Dienstag, 15. Juli 2014

Reisebericht Marokko Teil 3: Wüstentrekking im Erg Chebbi - In den Sonnenuntergang reiten

So meine Lieben,
heute möchte ich euch von meinem absoluten Urlaubshighlight berichten -  unserem Wüstentrekking. Und um über ein so schönes Erlebnis schreiben zu können, muss man natürlich auch in der richtigen Stimmung sein. Heute habe ich endlich einmal wieder (zwischen zwei Uni- Klausuren) etwas Zeit und auch die Muse dafür gefunden.




Entschuldigen Sie bitte, wo gehts hier in die Wüste?

Nach dem Frühstück und einem ausgiebigen planschen im Pool der Kasbah machten wir uns guter Dinge auf den Weg nach Merzouga. Von dort aus starten fast alle Wüstentouren. Allerdings so leicht sollten wir die 40 km lange Strecke dorthin nicht finden. Die Straße nach Merzouga war gesperrt und eine Umleitung nicht ausgeschildert. Das ist normalerweise nicht tragisch und da das in Leipzig genauso ist, sind wir auch eigentlich darin geübt andere Wege zu finden. Eigentlich! :) Unsere Ratlosigkeit blieb von den Einheimischen nicht lange unbemerkt. Zwei Sekunden später klopfte ein junger Mann an die Fahrerscheibe und bot seine Hilfe an. Er malte uns den Weg auf und zeichnete markante Punkte ein. Zum Schluss stellte sich heraus, dass sein Cousin Koch in unserem nächsten Hotel ist und wir ihn grüßen sollen.

Wir fuhren zum großen Stadttor zurück und bogen zweimal rechts ab. Sackgasse. Da können Autos nicht durchfahren. Bei uns machte sich wieder Ratlosigkeit breit. "Aber genauso hat er es eingezeichnet." Kurzerhand fuhren wir zur Kasbah Ennasra zurück und fragten dort nach dem Weg. Glücklicherweise machte sich gerade ein Mitarbeiter der Unterkunft fahrbereit und wir konnten hinterherfahren. Fünf Minuten später standen wir wieder vor der "Sackgasse". Der Geländewagen des Mitarbeiters vor uns brauste aber einfach durch. Das war die richtige Straße?! Wir hätten nur nie im Leben gedacht, dass man durch dieses enge Tor durchfahren kann und dass das eine "richtige" Straße sein soll. Nun sahen wir auch den "Fluss" den der Einheimische für uns eingezeichnet hatte. Unter der klapprigen Steinbrücke erstreckte sich ein ausgetrocknetes kleines Flussbettchen, indem überall Müll lag. 

Rissani - großes Stadttor

Puh. Endlich hatten wir den Weg aus der Stadt gefunden. Hinter Rissani sieht man schnell die Dünen der Sahara. Vereinzelt stehen noch Büsche am Straßenrand. Aus dem klimatisierten Auto sahen wir kleine Sandwirbelstürme neben der Fahrbahn und größere in der Ferne. Links und rechts stehen Wegweiser zu den verschiedenen Hotels und eine Tankstelle steht einsam in der Landschaft.



Um zur Ksar Bicha zu kommen, mussten wir minutenlang eine Schotterpiste fahren. Wir waren schon sehr neugierig, welche Art von Unterkunft uns "mitten" in der Wüste erwarten würde. Basti meinte schon während der Fahrt: "Hoffentlich haben sie einen Pool." 

Ali, der Manager der Ksar, begrüßte uns und zeigte uns unser Zimmer. Wir hatten zwar keines reserviert, da wir in der Wüste schliefen, wir erhielten aber trotzdem freundlicherweise eins, um uns für den Pool! umzuziehen und unsere Koffer dort unterstellen zu können. Das Hotel war eine Art Lehmbau, dadurch blieb es auch in der Mittagshitze verhältnisweise kühl in den Zimmern. Die kleinen Fenster ließen auch nur wenig Sonnenlicht durchscheinen.

