Sonntag, 10. März 2019

La Gomera Teil 1: Wandern im Hermigua Tal

Als in den Abendstunden das Sonnenlicht auf die grünen Berghänge fällt, taucht es die Landschaft in ein warmes, mystisches Licht. Wir fahren auf der engen serpentinenreichen Straße nach Hermigua im Norden La Gomeras und werden bereits von der Besitzerin erwartet, die uns unsere Finca zeigt. Von der Terrasse aus haben wir eine grandiose Aussicht über das gesamte Tal, sehen sogar bis zum Strand mit der schäumenden Brandung. 

Blick auf den Strand des Hermigua Tals


Bereits auf den ersten Blick waren wir uns sicher: La Gomera ist um einiges grüner als die Nachbarinsel La Palma, die wir 2018 bereist haben. Nach dem ersten Einkauf im Spar setzen wir uns mit einem großen Eisbecher auf die Terrasse. Unsere Finca, die direkt neben einem Mirador Piedra Romana (Aussichtspunkt) in den Bergen liegt, hat einen eigenen kleinen Garten. Dort wachsen Bananen, Zitronen und Orangen. Aus der Ferne hören wir neben einem Hahn, auch Hühner, Ziegen und Hunde. Die Straßengeräusche sind nur vage zu vernehmen.

Nachts wird es im Februar noch recht kühl auf der Insel, sodass ich die 2. Decke aus dem Schrank holen musste. Nach der ersten Nacht fielen die hellen Sonnenstrahlen in unser Schlafzimmer und weckten mich. Ich nutze diese Gelegenheit, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Als es die Sonne über den Bergrücken geschaffte hatte, wurde es auch deutlich wärmer. Gegen 10 Uhr wurde es richtig heiß. Das lag auch an dem Saharawind, der über die Insel fegte. Die Landschaft sah dadurch leider auch diesig und verschwommen aus. Man fühlte richtig, dass Sand in der Luft lag.

Terrassenfelder im Hermigua Tal

Das Hermigua Tal - Beliebt bei Wanderern


Hermigua ist eine Streusiedlung (18 winzige Ortsteile) mit der größten und wasserreichsten Schlucht auf der Insel. Der Cedro-Bach und der Nordostpassatwind machen das Tal fruchtbar und sorgen für ein mildes Klima. Auf der Insel gibt es verschiedene Klimazonen: Der Norden (Hermigua) ist feuchter als der trockene Süden, wo das Saharaklima bis zu 40°C inkl. Sandsturm Calima bescheren kann. Das Wasser wird im Hermigua Tal in drei Stauseen angesammelt. Zur Zeit gibt es auf La Gomera ausreichend Wasser, da nur noch 10.000 Einwohner auf der Insel leben. Bei über 30.000 Einwohnern und einer Monokultur sah dies einmal anders aus. Heute sieht man überall an den Hängen kleine Bananenplantagen in Terrassenform wegen der knappen Anbauflächen.

Bei Wanderungen im Tal ist es wichtig sich vorab das Höhenprofil der geplanten Route anzusehen. Nicht selten hat der Wanderweg einen Anstieg von 25% (auf einem Kilometer entspricht dies 250 Höhenmetern).

Blick ins Hermigua Tal und der Straße zum Playa de La Caleta
 
Direkt neben unserer Ferienwohnung liegt der Mirador Piedra Romana. Vom Dorf aus kann man die steilen Gehwege zwischen den Häusern für einen Aufstieg nutzen (sehr anstrengend) oder man läuft die Straße hinauf. Ein kurzer Spaziergang zwischen den Terrassenfeldern bietet sich geradezu an. Da wir an unserem ersten Nachmittag noch eine kurze Wanderung machen wollten, fuhren wir zum Mirador San Juan. Von dort aus hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf das Tal. Ab diesem Mirador bieten sich mehrere längere Wanderungen an. Auf dem Rückweg hielten wir beim Mirador Cruz del Viento an. Die steile Anfahrt wird durch einen wunderschönen Ausblick und einem netten Grillplatz entschädigt. Vom Mirador de La Punta (auf der GM-1, km 21) hat man einen perfekten Ausblick auf den schwarzen Lavasandstrand Playa de Santa Catalina und die Betonpfeiler der ehemaligen Bananenverladestation am Ende der Küstenstraße. Dieser Mirador hat auch eine Aufladestation für E-Autos.

