Montag, 31. Juli 2017

Rezension: Ildathach. Jenseits des Vergessens von Amanda Koch*



„Doch der raue Wind der Irischen See trug die Worte meines Vaters hinter mir her, die er erst vor wenigen Augenblicken mit gebrochener Stimme an mich gerichtet hatte.“

Étaín erfährt vom rätselhaften und plötzlichen Tod ihrer Mutter und muss nach und nach erkennen, dass ihre Mutter Caena viele Geheimnisse hinterließ. Geheimnisse, die nicht von dieser Welt stammen. Steckt mehr hinter den keltischen Mythen als wir wahrhaben wollen?
Étaíns Wolf folgt ihr als Beschützer auf Schritt und Tritt und ist nach dem Berg Snaefall benannt. Eine wirklich schöne Metapher – der Wolf gibt ihr Kraft und Halt wie ein großer Berg. Aber woher kam das Tier urplötzlich?

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Caena war als Heilerin vertraut mit der Mythologie und hatte ein enormes Wissen über Pflanzen und deren Heilwirkung. Dessen war sich ihr Mann Taran durchaus bewusst, obgleich er das genaue Gegenteil verkörpert. Als Arzt ist er von Berufs wegen rational und lässt keinen Raum für Geschehnisse, die er nicht mit seinem Verstand erklären kann. Er glaubt, dass sich seine Frau in den alten Mythen verloren hätte, muss aber feststellen, dass er ihren Tod auch nach der Autopsie nicht mit der Schulmedizin erklären kann. Zu seinem Leidwesen forscht die 17-jährige Tochter Étaín in alten Büchern und Aufzeichnungen der Mutter nach Wahrheiten und will den Tod der Mutter aufklären.

Amanda Koch beschreibt das angespannte Vater-Tochter-Verhältnis und lässt den beiden Hauptfiguren in authentischen Dialogen zu Wort kommen. Trotz der Differenzen wird der Leserin ein überaus liebevoller Vater beschrieben.
Seit einem Ereignis vor drei Jahren auf der Insel Calf spürt Étaín eine merkwürdige Kälte in sich, die sie sich nicht erklären kann. Auf Calf hatte ihre Mutter ein uraltes Cottage mit einem kleinen Garten, in dem sie ihr Wissen über die Anderswelt und die Heilpflanzen sammelte. Seit einem Traum lässt Étaín der Gedanke an das Cottage nicht mehr los. Bekommt sie dort Antworten, die den Tod ihrer Mutter erklären?

Während ihr Vater beruflich in der Stadt weilt, beschließt sie mit einem kleinen Boot nach Calf überzusetzen.

Als Étaín das Cottage betritt:

„Sofort kam mir der Duft von getrockneten Kräutern entgegen, der sich mit dem Geruch der ledernen Einbände vieler Bücher vermischte. Unter meinen sandigen Füßen fühlten sich die Holzbohlen warm an.“

Sie schaut sich im Cottage um und entdeckt Spiegelscherbenbänder:

„An je einer faserigen dünnen Kordel waren verschiedene Spiegelsplitter eingeflochten, zwischen denen Muscheln, Treibholz, Kugeln und kleinere Steine mit Löchern aufgefädelt waren.“

Étaín entdeckt einen Schutzkreis, den ihre Mutter auf den Boden gezeichnet hatte und erinnert sich zunehmend an ihre Vergangenheit und an ihre besondere Gabe. Ist die Eine wegen dieser besonderen Gabe hinter Étaín her und kann sie die Seele ihrer Mutter retten?

Autorin Amanda Koch                                                                                                                                           Foto: familia Verlag


Zur Autorin:

Nach ihrer Fantasy-Trilogie „Die Wächter von Avalon“ widmet sich die Leipziger Autorin Amanda Koch weiter den keltischen Mythen. Für sie, Mutter von drei Kindern, war es bislang der schwerste Roman. Als Mutter über den Tod der Mutter zu schreiben, ist noch einmal schwerer. Die Idee zum Roman kam der Schriftstellerin u.a. weil ihre Kinder den Tod thematisierten.


