Donnerstag, 15. Februar 2018

La Palma Teil 1: Wandern im Winter*

Wie im letzten Jahr wollten wir der winterlichen Tristesse in Deutschland für 2 Wochen entfliehen und auf die Kanaren fliegen. Diesmal hatten wir uns für La Palma entschieden. Nach Lanzarote und Teneriffa in 2016 sowie Furteventura und Gran Canaria in 2017 ist die "Isla Bonita" nun bereits unsere 5. Hauptinsel auf dem kanarischen Archipel. Letztes Jahr waren wir Ende Januar auf Fuerteventura und hatten dort tolles warmes Wetter vorgefunden. Jedoch kam es in diesem Jahr Ende Januar zu einem Wintereinbruch auf den drei höchsten Inseln der Kanaren: Teneriffa, Gran Canaria und La Palma. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf unsere geplanten Wanderungen, die wir teilweise aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht machen konnten.

La Palma - Wandern im Winter um die Caldera Taburiente

Hinweis: Der im Beitrag vorgestellte Rother-Wanderführer wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar überlassen.

Die Kanaren im Winter-Chaos


Sowohl die Straßen zum Pico de los Nieves auf Gran Canaria als auch die Zufahrtsstraßen zum Teide-Nationalpark wurden aufgrund des Wetter gesperrt. Für die höheren Lagen auf La Palma wurde der gelbe Wetteralarm wegen Schneefall verlängert. Konkret bedeutete das für uns, dass wir nicht auf den höchsten Berg, den Roque de los Muchachos, auf La Palma konnten. Der Gipfel ermöglicht bei gutem Wetter eine herrliche Sicht auf einen der größten Erosionskrater der Welt - der Caldera de Taburiente, die das Herzstück der Insel bildet. An unserem zweiten Tag auf der Insel versuchten wir trotzdem soweit wie möglich in Richtung Gipfel zu fahren, mussten aber nach wenigen Kilometern umdrehen, da ein Starkregen mit Hagelschauer niederging, Nebel aufzog und teilweise große Steinsbrocken von den Berghängen am Straßenrand auf die Fahrbahn fielen. Am Sonntag, den wettertechnisch besten Tag unserer Reise, starteten wir einen 2. Versuch und kamen immerhin bis zum Mirador Los Andenes (ca. auf 2300 Höhenmetern, bei 5°C).

Auf zum Roque de los Muchachos!


Zwar war der Weg noch immer offiziell bei etwa 1300 Höhenmetern geschlossen (span.: cerrado), aber etliche Einheimische und andere Touristen fuhren trotzdem weiter. Basti fragte bei einem Autofahrer, der von oben kam, nach und erfuhr, dass die Strecke bis zum Observatorium auf alle Fälle nicht vereist war. Also fuhren wir weiter. Anfangs war ich damit gar nicht glücklich. War doch die Strecke offiziell gesperrt. Aber je mehr Autos uns entgegen kamen und je mehr Schneemänner und Schneeballschlachen ich sah, desto ruhiger wurde ich. Die Straße war besser geräumt als teilweise in Leipzig. Schnee war nur am Straßenrand und in den Bergen zu sehen. Aus einer Seitenstraße, in der wir geparkt hatten, kamen plötzlich - wie aus dem Nichts - Monster-Pick-ups und Cross Motorräder geschossen und fuhren auf die Hauptstraße. Vermutlich hatten sie gerade ein großartiges Offroad Erlebnis. Wir fuhren mit unseren abgefahrenen Sommerreifen nicht weiter, stiegen aber aus und machten ein paar Fotos.

Unsere geplante Wanderung (Nr. 66 im Rother Wanderführer) vom Aussichtspunkt zum Gipfel des Roque de los Muchachsos und zurück konnten wir nicht machen, da es uns zu gefährlich war. Zwar war es laut Wanderführer eine "leichte, gemütliche Wanderung", aber sie erforderte in dieser Höhe Trittsicherheit und zusätzlich war am Startpunkt der Strecke ein Warnsculd angebracht: "Ausrutsch- und Absturzgefahr wegen Schnee und Eis". Das war uns dann doch zu riskant. Schließlich wussten wir nicht wie die Strecke wirklich aussah und als ungeübte Schönwetterwanderer wollten wir kein unnötiges Risiko eingehen. Wie ich später im Internet las, mussten auf den beiden anderen Inseln Touristen von den Behörden gerettet werden, die das winterliche Wetter beim Wandern unterschätzt hatten. Aber bei besseren Wetterverhältnissen ist das eine wunderschöne Wandertour (ca. 7 km, 500 Höhenmeter, 3 Stunden Gehzeit) und wir hoffen, dass wir dazu noch einmal die Gelegenheit bekommen werden.