Ausgangspunkt unseres Wüstentrekkings
Der Pool


Ali zeigte mir ein Video auf seinem Smartphone vom Sandsturm am Vortag. Blitzschnell färbte sich der wundervoll blaue Himmel in ein dunkles Ocker. Er meinte außerdem, dass sie schon seit morgens um 5 Uhr putzen, um das Hotel vom Sandschleier zu befreien.

In den heißen Sommermonaten verirren sich nur wenige Touristen in die Sahara. Hauptsaison sind die Frühjahrs- und Herbstmonate. Auf Grund der hohen Temperaturen wird nur in Abend- und frühen Morgenstunden gewandert bzw. geritten.

Ein paar Kleidungsregeln sollte man für die Wüste berücksichtigen:

1. Eine Kopfbedeckung. Am besten eignet sich ein großes Tuch, welches auch den Nacken und die Schultern bedeckt.

2.  Ein langes Shirt und eine lange Hose. Hierfür eignet sich am besten dünner Baumwoll- oder Leinenstoff. Ach, was erzähle ich denn hier. Man kann auch mit Jeans und T-Shirt wie Basti in die Wüste gehen. :D

3. Festes Schuhwerk. Eine gute Nachricht für alle Schuh-begeisterten Frauen: Ein Ausflug in die Wüste ist ein guter Grund, um sich neue Schuhe zu kaufen. Trekkingschuhe! :) Im Fachgeschäft wurde mir gesagt, dass sich ab 30°C echte Lederschuhe am besten eignen. Ich habe mir trotzdem keine gekauft. Wenn man wirklich viel läuft, sollten die Schuhe schon bequem und auch eingelaufen sein. Wir saßen nur auf dem Dromedar und so eigneten sich grundlegend alle Schuhe - außer Sandalen, weil man die zu leicht verlieren kann. Basti ist mit seinen "italienischen Mafiosi Tretern" unterwegs gewesen. :) 

Jeans und Shirt vs. Tunika und Leinenhose

Wie viel Wasser sollte man mitnehmen?

Wenn es nach mir geht, soviel das Dromedar tragen kann. Jeder Mensch hat seinen individuellen Wasserverbrauch. Meiner liegt höher als der Durchschnitt. Uns wurden zwei bis drei 1,5 L Flaschen pro Person für die knappen 2 Tage empfohlen. Im Endeffekt haben wir mehr gebraucht. In den Wüstencamps bekommt man aber auch noch weitere Wasserflaschen oder Cola oder Tee oder Bier. :) Es ist also alles nicht so dramatisch

(Hinweis: Das gilt natürlich nur für geführte Touren, bei denen man abends in einem gemütlichen Wüstencamp einkehrt - für Fahrten auf eigene Faust muss man sich zusätzlich infomieren und vorbereiten.)


Jetzt geht noch mal jeder aufs Klo und dann reiten wir los.

Um halb sechs standen unsere drei Dromedare bereit und die Sonne hatte auch schon nachgelassen. Leider mochte es mein Dromedar nicht zur Begrüßung gestreichelt zu werden und drehte den Kopf zur Seite. Schade! Zum Aufsteigen setzen sich die Tiere auf ihre langen Beine. Wenn das Wüstenschiff wieder aufsteht, muss man sich unbedingt gut festhalten, sonst kann es passieren, dass man runter fällt. Es schaukelt und ruckelt doch erheblich. Bastis Dromedar hatte es immer besonders eilig und sprang schon hoch, bevor ich meinen Platz einnehmen konnte. Ich saß ganz vorne auf dem erfahrensten und ältesten (15 Jahre) Tier. 

Hotelparkplatz

Langsam schlängelte sich unsere Mini-Karavane um die immer größer werdenen Dünen. Man hört nur den Wind und die Hufen der Dromedare. ... und Mohamed´s Handy. :) Es ist echt erstaunlich: Selbst am Rande der Sahara hat man besten Handy Empfang.


