Sonntag, 8. November 2015

Kreta: Ein ereignisreicher Tag im Süden

Kreta - das ist nicht nur Badespaß im All inclusive Hotel. Nein. Kreta, das sind vorallem wunderschöne Landschaften, deren Böden von etlichen Wildkräutern bedeckt sind und die auch noch Ende Oktober herrlich duften. Das sind auch die kilometerlangen Serpentinenstraßen, die durch die kargen und schroffen Berglandschaften führen, das sind die Schafe, die am Wegesrand stehen und das sind nicht zuletzt die gemütlichen Tavernen im Schatten großer Olivenbäume.






Glücklich zu sein, bedeutet für mich morgens mit Meeresrauschen aufzuwachen. Auf Kreta lag unser Zimmer in Blick- und Hörweite zum Meer und ich wurde wieder von der Brandung geweckt. Mit einem Milchkaffee in der Hand blickte ich aufs Meer und den wolkenverhangenen Himmel. Hauptsache regnet es heute nicht, dachte ich. Denn für heute hatten wir uns eine Tagestour aus unserem Reiseführer MERIANmomente Kreta herausgesucht.

Auf der Schnellstraße ging es immer am Meer entlang nach Vrísses. Im Dorf selbst herrschte noch reges Treiben und kleine griechische Fähnchen waren quer über die Straße gespannt. Das kleine Dörfchen ist laut Reiseführer für seinen guten Joghurt bekannt, der dort in vielen Tavernen und Cafés angeboten wird und wir lieben Joghurt. Also parkten wir unseren Wagen und schlenderten in ein kleines Café, bestellten uns zwei Portionen Joghurt mit Honig und dazu einen Kaffee bzw. einen Bergtee. Der Joghurt hatte eine viel festere Konsistenz, als ich es von den Supermarktprodukten her kannte. Am Ende der Saison war es in dem kleinen Café schon etwas kalt, sodass für uns der Heizstrahler angemacht wurde. Satt und zufrieden ging weiter in Richtung der Imbros Schlucht. Sie ist nach der Samaria Schlucht die zweit längste auf der Insel.


Auf dem Weg nach Vrísses

Unser Café in Vrísses

Griechischer Joghurt mit Honig in Vrísses, Kreta

Serpentine für Serpentine näherten wir uns dem kleinen Bergdörfchen Ímbros. Die Straße führte uns hoch in die Berge. Auf der rechten Seite konnten wir tief ins Tal blicken. Die Felswände auf der linken Seite wurden immer höher und kleine Steinbrocken lagen am Straßenrand. In Deutschland hätte die Straßenmeisterei schon längst eine Absperrung aufgebaut, aber hier ist man da entspannter. Dann fährt man halt drumherum. ;-) Je höher wir kommen, desto häufiger sehen wir auch  zerschossene Verkehrsschilder. Ein Ortsschild war sogar so durchlöchert, dass man gar nicht mehr entziffern konnte wie denn nun der Ort hieß. Laut einer Doku, die ich auf youtube gesehen habe, lieben die Kreter ihre Waffen und die Verkehrszeichen eignen sich hervorrragend als Zielscheibe.



"Erdmännchen-Pose"

Verkehrszeichen eignen sich perfekt als Zielscheibe


Als nächstes lag die Imbros Schlucht auf dem Weg. Im Dörfchen Ímbros gibt es etliche Parkmöglichkeiten, nicht alle sind kostenfrei. Wer aber anschließend im Kafenio einen Tee oder Kaffee trinkt, bekommt die Parkgebühren manchmal verrechnet. Da wir am ersten Tag an dem Haupteingang vorbeigefahren waren, parkten wir am Ausgang der Schlucht und liefen die Schlucht hinauf. Was wesentlich anstrengender ist, als sie einfach nur von oben nach unten zu laufen. Auch Ende Oktober kamen uns noch etliche Touristen entgegen, die einen Ausflug gebucht hatten. Sie werden mit einem Reisebus oben am Haupteingang abgesetzt, wandern in 2 bis 3 Stunden die 6 km lange Schlucht hinunter zum Meer, essen dort zu Mittag und werden dann mit dem Bus, der unten auf sie wartet, wieder ins Hotel gefahren. Individualreisende, auf die naturgemäß kein Bus wartet, können sich ein Taxi nehmen, um wieder zum Mietauto zu gelangen.

Da wir aber noch mehr vor hatten, genügte es uns 2 Kilometer bergauf in die Schlucht hineinzulaufen. Es war wunderschön, total ruhig, Nadelbäume wuchsen quer in die Schlucht hinein und die Aussicht war herrlich.

Informationen zur Imbros Schlucht: 

  • Parkmöglichkeiten am Eingang (kostenpflichtig) und Ausgang (kostenfrei) vorhanden
  • Eintritt 2 Euro (Stand Oktober 2015)
  • Bester Weg: von oben nach unten laufen
  • Für den Rückweg gibt es einen Taxi Stand
  • Viele Reiseveranstalter bieten Tagesausflüge zur Schlucht inkl. Mittagessen an
  • Tour ist auch für Kinder geeignet
  • Länge: 6 km

Straße zum Meer

Imbros Schlucht

Imbros Schlucht

Imbros Schlucht


Ausgang Imbros Schlucht

Da mir meine Füße noch vom Vortag weh taten, war ich glücklich wieder im Auto zu sitzen. Wir aßen ein paar Weintrauben, die wir am Vortrag im Supermarkt gekauft hatten und setzen die Fahrt in Richtung Frangokástello fort. Wir fuhren an ein paar Dörfern vorbei, wo die Menschen gesellig im Café bei einer Tasse Kaffee saßen. Als wir an wilden Olivenhainen vorbeifuhren, kam mir der Gedanke, dass es doch besser gewesen wäre einen großen Koffer mitzunehmen, so hätte ich mehr von dem sonnengereiften Obst und Gemüse mit nach Deutschland nehmen können.

Die nächste Station auf unser Tour lag direkt am Meer: Frangocástello ist ein venezianisches Kastell aus dem 14. Jahrhundert. Einer Legende nach ziehen jedes Jahr Anfang Juni die Schatten bewaffneter Reiter um das Kastell. Hierbei soll es sich um Widerstandskämpfer gegen die Türken handeln, die im Mai 1828 an dieser Stelle in einer großen Schlacht starben. Die toten Soldaten hätten noch keine Ruhe gefunden, heißt es. Es gibt aber auch eine andere, simple Erklärung dafür: Demnach soll es sich um Luftspiegelungen, ein spezielles meteorologisches Phänomen, handeln. Weitere Infos.

Jetzt mal abgesehen von den Spukgeschichten lohnt sich der Besuch des gleichnamigen Dörfchen und besonders der Besuch des Strandes. Vom Sandstrand geht es flach ins Wasser und man blickt auf das Libysche Meer in Richtung afrikanischer Nordküste.


Frangocástello

Frangocástello

Frangocástello

Informationen für Frangocástello:

  • Eintritt 1,50 Euro
  • Parkplätze sind kostenlos.
  • Das Kastell wurde 1371 erbaut.
  • Auf einen der Türme führt eine neue Holztreppe hinauf, von dort oben hat man einen wunderschönen Blick auf die Berge und das Meer auf der anderen Seite.
  • Im Turm gibt es versch. Ausstellungen. 1. historische Fotografien, 2. farbenfrohe Bilder von Kindern, die typische Szenen aus dem kretischen Leben zeigen und 3. Spitzenkunst
  • Badesachen einpacken!
  • Gegenüber vom Kastell gibt es eine Taverne inkl. Toilette.


Ähnlich dem Titelfoto - nur unbearbeitet ;-)

Bergpass nach Kallikrátes

Der sechs einhalb kilometerlange Weg nach Kallikrátis hat die engsten Serpentinen der gesamten Insel. Das Zusammenspiel von dunklen Wolken auf der Nordseite und Sonnenstrahlen auf der Südseite erlaubte es mir folg. Schnappschuss zu machen:




Die schmale Straße war gottseidank wenig befahren. Nur 2 Pick-ups befuhren vor uns die Strecke und einer kam uns entgegen. Die Serpentinen schmiegen sich wie Schleifen um den Berg und führen Meter für Meter auf die andere Seite der Berge. Ohne unseren Zwischenstopp, um die Aussicht zu genießen und einige Fotos zu schießen, brauchten wir ca 20 Minuten für die 750 Höhenmeter. Das entspricht einer ungefähren Fahrtstrecke von 6,5 km.

Im Reiseführer stand, dass direkt am Ortseingang von Kallikrátis das Little Café zu finden sei und man dort gut "Öko-Shoppen" könne.


Little Café in Kallikrátis


Wir parkten also den Wagen direkt an der Straße und gingen ein paar Schritte zurück zum Little Café. Unterwegs bekamen wir ein paar Regentropfen ab, was nichts anderes bedeutete, als dass wir wieder auf der anderen Seite der Berge waren. Hier ist das Wetter häufig ein wenig schlechter. Ich rief ein freundliches "kaliméra" (griech. Guten Tag) in den Raum und schaute mich um. Es lagen abgepackte Teepäckchen auf dem Tisch vor mir und in den Regalen standen Ölflaschen und selbstgemacht Marmelade hübsch zum Verkauf aufgereiht.

Nach 2 Minuten erschien die Hausherrin und entlarvte uns anhand unseres englischen Akzents als deutsche Touristen. Sie selbst kam auch aus Deutschland, lebe jetzt aber auf Kreta. Basti wollte wissen, ob es hier im Winter auch schneien würde und sie deutete auf ein Foto an der Wand. Es zeigt die Ansicht des Hauses mit einem im Schnee versunkenen Fahrrad davor. Also ja es kann hier sehr viel Schnee fallen.


kretischer Bergtee

Wir kauften ein paar Teepäckchen, darunter auch den berühmten kretischen Bergtee, Diktamnos. Die Ärzte der Antike glaubten, dass er alle Krankeiten heilen könne. Heute wird er bei Verdauungsproblemen und zur Wundheilung, dank seiner antibakteriellen Wirkung, eingesetzt. Link zur Internetseite des Cafés.

Zum Abschied erklärte sie uns noch den besten Weg zum nächten Dorf. Einfach am Ende des Dorfes zweimal rechts abbiegen. Dort seien die Straßen nach Argiroúpolis am besten.


Lappa Avocado Naturkosmetik


Dieses Dorf ist für seine Avocado Naturkosmetik berühmt und ich wollte daher dort ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwester kaufen und so erstand ich eine Body Lotion und eine Handcreme für sie. Die Kosmetik wird in einem Familienbetrieb hergestellt, der aus der Not eine Tugend machte. Denn als der Absatz für Avocados zurück ging, suchte man nach alternativen Verwendungsmöglichkeiten und kam so zur Kosmetik. 1984 hatte die Familie 500 Avocadobäume, mittlerweile sind es 2500. Tendenz steigend. Die Produkte eignen sich übrigens besonders für Menschen mit Allergien, empfindlicher und trockener Haut. Link zum Kosmetikladen.

Die nette kanadische Verkäuferin, auch eine Auswanderin, bestand darauf, dass wir uns das hübsche Dorf anschauen und drückte uns einen Din A4 Zettel als kleine Landkarte in die Hand. Das Dorf war wirklich sehr idyllisch und malerisch auf einer Anhöhe gelegen - von der man einen wundervollen Blick ins Tal hatte.


scheue Katze im Bergdorf


Da es schon langsam dämmerte, gingen wir zurück zum Auto und fuhren wieder mit all unseren Erlebnissen und Erinnerungen an diesen wundervollen Tag zum Hotel zurück. Es hat sich wirklich gelohnt diese Tour aus dem Reiseführer abzufahren. Vielen Dank an den Autor und Griechenland Experten Klaus Bötig.
Nur den Ausflug nach Loutro hatten wir nicht mehr geschafft - aber dieses Abenteuer haben wir am nächsten Tag nachgeholt. Reisebericht zu Loutro - Ein kleines Dorf abseits des Massentourismus

Zum Abschluss folgen noch 2 Karten. Die erste zeigt unsere gesamte Strecke und die zweite die engen Serpentinen nach Kallikrátis.

1. Karte: gesamte Strecke

2. Karte die engen Serpentinennach Kallikrátis

Kommentare:

  1. Da hast du ja wieder einen sagenhaften Urlaub hinter dir! So aufregend und so weit sind wir noch nie verreist! War der Joghurt denn nun besser, als man ihn kennt? Er sieht so aus, wie ich es mal im Fernsehen gesehen hatte. Die Katze sieht fast aus wie unsere Maya :)

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Ja, der Joghurt war lecker und auch besser. :) Die Katze war ziemlich scheu, ich hätte die gern noch komplett fotografiert, aber so sieht es auch süß aus. :)

      LG Myriam

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  2. Oh, Kreta scheint wirklich schön zu sein! :) Ich war noch nie dort, aber das steht definitiv auf meiner Liste. Früher war ich einmal auf Rhodos, da hat es mir auch super gefallen. Ich möchte unbedingt noch mal nach Griechenland oder auf eine der Inseln :)

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    1. Kreta war wirklich sehr schön. :) Die Insel eignet sich auch für eine Reise im Frühling, vielleicht über Ostern?
      Grüße Myriam

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  3. Die abenteuerlich-gruselige Bergstraße von Kallikrátis nach Frangokástello kann man sich in diesem youtubeVideo ansehen. https://www.youtube.com/watch?v=huAK5_w9MAo Ich bin die Strecke zweimal gefahren: zum ersten und letzten Mal!
    Grüße
    Paul

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    1. Vielen Dank für den Link-Tipp. Ich habe mir das Video angeschaut, so schlimm habe ich es selbst nicht empfunden, aber bergauf ist das nochmal was anderes als bergab. Täglich als Arbeitsweg möchte sich die Strecke auch nicht fahren müssen.
      Grüße Myriam

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    2. Ich fand die Strecke herrlich. Zugegeben: Auf dem Weg runter sollten die Bremsen nicht versagen, sonst wird's böse. Aber die Aussicht und die Stimmung (vor allem die Lichtverhältnisse am Pass) sind es mMn wert.

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  4. Über Kreta stolpere ich in letzter Zeit öfter und bin jedes Mal am überlegen, ob ich es nicht doch mal buchen soll. Bisher sind da aber immer andere Ziele dazwischen gekommen - leider. Nach deinem Bericht muss ich mir das wirklich für nächste Jahr noch mal überlegen. :-)

    Herzlich,
    Anna

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    1. Auf jeden Fall. Du kannst dir kleine Pensionen im Süden suchen, dann haben die Einheimischen auch ein paar Einnahmen und der Süden der Insel ist wunderschön und nicht touristisch. Wenn du noch zweifelst, schau dir einfach meinen nächsten Reisebericht über Loutro an. :)

      LG Myriam

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