Blick auf den Mirador San Juan

Wanderweg in Hermigua

Herrliche Aussicht auf das gesamte Hermigua Tal auf La Gomera

Grillplatz am Mirador Cruz del Viento

 

Unsere Wanderung zum Playa de Santa Catalina


Obwohl am Playa de Santa Catalina die Brandung zu stark ist, um im Atlantik zu baden, lohnt sich eine Wanderung zum Strand. Im Sommer kann das Meeresschwimmbecken (Piscina Natural El Pescante) bei den Betonpfeilern der ehemaligen Verladestation genutzt werden. Im Winter ist die Brandung zu gefährlich.

Wir starteten mit unserer Wanderung am Nachmittag gegen 13 Uhr und folgten unserem Handy Navi. Dieses führte uns auf Wege zwischen den Terrassenfeldern, die im Grunde steile Treppen sind oder entlang der Straße führen. Am Restaurante El Faro geht es die Treppe hinunter zu den Bananenplantagen. Eine Brücke führt letztendlich zum schwarzen Strand. Dort schlugen uns meterhohe Wellen entgegen und die Kamera wurde von der Gischt nass. Die Wellen, die am Ufer brachen, klangen wie lautes Donnergrollen. Ich traute mich nicht einmal nur einen Zeh ins Wasser zu halten.

Tipp: Wer nicht wie wir in der Mittagshitze zum Strand laufen möchte, kann mit dem Mietwagen bequem auf dem Parkplatz halten.

Am Beginn der Wanderung folgt man noch der Straße ...

 ... dann geht's aber auf steilen Wegen zwischen den Terrassenfeldern weiter.

Nach einer kleinen Verschnaufpause liefen wir weiter zur alten Verladestation, die wir bereits am Vortag vom Mirador de La Punta aus gesehen hatten. Ein Schild warnte uns vor Steinschlag und in der Tat lagen etliche große Brocken auf dem Weg. Gigantisch große Wellen schlugen auf dem Weg dorthin gegen die schwarzen Felsen. Das Wasser schimmerte in verschiedenen Blautönen und Sand, vermutlich aus der Sahara herrüber geweht, schwamm auf der unruhigen Wasseroberfläche. Bei dem Naturschwimmbecken El Pescante sind die Überreste der ehemaligen Hafenmole, die 1890 erbaut und 1907 vergrößert wurde, zu sehen. Auf den Säulen war ein Kran montiert, der u.a. die geernteten Bananen auf Schiffe verlud. Die See war zu unruhig, sodass die Schiffe nicht direkt anlegen konnten. Der Kran wurde nach dem Ausbau der Nordstraße GM-1 und dem Bau des Hafens in San Sébastian überflüssig und 1957 außer Betrieb genommen.
Während hier im Sommer Urlauber und Einheimische gemütlich am Wasser liegen, sich sonnen und baden gehen, besucht man diesen Ort in den Wintermonaten auf eigene Gefahr. Wer sich traut die Stufen hinabzusteigen, muss damit rechnen von einer größeren Welle nass gespritzt oder in den Atlantik gezogen zu werden. Wir kamen glücklicherweise mit trockenen Füßen wieder zurück. Obwohl es nicht ganz ungefährlich sein kann, lohnt sich dieser Ausflug. Es ist herrlich die Naturgewalten hautnah zu erleben.
 
Tipp: Alternativ mann man auch bis zur Nachbarbucht La Caleta wandern und darauf hoffen, dass dort die Brandung nicht ganz so stark ist. An der Kreuzung beim Parkplatz befindet sich eine Wanderkarte mit Hinweisen und weiteren möglichen Wandertouren.


