Sonntag, 13. August 2017

Schöne Wanderung auf die Schneekoppe im Riesengebirge

Wie unterschiedlich Sebastian und ich sind, zeigt sich durchaus auch auf welche Weise wir unsere nächsten Reiseziele finden. Basti ruft Google Maps auf und sucht nach "grünen Flecken" auf der Landkarte, bspw. nach Nationalparks. Ich entdecke neue Reiseziele in Magazinen, in Reiseberichten anderer Blogger oder durch Empfehlungen von Postcrosserinnen. Kürzlich bekam ich eine Postkarte aus Polen und fragte nach schönen Wandergegenden in der Nähe der deutschen Grenze. Zwei Orte fielen u.a. Jelenia Góra und Karpacz. Und wie der Zufall es will: Karpacz liegt genau neben dem grünen Fleck den Sebastian auserkoren hatte. 



[in der mobilen Ansicht sind die Fotos leider nicht mittig angeordnet - wer Rat weiß, kann mir gern eine E-Mail schreiben. In der Desktop Version konnten wir den HTML Code ändern]

Also buchte ich zwei Nächte in einem Wellness Hotel in Karpacz. Mein Buchungsportal zeigte eine 97%ige Auslastung an. Ich nahm diese Zahl nicht für bare Münze, da sie wahrscheinlich nur meinen Buchungsvorgang beschleunigen sollte.  Als wir jedoch in den Ort einfuhren, hatte ich schlagartig Vertrauen in diese Zahl. Der Ort war einfach total überlaufen. 

Einer Legende nach soll der Riese Rübezahl im Riesengebirge gelebt haben. Auch der Schriftsteller Fontane, der mehrere Sommer in Karpacz verbrachte, ließ sich von dem Ort literarisch inspirieren. Heute zählt der Ort zu den wichtigsten Tourismuszentren in Polen. Im Sommer ist es ein Ausflugsziel für Wanderer und im Winter für Skifahrer. Auf tschechisch heißt der Berg übrigens Sněžka und auf polnisch Śnieżka.



Der Ortskern liegt auf ca. 630 Höhenmetern, unser Hotel auf 740 Höhenmetern und der Gipfel der Schneekoppe befindet sich auf 1602 Höhenmetern und ist somit der höchste Berg des Riesengebirges und Tschechiens. Wir hatten also knapp 900 Höhenmeter bis zum Gipfel zu überwinden. Bei einem durchschnittlichen Anstieg von 10% ist es eine sehr anspruchsvolle Wanderung. Für uns war es die bislang anstrengendste Wanderung. 

Blick ins Tal
  
Wir starteten unsere Wanderung recht spät, da wir unbedingt nach dem Frühstück ins Spa wollten. 
In der Mittagshitze ging es dann endlich los: Was als schattiger Waldweg startete, wurde rasch zu einem sehr steilen Wanderweg. Die Mehrheit der Wanderer fährt daher mit der Seilbahn auf den Gipfel und läuft den Weg zurück. Schweißgebadet legten wir alle 100-200 Höhenmeter (1-2 Kilometer) eine Pause ein.

Steiniger Weg

Die zahlreichen Hinweisschilder im Nationalpark berichten auf polnisch und teilweise auch auf deutsch über die Fauna und Flora im Gebiet. Auf einem Hinweisschild wurde den Opfern einer großen Lawine gedacht, die mehreren Menschen das Leben kostete. Bis heute häufen sich große Schneemassen im Winter an. Der Schnee wird von der Ebene unterhalb der Schneekoppe aufgeweht und stellt eine erhebliche Lawinengefahr dar. Ende März 1968 kamen bei einem Unglück 19 Touristen ums Leben. Die Lawine war 600m lang, 800m breit und 12m hoch. Selbst das Denkmal das an diese Tragödie erinnern sollte, wurde 1974 durch eine weitere Lawine mitgerissen.

Trotz der schwierigen Wanderung konnten wir die Natur genießen: Ein Bach plätschert seicht neben dem steinigen Weg, Schmetterlinge kreuzen den Weg und weiße und lila Glockenblumen wachsen am Wegesrand. Es gibt recht wenige Kurven und so fühlt sich die Strecke extrem lang an und hinter jeder Kurve wartet ein noch steilerer Abschnitt. Auf über 1000 Höhenmeter ließ sich ein Brautpaar fotografieren. Im Hintergrund der Blick ins Tal. Schwer vorzustellen, dass die Braut im Tüllkleid mit dem Sessellift hochgefahren ist.


