Donnerstag, 17. September 2015

Kuba Teil 4: Ausflug in die Sierra del Escambray

Nun ist unsere Kuba Reise schon mehr als 3 Monate her, aber es gibt immer noch soviel über diese wundervolle Karibikinsel zu erzählen. Im vierten Teil meiner Reiseberichte geht es um unseren Ausflug ins Escambray Gebirge bei Trinidad. Es war einer der schönsten Tage, wenn nicht sogar der schönste Tag, auf Kuba. Nach dem Frühstück ging die Fahrt mit 2 Autos los ...





Wie ihr bereits im 3. Reisebericht über Trinidad erfahren habt, war unsere 3. Station auf Kuba die alte Kolonialstadt Trinidad im Süden der Insel. Dort übernachteten wir im nahegelegenen Dorf Casilda bei dem deutschen Auswanderer Jörg und seiner Frau. Jörg bietet auch Ausflüge rund um Trinidad an und so beschlossen die anderen deutschen Individualtouristen und wir zu acht einen Ausflug ins Gebirge zu machen.

Zunächst fuhren wir eine sehr steile und kurvenreiche Bergstraße zum ersten Aussichtspunkt bei Topes de Collantes hinauf. Das war also im Reiseführer mit den Worten "nur für geübte Fahrer" gemeint. Ich hätte mich nie im Leben getraut mit unserem chinesischen Mietwagen diese steilen Berghänge hochzufahren. Niemals! Nur gut, dass wir in einem SUV saßen. Um den anderen Touristenmassen auszuweichen, wollten wir eine Viertel Stunde eher starten, um nicht ständig von zahlreichen Touristenbussen umringt zu sein. Das klappte augenscheinlich recht gut, da nur ein halboffener LKW mit Touristen auf dem Parkplatz stand.


Blick bis zum Meer
Auf der Aussichtsplattform
Blick in die Ferne

Anschließend ging es zu einer alten Kaffeeplantage, die heute ein Museum und ein kleines Café beherbergt. Dort wird auf einigen Bildern die Geschichte des Kaffees erklärt. Dass er beispielsweise aus Äthiopien auf die Insel kam. Außerdem konnten wir uns eine alte Röstmaschine aus New York ansehen. Auf ganz Kuba gibt es nur noch eine Kaffeefabrik und diese befindet sich in Havanna, wie Jörg erklärte. 


Weg zum ersten Aussichtspunkt


Exkurs: Deal Öl gegen Ärzte

In einer ruhigen Minute fragte ich Jörg zum "Deal Öl gegen Ärzte", von dem ich gelesen hatte. Der Deal beinhaltet, dass 5000 kubanische Ärzte nach Venezuela gehen und Kuba im Gegenzug 2 Mio Liter Rohöl pro Tag erhält. Die Ärzte bekommen monatlich 100 CUC auf ein Konto überwiesen und wenn sie nach Kuba zurückkehren, können sie sich davon ein Auto oder sogar ein Haus kaufen. Außerdem würden ihnen 2 Flüge in die Heimat pro Jahr bezahlt werden. Der Deal ist für beide Regierungen gut. Auf Kuba hatten dadurch die täglichen Stromabschaltungen ein Ende und Chávez konnte sich durch eine bessere medizinische Versorgung im Land länger an der Macht halten. Davor gab es jeden Tag 8 Stunden keinen Strom auf der Insel - immer im Wechsel entweder zwischen 6-14 Uhr, 14-22 Uhr oder 22-6 Uhr.

Schlafende Hunde sollte man nicht wecken :)

Und wo wir gerade auf das Land blickten, unterhielten wir uns außerdem über die kubanische Landwirtschaft. Obwohl das Klima den Anbau von Nutzpflanzen begünstigt, leidet Kuba noch heute unter den Folgen der Jahrzehnte langen Monokultur. Es gibt eigentlich genug Anbauflächen, aber keine Gerätschaften mit denen die Bauern ihr Land bewirtschaften könnten. Aber immerhin werden heute schon 70% des jährlichen Reisbedarfes auf der Insel angebaut und die Maschinen dafür stellt der Staat den Bauern zur Verfügung. Generell muss das Land aber immer noch viel zu viele Lebensmittel importieren, weil die heimischen Kapazitäten in puncto Gerätschaften und Know-how nicht ausreichen, um die Menschen auf Kuba zu versorgen.

