Sonntag, 22. September 2019

Leipziger Neuseenland Teil 5: Die Naunhofer Seen und die Bergkirche von Beucha

Zwischen Naunhof und Brandis im Südosten Leipzigs gelegen, befinden sich mit dem Albrechtshainer See, dem Grillensee und dem Moritzsee drei weitere künstlich angelegte Gewässer im Verbund des Leipziger Neuseenlandes. Die Naunhofer Seen sind allerdings keine Braunkohletagebaurestlöcher, sondern ehemalige Kiesgruben, die u.a. für den Autobahnbau der A14 benötigt wurden. Bereits zu DDR-Zeiten waren die Seen beliebte Naherholungsgebiete und wahre FKK-Hochburgen. Unweit davon befindet sich die äußerst fotogene Bergkirche von Beucha. Sie thront auf einem Bergsporn über einem Steinbruch-See dessen Gestein für den Bau des Völkerschlachtdenkmals verwendet wurde.

Albrechtshainer See bei Leipzig


Jahrelang plagte mich eine gewisse Unruhe und ich war von der Vorstellung getrieben möglichst viele Länder pro Jahr zu bereisen. Aber mit dem Alter kommt auch die Weisheit. Gottseidank! Nach unserer Ägyptenreise im Juni haben Sebastian und ich beschlossen die restlichen zwei Sommermonate Juli und August in der Region Leipzig zu verbringen. Das Wetter war schön, die Sonne schien und wir waren neugierig darauf das Leipziger Neuseenland zu entdecken. Den Cospudener See kennen wir gut. Aber das Neuseenland umfasst mehr als 20 größere Seen mit einer Gesamtwasserfläche von 70 Quadratkilometern. Vier Seen habe ich euch bereits in der Reihe "Leipziger Neuseenland" vorgestellt. Heute kommen weitere  vier Seen hinzu: 

Kirchbruch-See in Beucha bei Leipzig
Einer der meist fotografierten Kirchen in Sachsen: Bergkirche in Beucha

Bergkirche in Beucha am Kirchbruch (See)


Was für ein tolles Fotomotiv! Ganz ehrlich - das hätte ich in Brandis nie erwartet. Aber genau das liebe ich an meiner Wahlheimat Leipzig und dessen Umgebung. Selbst nach 12! Jahren in Leipzig gibt es immer noch Neues zu entdecken. 
Der kleine romanische Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert thront auf dem 147 Meter hohen Kirchberg von Beucha, einem Ortsteil von Brandis (Landkreis Leipzig). Der Kirchbruch-See wurde im September 2019 mit dem Prädikat "Nationaler Geotop" ausgezeichnet. Ein Geotop ist ein Gebilde der unbelebten Natur, welches Einblicke in die Erdgeschichte vermittelt. Der Kirchberg besteht aus dem Gestein Granitporphyr, welcher an dieser Stelle seit dem 15. Jahrhundert abgebaut wurde. Dies führte dazu, dass die Kirche auf einem Bergsporn steht, der von drei Seiten von einem 3,5 Hektar großen See umgeben ist. Das Beuchaer Granitporphyr lässt sich gut als Werkstein verarbeiten. Der Naturstein ist frostfest und polierbar und wird als Architekturgestein verwendet. Für das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig wurden 26.500 Steinblöcke nach Leipzig gebracht und verbaut.

Das Völkerschlachtdenkmal wurde mit 26.500 Steinblöcken aus Beuchaer Granitporphyr erbaut

Vor der Kirche gibt es einen kleinen kostenlosen Parkplatz (Kirchberg Straße) und durch den ehemaligen Wasserturm von Beucha gelangt man auf das Gelände der Kirche. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sollte die Bergkirche abgerissen werden, um mehr Gestein abbauen zu können. Der damalige Pfarrer konnte dies jedoch verhindern und ließ die Kirche sogar vergrößern. Ihm es ist es wohl zu verdanken, dass das Gotteshaus zu den meist fotografierten Kirchen im Leipziger Land zählt. 
Der Kirchbruch-See ist auch ein beliebter Badesee. Wir haben viele Leute gesehen, die mutig ins Wasser gesprungen sind und ein paar Bahnen geschwommen sind. Ein Weg führt um den Kirchbruch, u.a. zu einem Aussichtspunkt, der eine wunderschöne Sicht auf die Bergkirche bietet. Dazu biegt man vom Kirchberg auf die August-Bebel-Straße ab. Der Aussichtspunkt ist bei Google Maps mit "Parkplatz Bergkirche Beucha" eingetragen. Ein paar Schritte rechts von der Plattform geht ein kleiner Waldweg ab und führt direkt um den See. Auf etwa halber Strecke gibt es auch einen ebenerdigen Zugang zum See.