Lange Warteschlange vorm Lift

Wer es einfach mag, nimmt den Lift

Als wir am Sessellift, Station Kopa ankamen, gönnten wir uns erst einmal eine eiskalte Cola und verschnauften auf eine der rustikalen Holzbänke. An dieser Stelle merkte ich noch nichts von meinem Sonnenbrand, denn der Wind kühlte meine Haut angenehm.

Im Riesengebirge gibt es 5 Vegetationsstufen. Die Kopa liegt in der subalpinen Vegetationsstufe, auch bekannt als Knieholzstufe. Die Stufen starten ca. 200 Höhenmeter eher als in anderen Gebirgen, was das raue Klima im Riesengebirge beweist. Durch die langsam schmelzene Schneedecke dauert es mit dem Frühling in der subalpinen und alpinen Stufe einige Wochen länger.



Steil, aber gut ausgebauter Weg

[Auf der Mittelstation gibt es einen Imbiss, Schlafmöglichkeiten, einen Souvenirstand, Sitzbänke und sanitäre Einrichtungen; Rückfahrt 12 Zloty, Hin- und Rückfahrt 35 Zloty und nur Hinfahrt 28 Zloty]

Blick vom Gipfel auf das vorgelagerte Plateau mit dem gelben Schlesierhaus



Nach unserer Pause liefen wir für einen Kilometer einen gut ausgebauten Weg ohne Anstieg und konnten bereits den Gipfel der Schneekoppe sehen. Auf einem langgezogenen Plateau steht das Schlesierhaus. Es ist eines der ersten Bauten, die im östlichen Riesengebirge zu Touristenzwecken dienten. 1920 wurde die gelbe Baude umgebaut und bekam ihr heutiges Aussehen.

Die letzten 150 Höhenmeter waren extrem anstrengend. Die Steine waren teilweise lose und ich hatte keinen guten Halt auf den glatten Steinen. Wir nutzen die zwei Aussichtsplattformen mehr um Pause als um Fotos zu machen. Laut Navi waren wir erst bei 1640 Höhenmeter ganz oben angekommen. Von der Wärme im Tal war nichts mehr zu spüren. Auf dem Gipfel war es kalt, windig und wolkig. Obwohl die Höhe noch nicht erreicht ist, wird das Klima als alpin beschrieben. Kein Ort an dem man lange verweilen möchte. Wir kauften uns zur Belohnung trotzdem ein Eis und liefen über den Gipfel bis zur tschechischen Grenze.




Gipfel auf der polnischen Seite

[Der Gipfel ist sehr touristisch und dementsprechend überfüllt und teuer. Sogar für die Toilette muss gezahlt werden. Ein als Gnom verkleideter Mann verkauft für 3,50 EUR Zertifikate, die ausweisen, dass man den Gipfel erreicht hat. 2 Flaschen Wasser und 2 Eis kosteten umgerechnet 13 EUR. Als Wechselgeld erhält man Zloty.]

Nach einer Viertelstunde traten wir den Rückweg an. Basti wollte mit dem Sessellift ins Tal fahren, ich überredete ihn aber dazu die 7,3 km bis zum Hotel wieder zu Fuß zurückzulegen und so bogen wir beim gelben Schlesierhaus auf den roten Wanderweg ab. Die ersten 3 Kilometer waren ebenfalls sehr steil. Landschaftlich aber durchaus reizvoll: Es blühte Heide am Wegesrand und ein Wasserfall lag auf dem Weg. Noch lange sieht man den Gipfel mit der markanten Bergbaude bis die Strecke in einen dichten Wald übergeht und auf den letzten 4 Kilometern kaum Gefälle ist.



Unser Rückweg

Die Preise im polnischen Teil des Riesengebirges sind mit unseren in Deutschland zu vergleichen. Ein Abendessen kostet für 2 Personen um die 35 EUR. Der Eintritt in den Nationalpark ist aber vergleichsweise günstig und kostet nur 1,50 EUR pro Person. Am besten hebt man in Polen an einem Geldautomaten Zloty ab. Diese Region ist noch nicht auf internationale Gäste eingestellt. Es gibt kaum Übersetzungen auf Deutsch oder Englisch. Die Menschen sprechen weder (gutes) Deutsch noch Englisch. Wir haben auch kaum ausländische Touristen gesehen, nicht einmal die obligatorische asiatische Reisegruppe, die von Attraktion zu Attraktion hetzt.
Obwohl Polen ein katholisches Land ist, haben die Supermärkte auch sonntags geöffnet. Es gibt neben polnischen Ketten auch Aldi, Lidl, Spar, Netto und Kaufland.
Osteuropa, einschließlich Tschechien, Polen und Ungarn, ist immer eine Reise wert. Langsam stellen sich die Touristenorte auch auf den gesunden Gaumen der Mittel- und Westeuropäer ein und bieten zunehmend Salate und andere fleischfreie Speisen an. Auch wenn die Straßenplakate mit Wurstwerbung nicht zu übersehen sind.