Karavane


Die Farbe des Sandes ...
... ändert sich mit den Lichtverhältnissen




Fast wie mit dem Lineal gezogen

Mohamed führte unsere Dromedare. Er ist Ende 20. Spricht mehrere Sprachen (Arabisch, Tamazight (einen Berberdialekt), Französich, Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Japanisch), die er größenteils von den Touristen gelernt hat. Seit sieben Jahren arbeitet er bereits als Touristenführer. Wir verständigten uns mit ihm auf Deutsch, Englisch und ein wenig Französich. Stolz erzählte er uns nachher im Camp bei einem heißen Glas whisky berber (Minztee), dass er in der Hochsaison Gruppen von bis zu 20 Personen in die Dünen führt. Ich zeigte ihm mitgebrachte Postkarten von meiner Wahlheimat Leipzig. Erklärte ihm, die einzelnen Bilder. Er suchte das deutsche Wort für "different". "Anders." - Ja, Deutschland sieht ganz anders aus als Marokko. Er wiederholte: "anders" und freut sich, dass er wieder ein neues deutsches Wort gelernt hat. Wir tranken weiter unseren Minztee, das Nationalgetränk der Marokkaner, knabberten Pistazien und genossen die Stille der Abenddämmerung.

Wüstencamp

bestes Abendessen:  Salat, Tajine und Obst

Während wir auf das tradionelle Abendessen (Tajine) warteten, kletterten wir auf eine hohe Düne. Von dort aus hatten wir einen bezaubernden Blick auf die Umgebung. Weit und breit nur Sand. Am Horizont ließ sich ungefähr die Silhouette der Stadt erahnen. Einige Zeit später rief uns Mohamed zum Essen. Es gab die leckerste Tajine unserer Reise. Tajine ist der Name eines Römertopf-ähnlichen Gefäßes, in dem über einer offenen Flamme Fleisch und Gemüse gegart werden. Es ist unglaublich, welcher Aufwand betrieben wird, um die (europäischen) Touristen zu verwöhnen. Soviel zu essen, hätten wir nicht gebraucht. Wir haben auch nicht alles aufessen können. Dafür waren die Temperaturen einfach zu heiß, als das wir großen Hunger gehabt hätten. In solchen Momenten mag ich es nicht europäisch dekadent zu wirken und von allem "nur einen Happen zu probieren". Aber das Gefühl schleicht sich leicht ein.

Nach dem Essen kamen sogar ein paar Regentropfen vom Himmel. Wow - "Regen in der Sahara".
So schnell es morgens hell wird, so schnell wird es abends auch so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Die zwei "Jungs" Christoph und Basti wollten die Umgebung des Camps bei Nacht erkunden. Ich blieb lieber auf meiner Matratze, die ich aus dem Zelt gezerrt hatte, liegen und schaute mir die Sterne an. Der Himmel klarte immer mehr auf und gab den Blick auf die wundervollen Sterne frei. Einige Minuten später kamen die Männer zurück. Es war ohne Taschenlampe zu dunkel.
Diese Nacht schliefen wir alle drei draußen. Auch im Juni wird es relativ kühl in den Dünen, vorallem wenn es windig ist. Christoph zwirbelte sich als erster sein Tuch um den Kopf, um ihn vor dem Wind zu schützen. Ich tat es danach auch. Erst dann konnte ich einschlafen.

Ein wundervoller Tag ging zu Ende

Wenn ihr erfahren wollt, wie wir unseren ersten Sonnenaufgang erlebt haben, wie man die Mittagshitze bei über 40°C im Schatten übersteht, welchen "Pizzamann" wir getroffen haben und wie die Nomaden leben, dann müsst ihr bis zum nächsten Reisebericht warten. :)

In der Zwischenzeit könnt ihr aber auf der Internetseite unseres Reiseveranstalters vorbeischauen und euch Inspiration für den eigenen Urlaub holen. Das Hamburger Reisebüro ist auf Marokkoreisen spezialisiert und hat ein vielfältiges Angebot.