Historische Maschine aus New York von 1901 auf Kuba

Bananenstaude

Wir stiegen wieder in unsere Autos und fuhren zu einem weiteren Aussichtspunkt in der Nähe von La Felicidad. Von ihm aus hatten wir einen wundervollen Blick auf den Stausee Hanabanilla. Der Ausblick hätte idylischer nicht sein können. Im Tal schlängelte sich der Stausee gerahmt von Palmen durchs satte Grün des Tals. Auf der Wiese vor uns wuchsen unzählige Mimosenpflänzlein, die bereits bei einer flüchtigen Berührung zusammenzuckten. Links von uns graste ein Stier unbeeindruckt von den touristischen Aktivitäten und die Vögel gaben ein schier endloses Konzert zum Besten.



Hanabanilla Stausee

Nachdem genügend Fotos gemacht wurden und der Augenblick ausgekostet wurde, ging es weiter durch die Mittelgebirgslandschaft in Richtung Bootsanlegestelle. Als wir aus dem Auto ausstiegen, sah ich in einiger Entfernung sofort große, stabile Touristenschiffe und freute mich schon darauf gleich in eines davon einzusteigen und damit gemütlich über den Stausee zu schippern. Erst auf dem zweiten Blick sah ich die kleinen Nussschalen zu unseren Füßen.

oben links: Touristenschiffe; unten rechts: unsere Boote

Ihr ahnt es sicherlich schon, oder? Na klar. Wir stiegen natürlich nicht in die großen Touristenschiffe ein, sondern liefen einen abschüssigen Steilhang hinunter zu den Nussschalen. Dies waren kleine Motorboote, die leider keineswegs einen sicheren Eindruck vermittelten. Auf dem Wasser verlor ich zum Glück schnell meine Sorgen und konzentrierte mich darauf die kleinen Wasserschildkröten am Ufer ausfindig zu machen. Leider war der Lamborghini-Motor fürchterlich laut und schreckte die kleinen Kerlchen ab. Wahrscheinlich konnte man unsere Boote noch über Kilometer hören.

Nach einer guten halben Stunde, die wir uns auch mit gegenseitigem Fotografieren vertrieben, legten wir an einer kleinen Landzunge an. Unsere Bootsführer, die ihre "Gewerkschaftspause" beendet hatten, verteuten die beiden Boote. Zwischenzeitlich sollten die Frauen das Ruder übernehmen und den Kahn über den Stausee manövrieren. Obwohl Ruder auch schon zu viel gesagt ist. Es war ja nur ein dünner Ast.

Auf der Landzunge fanden wir leere Schildkrötenpanzer, Zitronen- und Knoblauchreste sowie eine Feuerstelle. Hier hatten sich also Einheimische ein paar der Tierchen gefangen und sich zum Abendbrot gebraten. Traurige Vorstellung.

Frauen am Ruder

Eine Bootsfahrt, die ist lustig ... lalalalala ...



Nach einer Viertelstunde ging unsere Fahrt weiter. Schließlich wollte uns der Kapitän noch zwei Fledermaushöhlen zeigen. Vor der ersten Höhle schaltete der den röhrenden Motor aus, zog ein Paddel vom Dach und manövrierte unsere Nussschale geschickt durch das flache Wasser, zielsicher an den kantigen Steinen vorbei. In der Höhle selbst war es durch den Vogelkot recht matschig. Und ich trat auch noch schön tief in den Dreck. Schier Hunderte von kleinen Vögeln kreischten wild durch die Höhle fliegend. Ein Wunder, dass sie nirgens dagegen flogen.


Eingang zur ersten Höhle
In der ersten Höhle




Da wir in der ersten Höhle kein Glück hatten, schipperten wir zu einer zweiten Höhle, um noch Fledermäuse sehen zu können. Diesmal wurden die Boote an Land festgemacht und wir kletterten eine Anhöhe hoch zu einer anderen Fledermaushöhle. Wir hatten nur eine Taschenlampe dabei und liefen immer tiefer in die dunkle Höhle hinein. Basti verletzte sich am Kopf, weil er eine Felskante nicht sah. Als wir an einen Punkt angekommen waren, wo absolut kein Sonnenlicht mehr hinschien, leuchtete unser Kapitän mit seiner extra mitgeführten Taschenlampe an die Höhlendecke und dort hingen die Fledermäuschen friedlich von der Decke. Lange hielten wir es in er beklemmenden Höhle nicht aus und traten rasch wieder den Rückweg in Richtung Sonnenlicht an.


