Samstag, 30. Juni 2018

Spaziergang durch Karlsbad - Sehenswürdigkeiten und Spezialitäten (Teil 2)

Im letzten Reisebericht habe ich euch auf einen Spazierung durch die Kurstadt Karlsberg mitgenommen und euch die Heilquellen und Kolonnaden der Stadt vorgestellt. Karlovy Vary hat aber noch viel mehr zu bieten und daher geht unser Spaziergang weiter. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt - denn die böhmische Küche hat so einige kulinarische Highlights zu bieten.



Nachdem wir von Kolonnade zu Kolonnade geschlendert waren und etliche Schlucke des Heilwassers getrunken hatten, standen wir an der Treppe hinter der Freiheitsquelle, die uns zu den höheren Lagen der Stadt führen sollte. Es ging ziemlich steil den Berg hoch. Das denkt man gar nicht, wenn man unten am Fluss steht. Karlsbad erinnerte mich übrigens ein wenig an Havanna - auch dort waren die ersten und zweiten Häuserreihen entlang der Hauptstraße fein herausgeputzt, jedoch weiter hinten ist viel verfallende Bausubstanz zu sehen. Nach einer Weile endeten die Häuser und die Asphaltstraße ging in einen Wanderweg über.

Hirschsprung 

 

Wenige Minuten und etliche steile Stufen später standen wir bereits am berühmten Hirschsprung. Unweit davon entfernt befindet sich auf einem Felsvorsprung der älteste Aussichtspunkt der Stadt, ein Holzpavillon. Ursprünglich war die Gemsenstatue aus Zink und wurde von dem Berliner Bildhauer August Kiss 1851 geschaffen. Leider wurde die Statue 1984 verstört. Eine neue wurde dann aber 1986 aus Bronze angebracht.


Aussicht über Karlsbad in der Nähe des Hirschsprungs

 

Aussicht Petershöhe

 

Ein berühmter Kurgast war der Zar Peter der Große. Im September 1711 ließ er sich erstmalig mit dem Mineralwasser behandeln und soll jeden Morgen auf die Anhöhe mit den drei Kreuzen geklettert sein. Die Kreuze wurden an dieser Stelle bereits um 1640 zum Zeichen der Rekatholisierung errichtet. Denn von dort aus hatte man nicht nur einen tollen Blick auf die Stadt, sondern man sah auch die Kreuze in der gesamten Stadt. Der Zar gilt als erster russischer Patient und wird noch heute von den Karlsbadern verehrt. Ihm folgten bis heute viele weitere russische Kurgäste.

Aussicht Petershöhe erinnert an den berühmtesten russischen Kurgast Zar Peter der Große

 

Aussichtsturm Diana

 

Es heißt, dass man vom Aussichtsturm Diana 70 Kilometer weit bis zum Erzgebirge blicken kann. Um diese Aussicht zu genießen, muss man aber erst einmal den steilen Aufstieg und die 150 Turmstufen schaffen. Oder man weiß von der Existenz der Seilbahn. Ich fand die Aussicht übrigens nicht sonderlich spektakulär - das kann aber auch am schlechten Wetter gelegen haben. Ich sah die historische Innenstadt und viel Wald, sehr viel Wald. Touristisch erschlossen wurde die Anhöhe bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Seilbahn (1912) und der Aussichtsturm Diana (1914) kamen erst über 100 später dazu. Heute gibt es neben dem Turm gastronomische Einrichtungen und ein Schmetterlingshaus.

Aussichtsturm Diana (Eintritt ist kostenfrei)



Die Seilbahn fährt im 15 Minuten Takt.

 

Grandhotel Pupp

 

Nach der Turmbesteigung sind wir wieder zu Fuß den steilen Berg hinunter gelaufen und kamen direkt am berühmten Grandhotel Pupp heraus. 2006 wurden hier neben "Casino Royale" (James Bond Streifen) auch "Noch einmal Ferien" mit Queen Latifah und Gérard Depardieu gedreht.
Auf dem Areal des heutigen Hotels standen bereits früher Gasthäuser - allerdings mit anderem Namen. Schließlich wurden die Gebäude von 1896 bis 1907 zu einem neobarocken Prachtbau erweitert und das Hotel erlange unter der Leitung von Julius Pupp Weltruhm. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es verstaatlicht und erst wieder 1989 privatisiert sowie umfangreich restauriert. Seitdem trägt es wieder die Bezeichnung Grandhotel Pupp.



Jan Becher Platz

 

Da der Jan Becher Platz gleichzeitig eine Sehenswürdigkeit ist und dort auch die Karlsbader Spezialität schlechthin gebraut wird, ist dieser Ort, um den weltberühmten Becherovka Likör, ein perfekter Übergang zu den (böhmischen) Spezialitäten. Wer bereits einige meiner Blogbeiträge kennt, hat sicherlich bereit mitbekommen, dass ich gern lokale Spirituosen koste und für zu Hause mitnehme. Und tatsächlich Karlsbad hat mit dem Becherovka einen Likör, der zurecht den Namen 13. Karlsbader Quelle trägt. Der Kräuterlikör ist sehr lecker. Den Likör gibt es bereits seit 1867 und die Ausstellung im Museum führt durch die ursprünglichen Kellerräume und zeigt viele zeitgenössische Exponate und Fotografien. Die genaue Zusammensetzung des Becherovkas ist übrigens das am besten gehütete Geheimnis in Karlsbad.
Der Becherplatz ist ein ruhiger Ort an dem ihr in die goldenen Zeiten der Kurstadt eintauchen könnt. Eine kleine Zeitreise ins 19./20. Jahrhundert verbunden mit Shopping, Museumsbesuch und Kaffee trinken. 