Tipp: Auf dem Rückweg sieht man erst, dass man von den Bergen aus bis auf den Hafen von Santa Cruz de La Palma schauen kann. Daher lohnt es sich anzuhalten, die Aussicht zu genießen und Fotos zu knipsen.

La Palma im Winter: Entlang der Straße LP-4 - am Mirador Los Andenes

Start der Caldera-Wanderung

Schneemann auf La Palma im Februar 2018

Von der Hauptstraße LP-4 hat man eine Sicht bis auf den Hafen von Santa Cruz de la Palma

 

Rundtour in der südlichen Vulkanlandschaft


Am Tag zuvor hatten wir uns für eine Vulkanwanderung im Süden entschieden, da wir hoffen, dass dort das Wetter besser sei. In diesem Teil der Insel, der Cumbre Vieja, gibt es auf einer Länge von 14 Kilometern 120 Vulkane! Darunter befinden sich sowohl aktive als auch ausgebrochene Vulkankrater. Durch diesen Gebirgszug führen verschiedene Wanderwege, u.a die Ruta de los Volcanes, die zu einem der schönsten Routen auf den Kanaren zählt. Die gigantischen Lavaströme der verschiedenen Vulkane reichen bis zur Küste und das charakteristische Bild der Lava blieb über die Jahre erhalten. Der größte erstarrte Lavafluss stammt von dem 1949 ausgebrochenen Vulkan San Juan. Dessen Lava ergoss sich bis zum kleinen Dorf Puerto Naos, der heute einen der schönsten schwarzen Strände der Insel hat. Fast ganz im Süden befindet sich auch der Vulkankegel des Teneguías, der erst 1971 ausgebrochen ist und den wir uns daher anschauen wollten.

Wir entschieden uns für die Wanderung Nr. 51 aus unserem Rother Wanderführer für La Palma, weil sie uns machbar erschien und es die Möglichkeit gibt die Tour auf drei Stunden abzukürzen. Als wir beim Besucherzentrum aus dem Auto stiegen, fiel uns bereits der starke Wind auf. Der Parkplatz war fast leer und der schmale Weg zur Aussichtsplattform auf dem Volcán San Antonio war durch eine Kette gesperrt. Es war zu stürmisch. Da aber etliche andere Touristen die Sperre ignorierten, taten wir es ihnen gleich und stiegen auch darüber. Wir hielten uns an dem Kettengeländer, der um die Caldera führte fest, weil der Wind so stark gegen unsere Körper presste. Ich war schlagartig hellwach und ging bei starken Böen in die Knie, um nicht die komplette Wucht abzubekommen. Der Vulkan liegt ungefähr 700m über dem Meeresspiegel und wir hatten eine schöne Aussicht auf das Lavafeld und das Meer. Nach einem kurzen und stürmischen Fotostopp machten wir uns auf den Weg zum Volcán Teneguía. Da dieser auf nur etwa 400 Höhenmeter liegt, ging es mit Schuss den Vulkan hinunter. Obwohl der Weg steil war, konnten wir gut laufen. Nach einigen Metern um den San Antonio-Vulkan schlugen wir einen quer-Feld-ein-Weg ein und kürzten etwas ab. Nun liefen wir auf dem jüngsten Lavafeld der Insel.  Der Vulkan brach 1971 aus. Die Brocken waren noch nicht von Wind und Wetter abgeschliffen und waren dementsprechend spitz. Die karge Landschaft erinnerte mich an den Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote. Wir stiegen nicht ganz auf den höchsten Punkt des Kraters, da uns orkanartige Böen ins Geschicht schlugen und der Weg nicht gesicht und sehr schwierig war. Ein schwarzer Vogel verharrte in der Luft, weil er gegen den Sturm nicht anfliegen konnte. Außer uns war er das einzige Anzeichen von Leben da oben. Nach einer kurzen Mittagspause machten wir uns auf den Rückweg. Der Wind war erbarmungslos und zusätzlich fing es noch an zu regnen. Ich zog meine Kapuze ins Geschicht und lief leicht gebeugt weiter. Bald kamen wir zu verdörrten Weinstöcken und liefen erst gemählich, dann mit zunehmender Anstrengung den Berg wieder hinauf. Immer wieder hielten wir inne und blickten uns um. Der Blick aufs Meer war wunderschön. Von der Anstrengung nass geschwitzt und schlecht gelaunt, war ich froh nach 3,5 Stunden endlich wieder im warmen, trockenen Auto zu sitzen. Ich hatte die Sorge mich zu erkälten, hatte aber Glück, dass das nicht passierte. Auf dem Weg nach Santa Cruz sahen wir einen wunderschönen Regenbogen.
Es war für mich eine besondere Erfahrung dort den starken Naturgewalten so ausgeliefert zu sein. Aufgrund des schlechten Wetters reichte uns tatsächlich diese abgekürzte Wanderung, wo wir nur 300 Höhenmeter überwinden mussten. Auf dem Weg zum Leuchtturm von Fuencaliente hätten wir über 650 Hm. zurücklegen müssen und dafür reichte wahrscheinlich unsere Kondition bei diesen Witterungsbedingungen nicht. Mit der Beschreibung aus dem Wanderführer konnten wir uns gut vorbereiten, vorallem die Warnung, dass der Teneguía Vulkan bei Sturm gefährlich sei, stimmt auf alle Fälle.

