Freitag, 31. Oktober 2014

Halloween-Special: Deutschlands bekanntester Spukforscher packt aus und eine schön schaurige Stadtführung - plus Bonus: Fotoprojekt: FJDI #3 - Halloween

Stadtbad Leipzig

Halloween ist doch was für kleine Kinder, oder? Verkleiden, Kürbisse schnitzen, Süßes oder Saures krakeelen und Schuhcreme unter die Türklinke jener Nachbarn schmieren, die ihre Türen nicht öffnen wollten. Ich möchte dennoch Halloween nicht verstreichen lassen ohne auf meinem Blog dieses Thema auf meine Weise aufzugreifen. Und so habe ich mir drei Dinge überlegt, die auch Menschen interessieren, die mit Halloween genauso wenig am Hut haben wie ich. Ich stelle euch als erstes das Buch eines Spukforschers vor, nehme euch danach auf eine schaurige nächtliche Stadtführung durch Leipzig mit und entführe euch schlussendlich nach Mitternacht in den dunklen Wald.

Das Buch "Die Geister, die mich riefen" liegt schon länger in meinem Bücherregal und passt perfekt zum heutigen Thema. Denn darin erzählt Walter von Lucadou, Deutschlands bekanntester Spukforscher, von seiner täglichen Arbeit, die so rein gar nichts mit "Ghost Busters" zu tun hat.







Bildquelle: http://www.luebbe.de/Presse/Downloads/


1. Teil: Buchtipp

Nach vielen Jahren, in denen er sich wissenschaftlich mit parapsychologischen Erlebnissen beschäftigt hat, gründete er 1989 die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg. Und seit dem wird er mit Briefen, E-Mails, Besuchen und Anrufen von Menschen überhäuft, die Dinge erlebt haben, die sie sich nicht erklären können. In Walter von Lucadou bekommen diese Menschen einen kompetenten Ansprechpartner, der sie vorallem ernst nimmt und sie nicht für verrückt hält. In seinem Buch erzählt er die Erlebnisse dieser Menschen und gibt Erklärungsansätze. Nebenbei erfährt der Leser viel über Herrn Lucadou selbst. Er hat jeweils in Physik und Psychologie promoviert. 

"Mein ganzes Leben scheint, rüchwirkend betrachtet, mit der Frage zu tun zu haben, wie Psyche und Physik zusammenhängen." (S.35) Interview auf youtube



Für viele ist er die letzte Hoffnung, die letzte Instanz vor der Einweisung in eine psychiatrische Anstalt. Sie erzählen ihm, dass sie glauben verstorbene Verwandte würden wieder in ihr Leben treten und sich nachts auf ihr Bett setzen oder sie sehen menschenliche Schatten an ihrer Zimmerwand. Andere wiederum berichten beispielsweise von Steinen, die durchs Zimmer fliegen oder von nächtlichen Schreien. 

Für viele dieser Erscheinungen mag es plausible Erklärungen geben. Unser Gehirn vermag in Ausnahmesituationen tief in unserem Erfahrungsgut zu graben und Unerklärliches zu Erlebnissen zu formen.
"Paranormale Phänomene sind aus meiner Sicht ganz klar Hilfestellungen des Unterbewusstseins. Es gibt solche Erlebnisse, weil sie uns auf Probleme hinweisen oder uns helfen, Probleme zu lösen." (S.128)


Stadtbad Leipzig
Zwei Erklärungen kommen immer wieder vor und das sind der "hypnagoger Zustand" und die selektive Wahrnehmung". Bei dem hypnagogen Zustand handelt es sich um einen Bewusstseinszustand zwischen Wachsein und Traum. Dieser Zustand tritt oft kurz vor dem Einschlafen auf. Dann können bei geschlossenen Augen Bilder gesehen, Geräusche und taktile Empfindungen wahrgenommen werden. Hier können unscharfe Gebilde, wie Schatten von Menschen, genauso wie Rauschen, unklare Stimmen oder sogar Fallgefühle auftauchen.

Die selektive Wahrnehmung ist ein Begriff aus der Wahrnehmungspsychologie. "Wenn jemand auf ein bestimmtes Thema fixiert ist, erkennt er in seinem Leben selektiv all jene Dinge, die in ein bestimmtes Muster passen." (S. 130) Normale Gebrauchsspuren an Türen und Fenstern können da rasch zu gruseligen Kratzspuren aus dem Jenseits werden.

