Das Schloss Trebsen ist eines dieser Märchenschlösser, von denen wir träumen. Besonders im Advent, wenn eine dünne Schicht Puderschnee auf den Dächern liegt und die alten Mauern im warmen Licht der Stände und Feuerkörbe schimmern. Das Rittergut liegt an der Mulde, gute dreißig Autominuten von Leipzig entfernt, und bietet zu jeder Jahreszeit interessante Veranstaltungen.
| Schloss Trebsen im Advent: Die spätgotische Wasserburg an der Mulde liegt etwa dreißig Minuten von Leipzig entfernt. |
Das Schlösserland Sachsen hat viele prachtvolle alte Bauten zu bieten. Doch die spätgotische Wasserburg an der Mulde hat es mir besonders angetan. Rund ums Jahr finden hier verschiedene Veranstaltungen statt: die Highland Games im September, das Ritterturnier zu Pfingsten, die Whisky Messe oder der Adventsmarkt.
Advent auf Schloss Trebsen
Erstmalig haben wir das Schloss im Advent 2022 besucht.
Direkt hinter dem Schlosstor warten Gaukler, Stelzenläufer, Akrobaten und Feuerkünstler auf die Gäste. Zwischen den Ständen steigt der Duft von gebrannten Mandeln, Rauch und Gewürzen in die kalte Winterluft. Besucher stärken sich mit Speis und Trank und bleiben stehen, wenn die Funken der Feuershow durch die Dämmerung tanzen.
Gleich am Eingang holen wir uns erst einmal eine frisch gegrillte Bratwurst, während vor uns die Flammen der Feuershow in die kalte Abendluft steigen.
An den Ständen bieten regionale Unternehmen ihre Köstlichkeiten an, etwa Nerchauer Bier oder herzhafte Wurstwaren. Natürlich fehlt es auch nicht an süßen Speisen wie Crêpes und Kräppelchen. Für Kinder gibt es Mitmachwerkstätten, Puppenspieler und ein Märchensuchspiel, bei dem kleine Besucher neugierig durch die Anlage streifen.
Im Innenhof des Schlosses finden sich weitere Stände und Live Musik. Das Flair erinnert hier stark an die alten tschechischen Märchenfilme meiner Kindheit. Die schönste Stimmung entsteht bei Sonnenuntergang, wenn das schwächer werdende Tageslicht den Innenhof in ein warmes, goldenes Leuchten taucht.
Von hier gelangt man in das Schlossinnere. Dort bieten regionale Händler ihre Waren an: Bücher, Postkarten, Kräuter, Liköre, Holzwaren und Honigprodukte. Im oberen Geschoss spielen regionale Bands und Musiker abwechselnd. Von Rock über klassische Stücke bis hin zu Weihnachtsliedern ist alles dabei.
Wenn man durch die alten Räume geht, knarren die Holzdielen leise unter den Schritten. Durch die Fenster fällt das warme Licht des Innenhofes hinein und draußen klingt gedämpft die Musik des Marktes.
Pfingsten: Ritterturnier und mittelalterliches Markttreiben
Im darauffolgenden Jahr haben wir das Schloss zu Pfingsten während des Ritterturniers besucht.
Auf der Festwiese hinter dem Schloss bildet die Turnierarena das Herzstück des Spektakels. Den großen und kleinen Gästen werden hier Reitturniere geboten, bei denen man schon einmal den Atem anhält. Zwei Reiter galoppieren mit Holzlanzen aufeinander zu und im entscheidenden Moment splittert die Lanze mit einem lauten Krachen.
Die Reitkunst hat mich beeindruckt. Was für die Zuschauer leicht und spielerisch wirkt, erfordert sicher viel Training und Präzision.
Wenn die Pferde über den Rasen der Arena galoppieren, hört man das rhythmische Trommeln der Hufe über die gesamte Festwiese. Für einen kurzen Moment hält das Publikum den Atem an, bevor die Lanze trifft.
Die Turniere finden zu festen Zeiten statt. Beispielsweise am Samstag und Sonntag um 13 und 18 Uhr sowie am Pfingstmontag ab 15.30 Uhr.
Für die Kleinen gibt es Eselreiten und Gaukelei. Für die Großen gibt es kühles Bier in den Tavernenzelten auf der Festwiese. Natürlich bieten auch hier wieder verschiedene Zünfte ihre handgefertigten Produkte an und es gibt Live Musik.
Wir haben das schöne Frühlingswetter genutzt, um den Schlosspark zu erkunden. Anschließend sind wir entlang der Mulde um die Anlage spaziert. Zwischen alten Bäumen und den ruhigen Windungen des Flusses wirkt das Schloss noch einmal ganz anders. Still, fast verträumt.
Historischer Abriss
Keramikscherbenfunde lassen vermuten, dass das Areal bereits im 9. Jahrhundert besiedelt war. Die Wasserburg selbst stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert.
In den folgenden Jahrhunderten erlebt die Gegend einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Burg wechselt mehrfach den Besitzer. Anfang des 16. Jahrhunderts erhält die Anlage ihr markantes Aussehen. Der spätgotische Staffelgiebel entsteht ebenso wie das Zellen- und Diamantgewölbe im Erdgeschoss. Die vielfach gebrochenen Wabendecken gehören zu den baulichen Meisterleistungen jener Zeit und werden weit über die Landesgrenzen hinaus bewundert.
1736 erwirbt ein Hamburger Kaufmann das Anwesen. Er lässt unter anderem eine englische Parklandschaft anlegen, die teilweise bis heute erhalten ist.
Über die Jahrhunderte folgen zahlreiche Besitzerwechsel, Umbauten und neue Nutzungen. Im 20. Jahrhundert erleidet das Schloss schwere Schäden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfallen der West- und der Nordflügel. Teile des Gebäudes werden zeitweise als Wohnraum, Kindergarten oder Feuerwehrhaus genutzt.
Nach der Wende befindet sich das Schloss in einem sehr schlechten Zustand. Ein Förderverein gründet sich jedoch und beginnt mit der Restaurierung der Anlage. Gleichzeitig setzt er sich für den Erhalt traditioneller Handwerkskunst ein.
2010 wechselt das Schloss in Privatbesitz und wird weiter saniert. Seit 2012 ist die Anlage wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Ein Ort, der mit den Jahreszeiten lebt
Langsam erwacht im Schlosspark jedes Jahr wieder neues Leben. Die ersten Blätter treiben aus, Blumen blühen zwischen den alten Bäumen und der Blick auf die Mulde wirkt fast idyllisch.
Wenn man am Fluss entlangläuft, hört man nur das Rascheln der Blätter und das leise Fließen der Mulde. Hinter den Bäumen ragt das Schloss auf und wirkt für einen Moment wie aus einer anderen Zeit.
Wir freuen uns deshalb schon darauf, das Schloss im Frühjahr erneut zu besuchen, diesmal zum Pflanzen- und Spezialitätenmarkt im April.
Ein Besuch des Schlosses ist für uns inzwischen zu einem liebgewonnenen Wochenendausflug geworden. Die Atmosphäre ist festlich und gleichzeitig entspannt. Es gibt gutes Essen, sehr gute Musik und ein stimmungsvolles Ambiente. Das Unterhaltungsprogramm wirkt angenehm unaufgeregt und die Stände sind sorgfältig ausgewählt. Handwerkskunst und regionale Spezialitäten bilden eine schöne Mischung.
Weitere Informationen findet ihr auf der Homepage: Schloss Trebsen
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| Schloss Trebsen gehört zu den schönsten historischen Anlagen im Umland von Leipzig. |

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