Information: Das Parken auf dem Gelände vom Visitor Centre ist kostenpflichtig (5 EUR), dafür ist der Besuch des Besucherzentrums inkludiert. Dort gibt es neben sanitären Einrichtungen auch ein kleines Café (Cappuccino 1,80 EUR) und einen Simulator, der zeigt wie die Erde vibriert, wenn ein Vulkanausbruch bevorsteht. Im Café werden auch Postkarten verkauft. Briefmarken gibt es nur vom privaten Anbieter Swiss Post. Davon würde ich abraten und die Marken der Staatspost kaufen, denn die von Swiss Post kommen meinst nicht an.


Blick in die wieder bewachsene Caldera des Volcán San Antonio

Weg auf dem Calderarand des San Antonios auf La Palma

Blick auf den Volcán Teneguia

Wanderweg am Anfang der Strecke

Weg zum Gipfel des Volcán Teneguia

Rückweg mit Blick auf den Atlantik - endlich war der Regen vorbei

Zum Abschluss der Wanderung wurden wir mit dieser Aussicht belohnt.


Spaziergang im Parpue Nacional Caldera de Taburiente


Da am oberen Rand der Caldera noch immer Schnee lag und uns eine Wanderung als nicht sicher erschien, wollten wir zum Aussichtspunkt La Cumbrecita im Süden der Caldera. Da dort nur Platz für 20 Fahrzeuge ist, muss man entweder vorab einen Passierschein online/ direkt im Besucherzentrum erbitten (kostenlos) oder ein Taxi nehmen oder den ganzen Weg hochlaufen. Wir hatten Glück und bekamen 2 Tage vorher in der Nationalparkverwaltung (am Beginn der LP-302) einen Passierschein. Vom Parkplatz führt ein Rundweg von 3,5 km (Dauer 1 h 15 Minuten inkl. Fotostopps) zu zwei weiteren Miradors. Diese Wanderung ist auch im Rother Wanderführer als blaue Tour beschrieben (Nr. 61). Mit blau sind die einfachsten Touren beschrieben, diese erfordern nur ein bisschen Trittsicherheit. Unser Blick schweifte immer wieder zum Inneren der Caldera, obwohl wir auf den Weg unter uns schauen mussten, um nicht über die mächtigen Wurzeln der kanarischen Kiefer zu stolpern und abzustürzen. Die kanarische Kiefer hat sich optimal an die Vulkanausbrüche und Waldbrände angepasst. Die Rinde wird bis zu 15 cm dick und kann Feuer überleben. Die meisten Stämme waren schwarz und strich man über die raue Rinde, bekam man ganz schwarze, rußige Hände. Den Nadeln sah man das Feuer nicht an, sie strahlten in einem hellen, aber satten Grün. Am Mirador de Los Roques bekamen wir einen tollen Blick in die Caldera. Der Weg dorthin war super ausgebaut, nur etwas steil. Am 3. Aussichtspunkt Mirador de Las Chozas waren Mitarbeiter des Nationalparks am Werke und bauten eine größere Aussichtsplattform. Auf dem Rückweg zum Auto kamen wir an vielen interessanten Hinweistafeln vorbei. Außerdem startet hier auch die schwarze Wanderung Nr. 60 aus dem Rother Wanderführer, die über den Mirador de La Cancelita bis nach nach Los Llanos führt. Als wir wieder unten am Besucherzentrum des Nationalparks ankamen, liefen wir noch durch den botanischen Garten und ich fotografierte die zart rosa blühenden Mandelbäumchen, die auf La Palma von Januar bis Februar überall blühen.