Meistens helfen diese Erklärungen bereits. Sie versuchen das Erlebte in einen klar denfinierten Kontext einzuordnen, aber niemand kennt die 100%ige Wahrheit hinter diesen Erlebnissen. Eines ist jedoch besonders wichtig:


"Wenn es den Betroffenen möglich ist, etwas Positives mit den Wahrnehmungen zu verknüpfen, gehe ich nicht mit dem Flammenschwert dazwischen und löse diese positive Interpretation auf." (S. 133)

Geistererscheinungen gehen mit Einsamkeit einher. Oft berichten Witwen, dass sie die Gegenwart ihrer verstorbenen Ehemänner noch allgegenwärtig spüren können. Wenn dies mit positiven Gefühlen verknüpft ist, spricht nichts dagegen, an dieser Darstellung festzuhalten. Vielleicht sind Geister einfach nur unvollendete Aufgaben oder Schuldgefühle, die wir gegenüber den Verstorbenen haben.

Das Buch kann nicht abschließend die Frage klären, ob es Spuk und Besuche aus dem Jenseits wirklich gibt, ganz einfach, weil es niemand zu 100% wissen kann. Es tut aber gut, dass sich jemand diesem Thema angenommen hat, der klar und verständlich den Menschen Lösungsansätze bieten kann und ihnen zeigt, dass sie nicht verrückt sind, sondern dass unser Gehirn viel mehr arbeitet, als wir annehmen würden.


Mein Fazit:
Dieses Buch schafft es leicht den Leser in seinem Bann zu ziehen. Ich lese es vornehmlich morgens und abends in der Straßenbahn und habe einige Male meine Haltestelle verpasst, weil ich so ins Buch vertieft war. Die Erlebnisse der Menschen lassen einem mitunter das Blut in den Adern gefrieren und die Erklärungen sind spannender als jeder Krimi. Das Buch beschreibt das Lebenswerk eines Wissenschaftlers, der für sein Fach lebt und ist absolut lesenswert.



Mitte des Leipziger Marktplatzes



 2. Teil:  Die Gruseltour- Leipzig

Am vergangenen Sonntag habe ich in Leipzig die "Gruseltour" durch die Innenstadt zu den dunkelsten Orten und ihren verborgenen Geheimnissen mitgemacht.

Der Start war vor dem Augusteum, wo wir sofort in die Geschichte der sächsichen Hexenverfolgung eingeweiht wurden, dann gingen zu einem hübschen Hotel unweit des Bahnhofs, wo vor vielen Hundert Jahren ein wahrlich schauriges Haus stand: Das Georgenhospital. Es beherbergte eine Zeit lang Geisteskanke, Waisen, Sträflinge und Obdachlose. Bei Bauarbeiten entdeckte man um dieses Haus herum einige Massengräber. Wir wünschen den Hotelgästen gedanklich eine geruhsame Nacht und gehen weiter. Unterwegs hören wir weitere gruselige Geschichten, von okkulten Praktiken, von Totengräbern, die mit dem Teufel im Bunde waren und von Katzen als Wunderheilmittel.





Und dann stehen wir vor dem Marktplatz. Unsere Tourführerin warnt mich davor, bis in die Mitte des Marktplatzes zu gehen, bringt es doch Unglück darüber zu schreiten. Es gab einmal Zeiten in unserer schönen Stadt, da waren öffentliche Hinrichtungen Massenereignisse. Die letzte fand am 27. August 1824 genau in der Mitte dieses Marktplatzes statt. Es war die Vollstreckung des Todesurteils an Johann Christian Woyzeck, der eine Frau umgebracht haben soll.

Schließlich ist die Tour nach 10 bis 15 gruseligen Orten vorbei und ich stehe allein im Barfußgässchen, in meiner Nase ein Hauch von Schwefel. 