Blick von der Kirchenbauer - idyllisch säumen bunte Häuschen den Kirchbruch-See in Beucha

Albrechtshainer See - Autobahnsee


Nur drei Kilometer vom Kirchbruch-See in Beucha entfernt befindet sich der Albrechtshainer See (auch Autobahnsee genannt) direkt an der Bundesautobahn A14 (Abfahrt 28 Dreieck Parthenaue). Die ehemalige Sand- und Kiesgrube brachte den Rohstoff für den Bau der nahegelegenen Verkehrsader. Bereits zu DDR-Zeiten wurde das Tagebaurestloch geflutet und zu einem Badesee rekultiviert. Heute hat sich hier ein sanfter Tourismus entwickelt. Die Wasserqualität im See ist ausgezeichnet und lädt zum Schwimmen ein. Es gibt einen Sandstrand am Nordwestufer sowie einen Rundweg für Jogger und Radfahrer. Da die Uferlinie nur 2 Kilometer beträgt, können auch weniger Geübte den See umrunden. Wie bei den anderen Seen gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten für Wassersport: Treetboot fahren, segeln und surfen. Besonders zu erwähnen, ist der Kletterwald und der Campingplatz direkt am See. Für ein Erlebnis der besonderen Art sorgt das Baumhaus im Kletterwald. Wer sich traut, kann hier eine Nacht verbringen und von der kleinen Terrasse den Ausblick in die Baumwipfel und den Sternenhimmel genießen.

Als wir zum ersten Mal am 31. August 2019 am See waren, fand zufällig der 21. Beuchaer Triathlon statt. Er besteht aus 200 bzw. 400 Meter Schwimmen, Radfahren teils am See entlang und einer Laufstrecke um den Autobahnsee. Wir schauten dem Spektakel aus einiger Entfernung zu, zogen die Schuhe aus und liefen barfuß durch die kleine Lagune auf die Sandbank im See. 

Wenn im Sommer der Beuchaer Triathlon stattfindet, ist viel los am See.

Über eine seichte Stelle im See gelangt man zu einer Sandbank auf dem See.

Einst eine Kiesgrube für den Bau der A14 - heute ein Naherholungsgebiet mit bester Wasserqualität

Alleinstellungsmerkmal des Albrechtshainer Sees: Kletterwald und Campingplatz

Historischer Exkurs in die 1950er Jahre:
Als ich meiner Kollegin Petra von unserem Ausflug zu den Naunhofer Seen erzählt habe, fragte ich, ob sie früher dort baden war. Zu meiner großen Überraschung brachte sie mir die Camping Chronik ihres Mannes von 1955-57 mit. Als junger Mann war er dort regelmäßig mit seinen Freunden baden und zelten. In dem dicken alten Buch habe ich eine alte Ansichtskarte vom Autobahnsee entdeckt und abfotografiert. Auf dem Text oben steht: "Autobahnsee Beucha-Albrechtshain (Bahnstation Beucha) bietet Wasser und Wald und in unserer Konsum-Kantine alles fürs leibliche Wohl! Konsum-Genossenschaft Naunhof."

Blick in die Camping Chronik eines Leipzigers, der am See seine Jugend verbracht hat
Badeausflugsort Autobahnsee, Albrechtshain Kreis Grimma

Moritzsee - ein FKK-See mit vielen Namen


Zu Beginn der 1960er Jahre entstand aus dem damaligen Moritztümpel eine Kiesgrube, die später in Ammelshainer See umbenannt wurde. Namensgebend war die kleine Ortschaft Ammelshain, heute zu Naunhof eingemeindet. (Es gibt dort sogar ein kleines Rittergut). Für den Bau der Autobahn A14, die unmittelbar am See entlang führt, sowie für die umliegenden Betonwerke wurden circa vier Millionen Tonnen Kies abgebaut. Etliche Tonnen Kies wurden davon auch für Devisen nach West-Berlin verkauft. 

Exkurs zum Bau der Bundesautobahn A14:
Nachdem in den 1930er Jahren der erste Abschnitt vollendet wurde, stoppte der Zweite Weltkrieg die Bauarbeiten. Zu DDR-Zeiten wurde der Teil zwischen Leipzig-Ost und Dreieck Nossen (Übergang zur A4) gebaut und 1970/71 fertiggestellt. Als eines der Verkehrsprojekte der Deutschen Einheit wurde ein weiterer Teilabschnitt der A14 gebaut und 2000 für den Verkehr freigegeben. Aktuell ist die A14-Nordverlängerung in der Planung bzw. im Bau und soll die mitteldeutsche Metropolregion mit der Küste verbinden. Nach ihrer Fertigstellung schließt sie die größte Lücke im deutschen Autobahnnetz.

