisen machten durchaus Sinn, aber mit den Tipps für Familien konnte ich mich nicht anfreunden. Nun, ich habe keine Kinder, aber ich hätte mich gefreut, wenn diese Tipps nicht die typischen Touristenattraktionen gewesen wären, die wirklich jedem Besucher auf großen Plakatwänden entgegen leuchten. Zoo, Aquarium, Bimmelbahn, Westernstadt und Kartbahn leeren eher die Geldbeutel der Eltern als dass sie zu einem entspannten Urlaub beitragen würden. Ich hätte es besser gefunden, wenn dort Tipps zu leichten Wanderungen etc. zu finden gewesen wären.

Zum Aufbau des ADAC Reiseführers:

Nach dem Intro  kommt der Hauptteil "Unterwegs", der nach den Himmelrichtungen sortiert die Sehenswürdigkeiten der Insel detailliert erklärt und sehr interessante Info-Kästen bereit hält. So haben wir beispielsweise von dem kanarischen Mineralwasser Firgas erfahren und natürlich bevorzugt dieses regionale Mineralwasser getrunken. Farbenfrohe Abbildungen und eingerückte Tipps, Erklärungen sowie fettgedruckte Schlagwörter laden wirklich dazu ein das Buch zu lesen. Da jeder Ort/ Sehenswürdigkeit mit einer Nummer versehen ist, findet man den Ort auf der ebenfalls nummerierten Landkarte in der vorderen Klappe sehr schnell. Der Serviceteil zum Schluss ist umfangreich und informiert umfassend.

Zu den Faltkarten in beiden Büchern:

Beide Reiseführer haben jeweils eine Faltkarte. Die Karten in den MERIANmomente-Reiseführern sind etwas kleiner als die in den ADAC Reiseführern und dienen daher wirklich nur zur groben Orientierung. Als ich die zusammengefaltet recht dicke Karte in dem ADAC Reiseführer sah, erwartete ich eine detaillierte Karte, aber leider wurde ich enttäuscht, da die Karte direkt von Gran Canaria sehr klein ausfällt und für mich irrelevante Übersichtskarten des gesamten Archipels wertvollen Platz rauben. Anstatt Werbung für andere Reiseführer auf der Rückseite abzudrucken, hätte man diesen Platz gut für eine weitere Karte nutzen können.

Fazit:

Beide Reiseführer informieren umfassend zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten und bieten zahlreiche Zusatzinformationen inkl. einer Faltkarte an. Der MERIANmomente-Reiseführer legt mehr Wert auf die Beschreibungen von Land & Leute, während der ADAC-Reiseführer gut recherchierte Sachinformationen liefert. Außerdem steht auf dem Cover des neuen ADAC Reiseführers "Maxi-Faltkarte für unterwegs" - vielleicht ist diese besser als die in der 2016er Auflage.
Es gibt noch eine weitere Reihe. Sie heißt MERIAN live! Für Gran Canaria sogar vom gleichen Autor. Dieser Reiseführer bietet zusätzlich Fototipps und Ideen für abwechslungsreiches Reisen mit Kindern zum Preis von 11,99 € [D]. Ebenfalls mit Faltkarte.

Im Vergleich: MERIANmomente und MERIANlive!


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Daher die zwei Bücher noch einmal im Überblick:


MERIANmomente Gran Canaria

Autor: Dieter Schulze
Preis: 14,99 € [D] und 15,40 € [A]
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN: 978-3-8342-1805-6
Verlag: MERIAN, Ganske Verlagsgruppe; Travel House Media GmbH, München
Link zum Buch

ADAC Reiseführer Gran Canaria

Autorin: Nana Claudia Nenzel
Preis: 12,99 € [D] und 13,40 € [A]
Erscheinungsjahr:  2016 (2. Auflage) Seit Mai 2017 gibt es eine neue Auflage!
ISBN: 978-3-9568-9127-4 (2016er Auflage)
Verlag:  ADAC, Travel House Media GmbH, München
Link zum ADAC Shop, neue Auflage

So das wars erstmal zur Costa Mogán und meinen zwei Reiseführern. Ganz egal für welches Buch ihr euch entscheidet: Hauptsache ihr nehmt überhaupt einen Reiseführer mit. :) Denn ohne würdet ihr nur halb so viel entdecken.

Im dritten Teil gehts dann endlich in die Beeeerge. :) Wenn ich schnell bin, erscheint der dritte Teil am 4. Juni.

Ab in die Berge! Bergstraße auf Gran Canaria


Offenlegung: Ich habe sowohl den MERIANmomente als auch den ADAC Reiseführer plus als Rezensionsexemplar erhalten und beide ausgiebig 2 Wochen lang auf Gran Canaria getestet, reingeschrieben und viele Kassenzettel als Lesezeichen reingelegt. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen