Mittwoch, 15. März 2017

Blogparade „Sag niemals nie!“ - Autofahren auf Kuba und andere Gefahren

"Sag niemals nie!" - so lautet der Titel der aktuellen Blogparade auf Heldenwetter.de. Ariane fragt darin anderen Bloggern nach ihren Reiseerlebnissen, die Überwindung gekostet haben oder wo man zuerst gedacht hat, dass man so etwas nieeee im Leben machen würde. Wer viel reist und mit anderen Kulturen und Geflogenheiten in Berührung kommt, wird früher oder später immer seine Bedenken über Bord werfen und einfach mal Neues wagen. Auch auf meinen Reisen sind schon einige Grenzerfahrungen zusammengekommen. Von einigen erzähle ich euch heute.


Autofahren auf Kuba ist so eine Sache. Außerhalb der Rush Hour, wie hier auf dem Foto, ist es einfach.





Auch Angsthasen müssen Auto fahren

Vor knapp 2 Jahren (Mai 2015) sind Basti und ich über Island und Kanada nach Kuba geflogen. In der isländischen Mietwagenstation merkte mein Freund Sebastian, dass er seinen Führerschein vergessen hatte und so fuhr der erste Schock durch meine Knochen: Muss ich jetzt Autofahren in Island? Im Mai, wo noch fast überall Schnee liegt und es glatt ist? Panik machte sich breit. Der Angestellte der Mietwagenstation nahm es aber gelassen. Er schaute meinen Freund an und meinte: "Dir glaube ich, dass du einen Führerschein hast," und gab ihm den Autoschlüssel. Puh, Glück gehabt, Myri!

Na vielleicht geht das in Kuba auch so einfach, dachte ich. In der Karibik nimmt man es bestimmt auch nicht so streng. Falsch gedacht. In Kuba mussten wir die Kaution in bar hinterlegen, die dann in der Hemdtasche des Vermieters verschwand. Zusätzlich mussten wir noch eine Gebühr entrichten, weil wir ja einen Fahrerwechsel hatten. 

Als die Formalitäten erledigt waren und wir geklärt hatten, dass es normal ist, dass die Motorkontrollleuchte leuchtet, ging es los. Ich stieg also mit weichen Knien in den Mietwagen, ein chinesisches Fabrikat, ein. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich selbst Autofahren hasse. Ich hatte mal ein eigenes Auto, aber das stand mehr als es in Bewegung war. Dementsprechend wenig Fahrpraxis hatte ich. Auf dem Vorplatz der Mietwagen Baracke drehte ich ein paar Runden, um ein Gefühl für die Kupplung zu bekommen und dann ging es los. An der ersten Ampel übersah ich die Farbe Rot und donnerte über die Kreuzung. 

War die Ampel jetzt Rot?

Der Mitarbeiter im Hotel hatte uns noch gewarnt, dass wir nicht zur Rush Hour fahren sollen, weil da Himmel und Menschen unterwegs seien. Und wie es der Zufall wollte, verzögerte sich die Mietwagenübergabe um ein paar Stunden sodass wir genau in die Rush Hour reinrutschten. Auf der Landstraße und der Autobahn war das kein Problem, es war eh wenig Verkehr. Wahrscheinlich ignorierten die Kutschfahrer auch daher das Kutschen Verbot auf der Autobahn. Ich überholte also Oldtimer und Kutschen, blieb aber immer unter 90 km/h, weil ab einer höheren Geschwindigkeit das Lenkrad dermaßen Unwucht bekam, dass man das Lenkrad nicht mehr festhalten konnte.

Ich am Steuer des Geelys


Das erste Dorf war mein persönlicher Horror. Die Kubaner kannten Mietautos zu diesem Zeitpunkt nicht so. Rush Hour hieß dort, dass irgendwie alle Dorfbewohner zwischen 16-18 Uhr auf der Straße waren und keinen Platz für LKWs und PKWs machten. Es war als ob ich in ein Straßenfest reingeplatzt wäre. Nur im Schritttempo war ein Vorwärtskommen möglich. Dann waren die Kreuzungen ein Horror, weil alle kreuz und quer liefen, Kutschen, Laster, einfach alles kam von allen Seiten an. Bati meinte, "da musste echt Augen im Arsch haben" und war damit beschäftigt zu überwachen, dass ich keinen Verkehrsteilnehmer übersah. An Fotos machen, war nicht zu denken. Da einige Straßen im Ort gesperrt waren, haben wir uns verfahren und landeten irgendwo im Nichts. Wenig später regnete es monsunartig und wir konnten nicht schneller als 20 kmh fahren. Ich war fertig mit den Nerven. In den Schlaglöchern hätte man Baby Elefanten problemlos baden können. Da es wie aus Kübeln schüttete, dachten wir, dass die Polizei hier wohl keine Verkehrskontrollen durchführen würde und so tauschten wir unerlaubterweise die Plätze und Basti fuhr. Für die 120 km von Varadero nach Playa Larga (Schweinebucht) haben wir 6 Stunden gebraucht. 


Kutsche auf der Autobahn zwischen Trinidad und Havanna - Kuba halt


Unterwegs fiel der Tacho aus und wir konnten nicht einmal mehr sehen wie schnell wir fahren. Was aber auch egal war, da wir eh nicht schneller als 20 bis 30 kmh fahren konnten. Wow. Was für eine Fahrt. Das war meine Feuertaufe. Nach dem Abendessen meinte Basti dann, dass ihm die Fahrt mit dem Mietwagen zu gefährtlich sei und er nicht  mehr weiterfahren wolle. Na ganz toll. 

Die Krux mit den chinesischen Mietwagen

Obwohl unser Mietwagen Unwucht hatte, der Tacho kaputt war, die Motorkontrollleuchte bedrohlich aufflackerte und zu guter letzt die Kupplung in Omas Rührteig steckte, fuhren wir 2 Tage später weiter nach Trinidad. Wir ließen aber vorher vom Besitzer unser Casa Particulares in Trinidad anrufen, dass es später werden könnte. Die Fahrt nach Trinidad war schon besser. Wir mussten fast nur Autobahn fahren und nur ein kleines Stückchen durch Trinidad. Wo ich es aber geschafft habe, quer im Gegenverkehr auf den Eisenbahnschienen zum Stehen zu kommen. Aber in Kuba kein Problem, kein Hupen, kein wildes Gestikulieren. Ich ließ den Verkehr vorbei und bog auf meine Fahrbahn ab. In Trinidad selbst ließen wir das Auto stehen und teilten uns mit den anderen Gästen der Unterkunft ein Taxi.

In der Unterkunft, auch eine Casa Particulares, waren nur deutsche Touristen, da der Besitzer ein deutscher Auswanderer ist. Bei Cuba Libre und Zigarren erzählten wir uns abends unsere Reiseerlebnisse. Ich erzählte von meinem Auto Abenteuer und wie ich daran gewachsen bin und dass Basti ein bisschen stolz auf mich ist. Ich war auch stolz auf mich, dass ich das Autofahren auf Kuba hinbekommen und nicht kapituliert habe. Autofahren mag ich noch immer nicht, aber wenn ich muss, kann ich es. 


Landstraße nach Trinidad - da mochte ich dann schon das Autofahren


Die anderen Individualtouristen erzählten von Touristenfallen, Besuchen auf Tabakplantagen, Fahrten mit umgebauten Schweinetransportern und andere Abenteuer. Basti und ich erzählten nur, dass wir aus Spargründen mit Aeroflot über Moskau heimfliegen würden und wurden schief angeschaut. "Traut ihr euch wirklich mit Aeroflot nach Hause zu fliegen," fragte der Mann, der gerade noch erzählt hatte, dass er wildfremde Anhalter mitnimmt und sich von denen auch noch auf Plantagen und co bringen lässt. :D Herrlich, oder?

Ende gut, alles gut! Auch die Fahrt von Trinidad nach Havanna verlief ohne Komplikationen. Mittlerweile machte mir das Autofahren auch ein bisschen Spaß. Das Einparken vorm Hotel überließ ich dann aber wieder Basti. Man bzw. frau  muss ja nicht übertreiben. Das Fahren mit dem Geely war schon eine Herausforderung.

Bei allen weiteren Reisen habe ich stets darauf geachtet, dass Basti seinen Führerschein mitnimmt. Ich fotografiere lieber aus dem Auto oder Quad, wie in Fuerteventura, heraus. Basti hat eh Benzin im Blut und liebt Autofahren. Und so ergänzen wir uns ganz gut.

Als ich letztes Jahr in Dublin war, habe ich erst überlegt, ob ich ein Auto mieten soll, um die Gegenden außerhalb Dublins zu erkunden, aber da selbst meinem Freund, ein guter und geübter Autofahrer, der Linksverkehr zu heiß war und ich schon Probleme auf dem Rad im Linksverkehr hatte, beschränkte ich mich auf Bus Gruppenreisen.

Und das ist wieder ein "Sag niemals nie!"-Punkt. Ich hasse eigentlich Gruppenreisen, besonders Bus Gruppenreisen, wo man pro Stop nur max 2 Stunden hat und genau zu den Stoßzeiten an die schönsten Orte gekarrt wird und mit Tausenden von anderen Touris zur gleichen Zeit dort ist. Aber nach der 3. Gruppenreise hatte ich auch Spaß daran. Meine Freunde aus der Sprachschule oder meine tollen Mitbewohnerinnen waren immer mit von der Partie und so hatte ich zum Schluss auch Freude an Gruppenausflügen. Aber für Irland lohnt es sich wirklich die Ängste zu überwinden und sich dort einen Wagen zu mieten. Sag niemals nie - vielleicht miete ich mir eines schönen Tages ein Auto in Irland, um ganz individuell und in Ruhe den Wild Atlantic Way abzufahren. Who knows. Ihr werdet es dann als erstes erfahren. :) Bis dahin könnt ihr noch meinen Reisebericht übers Autofahren in Kuba lesen - ein Dauerbrenner auf meinem Blog - oder mehr darüber erfahren was für lustige Dinge mir auf einer Bus-Gruppenreise widerfahren sind.

Vielen Dank an Ariane von Heldenwetter.de für diese geniale Blogparaden-Idee.

Kommentare:

  1. Danke noch für deinen lieben Kommentar :) hab mich sehr darüber gefreut!
    Meine Lielingsmascara ist die bareMinerals Lash Domination Volumnizing Mascara, aber da gibt es auch günstigere alternativen, wie z.B. der essence False Lashes Mascara Dramatic Volume Unlimited :)
    Liebst, Colli
    vom beautyblog tobeyoutiful

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    1. Liebe Colli, vielen Dank für deine Empfehlungen. Grüße Myri

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  2. Haha, vor einigen Jahren hatte ich auch echt noch einen riesigen Respekt vor dem Autofahren, aber es ist mit der Erfahrung echt viel besser geworden! Cool, dass die Autofahrer auf Kuba so gelassen sind, das würde ich mir hier auch wünschen!

    Deine Gruppenreisengedanken verstehe ich auch. Eigentlich bin ich auch jemand, der eher ein bisschen herablassen über Gruppenreisen denkt... so unindividuell, so durchgeplant und man bekommt so wenig mit vom Lebensgefühl im jeweiligen Land. Aber andererseits kann es auch superlustig sein... und lieber eine lustige unindividuelle Gruppenreise als eine einsame Reise (damit meine ich nicht unbedingt alleine, sondern emotional einsam).

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