Fotos: C. Jobst und M. Kuntze

Kommentare:

  1. Wow die Bilder sind echt beeindruckend! Da würde ich auch wahnsinnig gerne mal hin :)

    Liebste Grüße,
    Nina von http://good-morningstarshine.blogspot.de/

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  2. OH WOW!!!! Wundervolle Bilder. Da würde ich nur auch all zu gerne mal hin.

    Liebe Grüße von Ella Loves

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  3. Liebe Myriam,
    wow - das klingt nach einem richtigen Abenteuer-Urlaub!!! Die Bilder von der Wüste sind wunderschön...da hätte ich schon auch mal Lust hinzugehen - vor allem mag ich die Küche Marokkos! Bin schon auf den nächsten Teil gespannt -
    sehr schöner interessanter Reisebericht! Danke!

    Liebe Grüße
    Petra

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  4. Wow!
    So ein Trip muss eine unglaubliche Erfahrung sein! :) Würde ich zu gerne auch mal machen!
    LG

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  5. Hallo Myriam,

    Ich bin wieder ganz begeistert von deinem Reisebericht ich finde ihn sehr informativ ,und die Bilder sind einfach nur beeindruckend! .Ich habe Marokko bis jetzt nie wircklich auf dem Reiseziel Schirm gehabt ,aber jetzt wo ich deine berichte Lese bekomme ich wircklich lust dieses Land auch einmal zu erkunden ;).Wie sieht es den Kosten Technisch so dort aus ? Braucht man eine Dicke Reisekasse?

    Liebste Grüße

    Joana

    http://miss-joana-blue.blogspot.de/

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    1. Es freut mich sehr, dass dir meine Berichte gefallen. :) Es ist günstiger als man denkt. Wir sind mit Ryanair für 50 Euro pro Strecke (Frankfurt Hahn-Fés bzw. Marrakesch) geflogen. Die Übernachtungen liegen fürs Doppelzimmer zwischen 40-60 Euro. Da bekommst du schon gehobene Mittelklasse. Wir haben pro Person für 12 Tage um die 700 Euro bezahlt. Inbegriffen sind bereits alle Übernachtungen, Frühstück, Kurtaxe, in manchen Hotels Halb- bzw. Vollpension und das gesamte Ausflugsprogramm (Wüstentrekking, Stadtführungen, Kräuterwanderungen) sowie der Mietwagen, umfangreiche Reiseunterlagen etc. Wir haben nur einen Endpreis mitgeteilt bekommen, von daher kann ich keine konkrete Aufschlüsselung geben. Essen und Trinken ist auch günstig. Eine Pizza kostet im Durchschnitt 5 Euro. Eine Busfahrt von Marrakesch nach Essaouira kostet zwischen 7 und 10 Euro, je nach dem, ob man den Super-Bus oder Mega-Super Bus nimmt. ;) Benzin und Diesel sind ca 30 Cent billiger als in D. Postkarten kosten circa 20 Cent, Briefmarken 84 Cent. Und bei den anderen Souvenirs: je nach dem wie gut man handeln kann. ;) Ich habe ein schönes Tuch für 10 Euro bekommen.
      Wenn es wirklich konkret wird, lass dir einfach auch ein Angebot von unserem Veranstalter durchrechnen. Die netten Menschen von Marokkoerleben haben mich überzeugt und von daher kann ich sie bedenkenlos weiterempfehlen.

      Grüße Myri

      PS: Bald kommt auch ein Special zu unseren Unterkünften :)

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  6. Ich finde Wüsten und solche dinge total faszinierend! Ich würde auch total gern einmal auf einem Kamel reiten, mag sich bestimmt komisch anhören aber ich bin ein totaler Abenteuerfreak. :D Interessanter Beitrag! Würde mich auch drüber freuen, wenn du mal auf meinem Blog vorbeischauen würdest. ☺ liebe Grüße von... http://keepersofthefaith.over-blog.de

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  7. Danke für die tollen Eindrücke -Toller Bericht, super Bilder!-. Marokko hat so einen Zauber, dass man irgendwie immer wieder hin muss.. :)

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