Trotz meines Muskelkaters fand ich unser Wander-Wochenende in Polen sehr schön und vorallem erholsam für den Geist. Die Natur erinnert an den Schwarzwald und von Leipzig aus ist das Riesengebirge in 3 Stunden über die A4 zu erreichen.



Kommentare:

  1. Danke für den schönen Bericht! Wir waren vor 7 Jahren im Juni in Karpacz im Urlaub und es hat mir sehr gut gefallen (abgesehen vom kulinarischen Gesichtspunkt). Die Wanderung zur Schneekoppe fand ich auch recht schweiztreibend. Oben am Gipfel war es zu jener Zeit aber gar nicht touristisch, wahrscheinlich Vorsaison. Ist das Wellnesshotel dieser Riesenkomplex, den man auf Bild 7 sieht? Der war damals im Bau und wir haben uns gefragt, was das für ein Megariesenmonsterhotel wird und ob sich das wohl lohnt...

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    1. Hi Heike,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir waren in einem kleinen Wellness Hotel mit Pool und co im Keller. Aber das große Hotel haben wir auch gesehen, vielleicht testen wir das mal im Winter. Basti fährt Ski und ich mach Wellness.
      LG Myriam

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  2. Auch ich danke dir für diesen tollen, ausführlichen Bericht.
    Ich bzw. wir wandern unglaublich gerne. Diese Gegend sollten wir unbedingt mal in Erwägung gezogen.
    Vielen Dank für diese Inspiration.
    Liebe Grüße von Heike

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    1. Freut mich sehr, dass dir mein Bericht gefällt. :) Für Inspiration bin ich da. :) LG Myriam

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  3. Wie schön muss es sein, wenn man mit dem Rad den ganzen Weg wieder herunterrauscht ... :D
    Kenne jemanden, der das mit seinem Mountainbike gemacht und die Abkürzungen heruntergerast ist. Ich würde mit Lana im Ausflugstempo runtermachen. :D

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    1. Mit dem Rad wäre es mir persönlich zu gefährlich, da bin ich total ein Angsthase. ;) Das ist mir dann doch zu steil. Leider kommt auf Fotos immer schlecht rüber, wie steil es in Wirklichkeit ist. :)
      LG Myriam

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  4. Hi Myriam,

    da habt Ihr euch ja eine schöne Ecke für den Urlaub ausgesucht. Da möchte ich auch nochmal wieder hin.

    Viele Grüße

    Markus

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  5. Hallo :) Habe eben Deinen Bericht mit Spannung gelesen. Ich war letzte Woche mit meinem Sohn in Krummhübel; vorgestern sind wir über den roten Wanderweg zur Schneekoppe aufgestiegen und haben 3 Stunden gebraucht (mit kurzer Rast in der Melzergrundbaude). Oben angekommen gab es allerdings die Enttäuschung daß (außer dem Minibistro in der tsch. Baude)nichts zum Erholen/Rasten) vorhanden war..(viell. liegts nur an der Nebensaison ??) Auch im Schlesierhaus kam ich mir wie in einem schlechtem Kiosk vor (zu essen gab es fast gar nichts und die Bedienung hat nur gelangweilt auf ihren Handys rumgedaddelt)- na egal- es hat sich trotzdem wegen der Aussicht und daß man überhaupt hochgelaufen ist gelohnt ! Als Rückweg haben wir denselben bis zur Melzergrundbaude genommen, danach den dort beginnenden gelben Wanderweg entlang dem Flüßchen bis zurück nach Krummhübel. Viele Grüße, Dirk

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    1. Lieber Dirk, im Schlesierhaus waren nicht. Und der Kiosk auf der tschech. Seite hatte auch im Sonner nicht viel zu bieten. Da wir satt waren, haben wir nur Eis und Wasser gekauft. Wenn der verkleidete Gnom nicht da war, kann es echt ein Zeichen sein, dass im Herbst/Winter noch weniger Personal da ist. Aber kulinarische Wunder kann man auch im Sommer nicht erwarten, dann eher in ein Restaurant im Tal/Dorf gehen. Aber, wie du schon geschrieben hast, man geht ja wegen der Natur hin und nicht wegen dem Kiosk. LG Myriam

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