Eingang zum Jan Becher Platz

Im Inneren fühlt sich der Besucher zurück ins 19. Jahrhundert versetzt.

Karlsbader und tschechische Spezialitäten

 

Nach unserem langen und vorallem sehr steilen Spaziergang durch Karlsbad fanden wir einen typischen böhmischen Biergarten. Die Speisekarte war übersichtlich, aber es gab natürlich böhmische Knödel mit Gulasch. Darauf hatten wir uns schon seit Tagen gefreut. Knödel und Gulasch gehören zu Tschechien wie Kartoffeln und Wiener Würstchen zu Deutschland. Ich muss hier auch keine speziellen Restaurant-Tipps geben, da es bislang überall in Tschechien geschmeckt hat. Knödel und Gulasch sind für uns auch noch einmal was besonderes, da wir sehr wenig Fleisch essen. 

Bereits die Kaiserin Sissi kannte diese süße Spezialität und ließ sich die Oblaten aus Karlsbad nach Wien schicken. Hergestellt wird diese beliebte tschechische Spezialität nämlich bereits seit dem 18. Jahrhundert. Ursprünglich waren sie mit Zucker bestreut und wurden in speziellen Oblaten-Eisen gebacken. Bis heute sind die knusprigen Oblaten bei den Kurgästen beliebt. Sie können in vielen kleinen Geschäften einzeln oder in Packungen in vielen Geschmacksrichtungen gekauft werden.

Über Kofola habe ich bereits auch schon geschrieben. Der kohlensäurehaltige Softdrink wird von einer polnischen Firma hergestellt und ist in Tschechien und der Slowakei ein großer Mitbewerber von Coca-Cola und Pepsi. Hier in Deutschland konnte sich die Cola-Alternative leider noch nicht etablieren und ich kann ich es nur kaufen und trinken, wenn wir in Tschechien oder Polen sind. Kofola frisch vom Fass schmeckt auch total lecker. Das müsst ihr mal probieren.


Böhmische Knödel  mit Gulasch

Karlsbader Oblaten

Kofola - die polnische Antwort auf Coca-Cola

Zum Abschluss habe ich noch ein paar Tipps für euch.

Praktische Tipps:

Geld wechseln: Wechselstuben bieten den besten Kurs und wechseln 25 Kc zu 1 EUR (Stand: Mai 2018). Daher macht es Sinn nicht in EURO zu bezahlen, sondern in tschechische Kronen zu wechseln. Kartenzahlung ist nicht überall möglich. Besonders kleine Lokale oder Biergärten nehmen nur Bargeld und sind sehr erfinderisch, wenn es um den Umrechnungskurs geht. Also lieber vorher wechseln. Es gibt viele Wechselstuben in der Innenstadt und sogar eine im Jan Becher Museum.

Geldautomaten: Das ist eine gute Alternative zum Bargeld wechseln. Gegenüber der Mühlbrunnen-kolonnade ist ein EC-Automat im EG des kleinen Supermarkts.

Parken: Wow. Selten haben wie so viel fürs Parken bezahlt wie in Karlsbad. Fast soviel wie für ein 3 Gänge Mittagessen. ;) Unser Parkhaus war sehr teuer - im Verhältnis zu anderen Ausgaben in Tschechien. Uns kosteten 6 Stunden direkt 10 EUR. Hier findet ihr eine Übersicht. Wer ein Hotel direkt in der Karlsbader Innenstadt bucht und mit dem eigenen PKW anreist, sollte auf alle Fälle einen Parkplatz mitbuchen oder ein Hotel mit kostenlosem Stellplatz wählen, da es in der Innenstadt kaum freie Parkmöglichkeiten gibt. Wer kann, sollte mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Lidl: In Leipzig bin ich fast nie im Lidl. Aber sowohl auf den Kanaren sowie Irland als auch in Osteuropa gehe ich gern in deutsche Supermärkte. Ich finde die sind im Ausland irgendwie besser. Bei Lidl in Karlsbad gibt es einen Kaffeeautomaten und man kann relativ zentral für 1,5 h kostenlos parken - sogar ohne es im Lidl an der Kasse abstempeln zu lassen. (Stand: Mai 2018) Außerdem gibt es  Kofola in Glasflaschen und Becherovka zu einem guten Preis.

Karlsbader Innenstadt - Im Hintergrund sieht man den Aussichtspavillon

Ich hoffe, ich konnte euch mit beiden Reiseberichten einen guten Eindruck von Karlsbad verschaffen. Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt sie mir einfach in die Kommentare - so kann ich diesen Beitrag immer noch um nützliche Tipps ergänzen. In den nächsten Wochen bleibt es weiterhin spannend auf meiner Seite. Ich habe noch 2 Burg-Reiseberichte offen, außerdem geht es nach Saarbrücken uuund noch viel besser nach Mexiko.

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