Zum Stil:

Besonders gut gefällt mir die bildhafte Sprache der Autorin. Sie lässt uns den Schmerz, den der Verlust der Mutter hinterlassen hat, mitfühlen. Sie nimmt uns mit auf die stürmische Irische See zum Cottage der Mutter und beschreibt detailreich die Einrichtung und die magischen Elemente, die der Mutter zum Schutz vor der Einen dienten.
Die Worte, die Amanda Koch in Ildathach – Jenseits des Vergessens verwendet, sind allesamt sorgsam ausgewählt – fast schon gezeichnet wie von einer Künstlerin. Gemeinsam mit der Protagonistin Étaín lässt sie uns mehr und mehr in die Anderswelt abtauchen und die einzelnen Puzzleteile setzen sich zu einem Gesamtwerk zusammen. Genauso wie für Étaín ist es auch für die Leserin anfänglich schwierig die Zusammenhänge in der Welt der hellen Schatten und unserer Welt, der Welt der dunklen Schatten zu begreifen. Zu komplex sind das Zusammenwirken der Wesen und der ewige Kreislauf von Tod und Wiedergeburt.
Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben und schildert die Ereignisse aus zwei Perspektiven. Das ist zum einen Étaíns Sichtweise und zum anderen die der Einen, die das Böse in der Anderswelt verkörpert. Dieses stilistische Element erzeugt Spannung und die Leserin muss sich unweigerlich fragen, was real ist und was nicht. Ist alles nur ein großer Traum oder gibt es eine Realität außerhalb der rationalen Grenzen unserer menschlichen Existenz? Ist der Tod wirklich das Ende oder nur der Beginn einer neuen Chance? Je weiter die Handlung voranschreitet und sich die Puzzleteile zusammensetzen, desto mehr vermischen sich beide Erzählperspektiven.


Die Schleier des Vergessens 

Durch die Wiedergeburt unserer Seelen vergessen wir, dass wir bereits gelebt haben. Uns wird mit der Geburt die Fähigkeit genommen hinter die Schleier des Vergessens zu blicken. Angst, Trauer, Wut und Hass können unser irdisches Dasein bestimmen, weil wir nicht die Ewigkeit fühlen können.
Dieser Roman gibt uns so viele Fragen auf und lässt uns zeitweise innehalten und darüber nachdenken, wie viel Macht die Angst vor dem Unbekannten haben kann.


Étaíns Phiole - Kette zum Buch

Étaíns Phiole

Vor langer Zeit bekam Étaín von ihrem Freund Nate eine wunderschöne Phiole geschenkt. Am Anfang des Buches entdeckt sie die Kette in ihrem Zimmer wieder: 

„Ich hob die Phiole vom Boden auf. Vor allem die Farbe der lila Blüten darin schien der Zeit zu trotzen. Sie sahen noch immer aus wie damals und schienen mir etwas sagen zu wollen, das ich einfach nicht verstand.“ […] „Die Blüten darin hatten noch immer nichts von ihrer violetten und weißen Farbe verloren. Lavendel und Schleierkraut.“

„Daher schenkte ich dir die Phiole mit dem Zauber der Blüten. Damit du den Schleiern entkommen und klar zu sehen vermagst.“, erklärt Nate sein Geschenk.



Die Phiole, die im Buch beschrieben wird, gibt es bei Katharina Fairytale oder im Online Shop des Verlags zu kaufen. Die Kette wird in Thüringen von Katharina Fairytale per Hand gefertigt und ist mit Lavendel und Schleierkraut gefüllt. Der Korken ist verklebt und verschließt sicher die Glasphiole. 

Zum Abschluss: 

Beim Schreiben dieser Rezension musste ich mir das ein oder andere Mal auf die Finger hauen, um nicht zu viel über das Buch zu verraten. Aber meiner Meinung nach ist es wichtig über die spirituellen und mythischen Hintergründe des Romans zu schreiben – indem es um mehr geht als nur um die Geschichte einer Familie. Es geht darum ein tieferes Bewusstsein für sich und seine Umwelt zu erlangen, sich mit der Frage des Todes auseinander zu setzen und die eigenen Ängste besser zu begreifen.

ISBN: 978-3-943987-86-7
Preis: 18,95 EUR
Erscheinungsdatum 1. August 2017
Empfohlenes Lesealter: 14+
480 Seiten, Hardcover, 13,5 x 21 cm

Versandkostenfrei im Online Shop des familia Verlags zu bestellen - es gibt zusätzlich noch eine kleine Überraschung und gern auch von der Autorin signiert 

*Offenlegung: Ich bin beim familia Verlag in Leipzig angestellt und durfte das Buch vorab lesen. 
Hinweis: Ich habe bewusst Leserin geschrieben, da ich glaube, dass der Roman eher eine weibliche Zielgruppe hat.

Kommentare:

  1. Hab Dank für deine lieben Worte. Es ist schön zu lesen, dass die Geschichte dich berührt hat. Ich möchte gern den Kreislauf des Lebens in unser Bewusstsein zurückbringen und dass wir uns dem Glauben unserer Ahnen, unserer Wurzeln, besinnen.

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