Information: Die wohl einfachste und zugleich schönste Wanderung mit Blick in die gewaltige Caldera. Trotzdem sollte man sich vorab am Infohäuschen über die Wetterbedingungen informieren.

Mirador de Los Roques

Blick in die Caldera Taburiente auf  La Palma

Mirador de Las Chozas

Kanarische Kiefer

Kanarische Kiefer mit verkohltem Stamm
verkohlte Rinde einer kanarischen Rinde


Mandelblüte im Februar auf La Palma


Buchempfehlung: 
La Palma - Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen 69 Touren von Klaus und Annette Wolfsperger

Zum ersten Mal haben wir einen Rother Wanderführer* für unsere Tourenplanung genutzt. Ohne den Wanderführer La Palma hätten wir gar nicht gewusst welche Wanderwege es überhaupt auf La Palma gibt. Die Insel ist die zweit höchste und dementsprechend sind die Wanderungen aufgrund der vielen Höhenmeter auch sehr anstrengend. Nach gescheiterten Versuchen rote Touren abzuwandern, habe ich mich später nur noch auf die leichteren blauen Strecken konzentriert. 300-400 Höhenmeter waren für uns ausreichend. Der Wanderführer hat aber Strecken im Angebot, wo man weit über 1000 Höhenmeter zurücklegt. Daher ist das Buch sowohl für Anfänger, die nur blaue Touren oder halbe rote Strecken wandern möchten als auch für Profis, die ein Abenteuer suchen, geeignet. Jede Tour ist detailiert beschrieben und man erfährt den Ausgangspunkt, den Höhenunterschied inkl. Höhenprofil, die Anforderungen, oft unterschiedliche Varianten sowie Kombinationsmöglichkeiten und Einkehrmöglichkeiten. Wichtig sind auch die Tipps und Gefahrhinweise. Im Buch stehen auch die Zugangsdaten, um sich die GPS-Daten für alle Wanderungen herunterzuladen. Das hat prima geklappt. Basti hat einfach die Tour, die wir wandern wollten in seinem Handy-Navi aufgerufen und wir sind von GPS-Punkt zu GPS-Punkt gegangen. Nach ein paar Tagen stiegen wir auch dahinter was mit speziellen Wörtern wie Trittsicherheit oder gemütliche Wanderung wirklich gemeint ist und konnten dann besser die Touren abschätzen. Daher fielen viele für uns weg, die aufgrund des Wintereinbruchs zu gefährlich gewesen wären. Hervorzuheben sind auch die vielen authentischen Fotos der Autoren. Erstaunlich ist auch, dass der Wanderführer trotz 2-wöchiger intensiver Nutzung kaum Gebrauchsspuren aufweist.
Für La Palma kann ich den Rother Wanderführer auf jeden Fall empfehlen.

ISBN: 978-3-7633-4246-4
Preis: 14,90 EUR [D] 15,40 EUR [AT]



* Ich erhielt den Rother Wanderführer vom Verlag als Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Das sind mal wieder wunderschöne Eindrücke.
    Ich möchte auch alle kanarischen Inseln erkunden und weiß schon, wo ich mich in Vorbereitung darauf informiere. ;-)
    Danke für die ausführlichen Erläuterungen.
    Liebe Grüße von Heike

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    1. Liebe Heike,
      vielen Dank für deine Worte. Plant ihr schon konkret eine Reise?
      LG Myriam

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