Donnerstag, 7. Mai 2015

Mit dem isländischen Autor Huldar Breiðfjörð einmal um die Ringstraße in Island

Ich sitze gerade an dem großen Tisch in unserem isländischen B&B, es ist 21 Uhr (23 Uhr deutscher Zeit) und die Sonne durchflutet den hellen Wohnbereich. Zu dieser Jahreszeit geht die Sonne erst gegen Mitternacht unter. Abends lese ich das Buch von Huldar Breiðfjörð im Bett. Er beschreibt dort seine Erlebnisse als junger Isländer einmal um die Ringstraße in Island zu fahren - im Januar.

Also kommt mit auf eine "literarische" Reise durch Island. :)





Huldar ist ein junger Reykjaviker, der vom Stadtleben ein wenig gelangweilt ist und eine neue Herausforderung sucht. Seine Freunde können es nicht so richtig verstehen, warum sich der 25-jährige Mann einen alten Lappländer Jeep kauft, um damit einmal rund um Island auf der Ringstraße zu fahren.

Nachdem er seinen Volvo Lappländer mit dem Nötigsten ausgestattet hat, einen Schlafsack und warme Kleidung eingepackt hat, gehts los im Uhrzeigersinn Richtung Borganes. Gestern sind wir auch durch Borganes gefahren und ich konnte nachfühlen, wie sich Huldar gefühlt haben muss. "Während ich im Schneckentempo durch die Straßen rolle, kommt Bewegung in einzelne Küchengardinen, ansonsten aber ist niemand auf den Beinen." Ganz so schlimm war es gestern nicht, aber viel war trotzdem nicht los. Halt wie in meiner Heimat Brandenburg. Es gibt ein paar Geschäfte, Tankstellen, einen Supermarkt und sogar ein Museum. Wir fahren aber nach einem kurzen Stop im Supermarkt Bonus (isländischer Aldi) weiter.

Dann geht die Reise weiter und zwar in Richtung der Snaefellsnes Halbinsel. Im Buch meint eine Dame, dass "die Bergstraße fliegend zu fahren sei". Huldar selbst beschreibt die Fahrt als einen "Weg direkt in die Hölle". Die Bergstraße führt in der Tat sehr nah am Abhang vorbei. Zum Glück haben wir Mai und die Straßen sind geräumt, die Sonne scheint und der Blick auf den Gletscher ist hervorragend. In dem Roman "Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Vernes lässt der Autor seine Romanhelden in diesen Krater hinabsteigen, um zum Mittelpunkt der Erde zu gelangen.

Wir fahren um eine Kurve und stehen plötzlich mitten in Olafsvik. Die Stadt besteht aus einer Kirche, die aussieht wie ein Fisch, einem mittelgroßen Hafen und einigen kleinen Häusern. Wir haben Hunger und gehen in ein Restaurant. Aber anstatt Gäste zu sehen, finden wir nur Bauarbeiter. Das Restaurant ist geschlossen. Wir laufen durch den Ort, alles ist geschlossen. Zum Glück ist die N1 Tankstelle eine Selbstbedientankstelle. Wir tanken und essen unsere "Notfallbanane". Huldar beschreibt Olafsvik als charakterlos. Wie sahen viele Menschen, die abends joggen gegangen sind. Wahrscheinlich ist das das einzige was man hier machen kann. Joggen gehen.


Olafsvik

Langsam geht die Sonne unter und wir fahren wieder in Richtung Reykjavik. Im Buch fährt Huldar weiter in Richtung der Nordfjörde. Die Fahrt beschreibt der Autor als sehr beschwerlich und angstrengend und er hat Angst. Angst ins Meer zu stürzen, denn der Wind ist fürchterlich.

Ironischerweise schreibt er: "Was ist erfrischener, als den Tag damit zu verbringen, auf Glatteis an einem steilen Berghang entlangzufahren, bei Regen, Sturm aus Südwest und mit Schlagern von Elly Vilhjalms aus dem Radio?"

Liebevoll beschreibt der Autor im gesamten Buch seine Landmänner und -frauen. Die Isländer sind sehr hilfsbereite Menschen, die sich über Gäste freuen und mit ihnen gerne ins Gespräch kommen. Lustig ist auch, dass Huldar beim Fahren oft der "Arsch auf Grundeis geht" und die ansässigen Isländer immer meinen: "Ach so schlimm ist die Strecke auch nicht."

unbefestigte Straße in Island

Einmal unterhält er sich mit einer Frau, die einen Kiosk hat und erfährt, dass ihr erster Mann von einer großen Lawine überrascht und unter ihr begraben wurde. Er starb. Das zeigt wie klein der Mensch in Island im Verhältnis zu den Naturgewalten ist. 

Obwohl wir auch einen kleinen Teil der Strecke gefahren sind, waren wir im Mai und nicht wie Huldar im Januar unterwegs und daher kann ich seine Angst zwar verstehen und nachfühlen, aber wir hatten gottseidank bessere Straßenverhältnisse.

Und was auch amüsant ist, dass Huldar die erste Hälfte des Buches darüber nachdenkt sich Spikes an die Reifen seines Lappländers zu nageln und wir welche an unserem Mietwagen haben. Im Mai ist das nicht mehr unbedingt notwendig, aber unsere Reifen haben halt noch welche. Huldar, der Romanheld, lässt sich dann in einer Werkstatt welche drannageln, fährt ein wenig durch einen Ort und stellt fest, dass sie auch nicht wirklich helfen.

Wer auch einmal einen Trip nach Island plant, muss unbedingt das Buch "Liebe Isländer" von Huldar Breiðfjörð lesen. Seine Art Island und deren Bewohner zu beschreiben, ist einzigartig. Wir haben noch 2 Tage in Island und weiß jetzt schon, dass ich dieses Land vermissen werde.

In der nächsten Zeit folgen noch einige Reiseberichte. Wir haben schon viel in Island gesehen und einige Fotos könnt ihr schon auf meiner Facebook Seite sehen.

Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht und danke für den Tipp! Auf den Fotos sieht es noch sehr kalt aus, irgendwie winterlich. Island steht bei uns im nächsten Jahr auf dem Plan, wahrscheinlich erst im August, aber ich lese mich gerne schon vorher ein. Dann kann man die Vorfreude besser genießen :)

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    1. Ja, es war noch sehr kalt und sehr windig. So um die 2°C. Es waren auch noch viele Straßen gesperrt und man braucht, wenn man ins Gebirge will auf alle Fälle einen Off Road Jeep. Wenn es soweit ist, kann ich dir gern noch Tipps (Mietwagen, Unterkunft) geben. Es folgen aber auch noch viele Reiseberichte, wenn ich wieder in Deutschland bin.
      Grüße Myriam

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  2. Tolle Fotos und der Reisebericht macht einem Lust auf Island. Hoffentlich schaffe ich es auch mal dorthin.

    LG Sebastian.

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  3. Ach, schön :) Ich finde, zu jedem Urlaub gehört einfach das passende Buch!

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  4. Oh wie toll. Die Fotos sind toll. Das Buch ist toll. Olafsvik ist toll (einer meiner Lieblingsorte überhaupt). Hast Du auch "Schafe im Schnee" gelesen? Seit dem Buch will ich unbedingt mal auf die Färöer. Liebe Grüße, Stefanie

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    1. Hallo,

      dieses Buche kenne ich noch nicht - aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass wenn ich es gelesen habe, dass auch auf die Färöer Inseln will. Habe gerade das Buch "Zu Fuß durch China" gelesen und will - na wie kann es auch anders sein - nach China. ;)

      LG Myriam

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