Mein Fazit:
Nichts für schwache Nerven. Die Gründerin der Grusel-Tour Leipzig hat mehrere Monate recheriert und all diese schaurigen Geschichten in und um Leipzig zusammengetragen und daher werde ich mich auch davor hüten viel mehr preis zu geben. Herausgekommen ist jedenfalls ein anderes Bild von Leipzig, fernab von den schönen rosaroten Touristengeschichten, die bei Sonnenlicht erzählt werden. Wer also gerne ausschläft und nicht im roten Doppeldeckerbus durch die Stadt kutschiert werden möchte, der sollte sich für die Grusel-Tour anmelden, die freitags bis sonntags jeweils um 20.30 Uhr startet. Anmeldung hier.


An welcher Kirche in Leipzig hängt ein heidnisches Symbol und was steckt dahinter?

3. Teil: Nächtlicher Spaziergang - Fotoprojekt: FJDI #3 - Halloween

Was könnte gruseliger sein und besser zu Halloween passen, als nachts durch einen Wald oder dunklen Park zu gehen. Gestern Abend sind wir durch einen fast menschenleeren Teil des Clara-Parks gelaufen. Der Boden war matschig, wir wussten stellenweise nicht so genau, wo wir waren und in der Ferne vernahmen wir Schreie, kurze Zeit später fuhren spärlich beleuchtete Fahrräder an uns vorbei.


Licht am Ende des Tunnels

Die Lichtung
Spinnweben

Auf dem Rückweg habe ich auf der Könneritzbrücke dieses schöne Foto von den dortigen Spinnweben gemacht. Und da es gerade leicht genieselt hat, sieht man die Regentropfen als lange weiße Striche.

Mit meinen schwarz-weiß Fotos vom Stadtbad ganz oben und mit den dreien vom gestrigen Spaziergang möchte ich auch am FJDI #3 - Halloween - Fotoprojekt von http://www.bjoerklunda.de teilnehmen. Für mich gehört zu Halloween auch ein schaurig-schöner Spaziergang, aber vorallem Bilder von gruseligen Orten, die meiner Meinung nach am besten in schwarz-weiß zur Geltung kommen. Was meint ihr?

Euer Feedback?
Jetzt ist es wieder länger geworden, als ich ursprünglich wollte. War denn wenigstens für jeden von euch was interessantes dabei? Gefällt den Leseratten unter euch mein Buchtipp? Was meinen die Reiselustigen: Würdet ihr bei der Grusel-Tour mitmachen? Und was sagt ihr zu meinen Fotos? Wie macht ihr Gruseliges auf einem Foto erlebbar?

Kommentare:

  1. Sehr interessant und unterhaltsam der Bericht..das Buch ist bereits geordert und nach Empfehlung verschenkt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich. :) Der Beschenkte wird sich bestimmt riesig freuen - das ist ein tolles Buch. LG Myriam

      Löschen
  2. Liebe Myriam,

    Danke für den Tipp :-) Das Buch ist schon auf meiner Wunschliste!

    Du hast wirklich gruselige Fotos gemacht! Ich muss sagen, dass ich vor ein paar Jahren nie bei Dunkelheit und dann noch alleine Angst hatten. Das hat sich aber inzwischen etwas geändert. Zwar keine richtige Angst, aber doch Respekt. Alleine würde ich jedenfalls nie durch einen Park laufen.

    So eine Grusel-Tour mitzumachen könnte ich mir dennoch vorstellen. Da bin ich ja nicht alleine ;-) Ich meine, dass es sowas in Köln auch gibt.

    Liebe Grüße
    Sarah

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Buch wird dir bestimmt gefallen. Wunschliste - heißt das, dass es unterm Weihnachtsbaum auf dich warten wird? :) In Köln gibts bestimmt auch solche Touren - ansonsten stelle ich es mir schon gruselig vor nachts in den Dom zu gehen. Kann man nicht auch in den Domkeller? LG Myriam

      Löschen
  3. Hallo Myriam,

    ich würde nicht nur, ich habe schon an einer Gruselführung teilgenommen, hier in Nürnberg gibt es verschiedene Geisterwege und ich habe die "Nürnbergs böse Nachtgeschichten" gemacht und es war richtig klasse!

    Liebe Grüße

    fantasylife

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi, das klingt spannend und zugleich angsteinflößend. Nürnberg ist auch eine tolle Stadt, ich will noch mal auf die Burg, die soll echt toll sein und man hat dann einen hervorragenden Blick auf die Stadt. LG Myriam

      Löschen