Der Strand von Santa Catalina auf La Gomera

Die gefährliche Brandung am Strand von Santa Catalina

Im Vordergrund das Naturschwimmbecken und im Hintergrund die Überreste der alten Verladestation

Das überschwemmte Naturschwimmbecken El Pescante im Winter auf La Gomera

Restaurants und Einkaufen im Hermigua Tal


Für ein spätes Mittagessen kehrten wir im Restaurant El Faro ein. Wir setzten uns auf die Dachterrasse unter einem Sonnenschirm und genossen die herrliche Aussicht. Im Lokal werden zahlreiche Fischgerichte angeboten. Frischen Fisch gibt es ab 10 EUR. Zum Beispiel Thunfisch mit kanarischen Kartoffeln und Mojo. Tapas, wie ein spanisches Omlett, gibt es ab 3,50 EUR. Wir können das Joghurt-Dessert mit Palmenhonig und Bananen für 4 EUR empfehlen. Alkoholfreies Bier gibt es ab 1,50 EUR. Für 2 Personen haben wir zusammen 26 EUR bezahlt und waren mit dem Essen sehr zufrieden.

Für Fischliebhaber: Bar Restaurante El Faro

Wer zwischendurch einen Kaffee oder eine Kleinigkeit essen möchte, ist in der Bar Pedro gut aufgehoben. Ein Glas Wein kostet um die 1,20 EUR und kleine Speisen gibt es bereits ab 3 EUR.

Entlang der Hauptstraße gibt es ein paar Geschäfte, wie einen Floristen, der auch Valentinstagsgeschenke anbot und einen kleinen Bio Laden Biosfera, der neu eröffnet hatte. Der Inhaber des Bioladens heißt Kristof und kommt ursprünglich aus Polen. Er spricht aber sehr gut deutsch.  In seinem Geschäft gibt es neben frischem Obst, wie Avocados, Papayas und Bananen auch Tee, glutenfreies Brot und Brötchen. Er backt auch selbst glutenfreien und zuckerfreien Kuchen, den der stückweise verkauft.

Laurisilva - Florist in Hermigua

Bioladen in Hermigua

In der Nähe der Tankstelle befindet sich auch der SPAR. Nicht besonders groß, aber bis auf die Supermärkte in San Sébastian, die beste Möglichkeit auf der Insel einzukaufen. Der kleine Supermarkt hat die meisten Grundnahrungsmittel, bietet dazu noch frische Brötchen sowie eine Käse- und Fleischtheke an.

Von der Dorfmitte mit der Kirche und dem mit bunten Wimpeln geschmückten Dorfplatz ist es nicht weit zur Aloe Vera Farm am Kreisverkehr. Die deutschsprachige Verkäuferin ist selbst auf La Gomera aufgewachsen und erklärt mir, dass ihre Eltern Deutsche sind, die auf die Kanaren ausgewandert sind. Für unseren Sonnenbrand habe ich ein Fläschchen rein biologisches Aloe Vera (250 ml = 19 EUR) gekauft. Das Geschäft bietet auch kostenlose Führungen an.

Aloe Vera Farm in Hermigua

Dorfkirche in Hermigua

Tipp: Erkundigt euch vorab wie die Öffnungszeiten sind. In Hermigua haben etliche Geschäfte Siesta und machen erst zwischen 17-18 Uhr wieder auf. Der SPAR hat aber durchgehend geöffnet (Stand Feb. 2019).

Wann allerdings die Touristen Information geöffnet hat, kann ich euch nicht sagen. Immer wenn wir daran vorbeigefahren sind, war sie verschlossen und das zu sehr unterschiedlichen Tageszeiten. ;-)

Wenn ihr Fragen zum Hermigua Tal, La Gomera oder den Kanarischen Inseln 
allgemein habt, schreibt mir einfach ein Kommentar!
Gern beantworte ich eure Fragen.

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