Eingang zur zweiten Höhle
In der zweiten Höhle - Fledermäuse hingen in den Löchern

kleine Wasserschildkröten
Blick auf den Stausee von der zweiten Höhle aus


Pferd am Wegesrand

Auch die schönste Bootsfahrt hat ein Ende

Pferd? Welches Pferd? ;)

Und die Bootsfahrt ging weiter. Der Stausee führte immer weniger Wasser und wurde zunehmend schmaler. An den Ufern grasten Pferde und Rinder. Dahinter stiegen die Felsen steil an und wurden von Palmen und anderen tropischen Bäumen geschmückt. Mittlerweile konnte ich den lauten Bootsmotor ausblenden und fühlte mich ein wenig wie im Film "Fluch der Karibik". Die Landschaft war so schön. Hach. Wunderschön.

Aber auch die schönste Bootsfahrt ist irgendwann einmal zu Ende. So auch unsere. Auf einem schmalen eingetrampelten Weg folgten wir unseren beiden Steuermännern durchs Dickicht. Unterwegs entdeckten wir ein Pferd, dass sich im Gestrüpp versteckte. Nach circa einer halben Stunde kamen wir zu einem kleinen Bach, den wir überqueren mussten. Die Brücke glich eher einer Prüfung aus dem Dschungl Camp als etwas worüber man freiwillig geht, um ans andere Ufer zu gelangen. Aber das war leider die einzige Möglichkeit herüber zu kommen. Also los. Basti ging voraus, um von uns Fotos und ein Video zu machen. Am Ende war es nur halb so dramatisch wie es zunächst aussah.



Durchs Dickicht
Kubanische Brücke oder Dschungl Prüfung

Nach einer kleinen Erfrischung auf der Terrasse unsere Bootsführers ging es zurück zum Auto und zur letzten Station des Ausflugs. Unser nächstes Ziel war der El Nicho Wasserfall im Nationalpark Topes de Collantes. Jörg versprach uns, dass wir im Wasserfall baden könnten und so liefen wir schnurstracks zum Wasserfall und sogten die wundervolle Flora und Fauna in uns auf. Die Natur war so prächtig, die Vögelchen zwitscherten fröhlich und dann vernahmen wir das Rauschen des Wassers. Wir hielten kurz inne, machten Fotos und genossen den Augenblick ehe uns Jörg antrieb weiter hochzulaufen, da dies noch nicht die Badestelle sei. Also kletterten wir den Berg hoch und passierten erneut wackelige Brücken.

Als wir an der Badestelle ankamen, hatten wir diese für uns allein. Schnell schlüpften wir in unsere Badesachen und hüpften voller Vorfreude eilig ins Wasser. Ahhh. War das Wasser kalt. Also volle Kraft zurück und langsam, Zeh für Zeh ins Wasser hineintapsen. Die Mutigen unter uns schwammen zur anderen Seite, kletterten auf einen rutschigen Felsvorsprung und posierten unter dem Wasserfall.



Wasserfall El Nicho


Badestelle



Wow, was für ein erlebnisreicher Tag. Da es schon spät war und wir noch einen langen Weg durchs Gebirge vor uns hatten, machten wir uns auf den Heimweg. Jörg fuhr mit der Hälfte von uns den sicheren Weg zurück und wir, die anderen vier, saßen im SUV und nahmen die Strecke quer durchs Mittelgebirge. Die Straßen waren echt sehr schlecht, aber die Fahrt machte Spaß und rundete den Abenteuertag ab.

Basti hatte die gesamte Route mithilfe GPS-Tracking dokumentiert.  Auf dem Rückweg hatten wir jedoch im Gebirge kein Signal - das erklärt die diagonale Linie. Hier nun zum Abschlussdie Karte:

Kommentare:

  1. Oh wow! Die Höhle sieht schon ziemlich beeindruckend aus. Der Rest natürlich auch. Muss ein wahnsinniges Erlebnis sein. Kuba steht auch schon lange auf meiner Liste. Meine Tante war schon da und hat tausend Eindrücke mitgebracht. Ein wirklich toller Beitrag! ♥

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    1. Vielen Dank für deine Worte. Kuba kann ich total empfehlen. Man sollte die Insel unbedingt besuchen. Wir überlegen schon, wann wir wieder hinfliegen.

      Grüße Myriam

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