1980 stoppte der Kiesabbau und das Gebiet entwickelte sich zu einem Naherholungsgebiet. Zu dieser Zeit gab es weder den Cospudener See noch den Markkleeberger See noch etliche weitere Gewässer des Neuseenlandes. Der Braunkohleabbau war noch in vollem Gange. Daher verwundert es auch nicht, dass zu Spitzenzeiten an den Wochenenden bis zu 20.000 Badegäste gezählt wurden. Um genügend Parkplätze zu schaffen, wurde die Autobahn A14 halbseitig gesperrt. Weit über die Grenzen Sachsens war der See als größter FKK-Badesee der ehemaligen DDR bekannt. Noch heute wird die FKK-Kultur am See gelebt. Als wir Ende August an einem heißen Sommertag am See waren, war dieser auch gut besucht. Wenn ihr das auf den Fotos nicht erkennen könnt, liegt es daran, dass ich es vermieden habe die FKK-Badegäste zu fotografieren. Kurz nach der Jahrtausendwende wurde der See in Moritzsee umbenannt. Er ist aber auch, wie der Albrechtshainer See, unter dem Namen Autobahnsee bekannt. Der ADAC testete 2013 über 40 Badeseen in der Bundesrepublik auf ihre Wasserqualität. Der Moritzsee war der Testsieger. 

Wenn ihr den See über die A14 erreichen wollt, nehmt die Abfahrt 29 Naunhof. Ein paar Meter hinter der Abfahrt geht es auf einen kostenpflichtigen Parkplatz. Die Saison geht von 1. Mai bis 30. September. Pro PKW bezahlt ihr 5,00 EUR Parkgebühr pro Tag. 3,00 EUR fallen ab 16 Uhr an. Krads bezahlen ebenfalls 3,00 EUR. Kurzzeitparktickets (max. 2 Stunden) kosten für PKW und Krad je 1,50 EUR.
Am Moritzsee gibt es einen kleinen Imbisswagen - vermutlich noch aus DDR-Tagen. Dort gibt es kalte Getränke, Eis, Pommes, Grillwürstchen und die leckersten Fischbrötchen des Neuseenlandes.

Moritzsee - damals und heute ein FKK-Paradies vor den Toren Leipzigs

Moritzsee bei Ammelshain


Grillensee - Naunhofer See


Mit einer Wasserfläche von 57 Hektar ist der Grillensee nur geringfügig größer als der benachbarte Moritzsee. Die Uferlinie beträgt 3,2 km. Zwischen beiden Badeseen führt der Dreiflügelweg als bewaldeter Wanderweg entlang. Hohe Kiefern und Birken spenden den Badegästen viel Schatten und Schutz vor allzu neugierigen Blicken. Denn auch hier wird die FKK-Kultur in Ehren gehalten. Beide Seen liegen im größten zusammenhängenden Waldgebiet im Südosten Leipzigs. Damit wirbt auch das Haus Grillensee unweit des Gewässers. Hier können Kinder u.a. erlebnisreiche Hort- und Klassenfahrten verbringen, mit Alpakas wandern, Kinderkochkurse belegen oder mit dem Förster auf Entdeckungstour gehen. Seit Juni 2012 darf im Grillensee sogar geangelt werden, zu fangen gibt es u.a. Barsche und Hechte.
Das Auto kann beim Moritzsee stehen bleiben. Ein Abendspaziergang bietet sich wunderbar an. Die Atmosphäre an beiden Seen ist unglaublich friedlich und erholsam.

Blick auf den abendlichen Grillensee  bei Leipzig, große Kiefern säumen das Ufer und spenden Schatten
Friedliche Abenddämmerung am Grillensee in Naunhof

Große Kiefern und Birken spenden viel Schatten und Schutz für die FKK-verwöhnten Badegäste.

Je nach dem wie sich der Herbst entwickelt, folgen noch weitere Teile meiner Leipziger-Neuseenland-Reihe. Ansonsten gehe ich nach diesem Beitrag in die Sommerpause oder berichte wie es im Winter an den Badeseen zugeht. Auf alle Fälle hat diese Reihe meine Neugier geweckt im nächsten Jahr noch viele weitere Seen zu besuchen und euch davon zu erzählen.

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