Mittwoch, 31. Oktober 2018

Mexiko Teil 3: Izamal - Die Gelbe Stadt*

Auf halber Strecke zwischen Chichén Itzá und Mérida liegt das kolonialzeitliche Städtchen Izamal. Wegen der Vielzahl seiner gelb getünchten Fassaden wird es auch die Gelbe Stadt (Spanisch: La Ciudad Amarilla) genannt. Wir haben den Ort auf unserer Fahrt zur Hacienda Satuta de Peón besucht und wurden nach der anfänglichen Fahrt durch ein hässliches Einbahnstraßen Wirrwarr positiv von der Altstadt überrascht.

Izamal - die gelbe Stadt



Reiseführer widmen dem Ort meist eine Doppelseite und heben ihren kolonialzeitlichen Charme hervor. Aber man erfährt auch von der einstigen Bedeutung für die Mayas. Für sie war Izamal ein Zentrum der Verehrung für den obersten Maya Gott Itzamnás und den Sonnengott Kinich-Kakmó.  Die Pyramide, die dem zuletzt genannen gewidmet wurde, steht noch heute im Stadtzentrum. Die anderen Pyramiden und Tempel - es waren ein gutes Dutzend - wurden fast alle von den Spaniern zerstört. Während der Kolonialzeit durften die katholischen Missionare dieses religiöse Maya-Zentrum nicht intakt lassen und so taten sie, was gewaltsame Eroberer immer tun: Sie zerstörten die Heiligen Stätten und Pyramiden und bauten von 1533 bis 1561 aus den Steinen das Franziskanerkloster Convento de San Antonio de Padua. Es gilt als eines der ersten Klöster in der Neuen Welt. Es besticht durch seine Architektur: Das Kloster ist mit seinen 75 Rundbögen die drittgrößte Atriumanlage der Welt.

Im Lonely Planet Mexiko* las ich, dass man noch heute an den Steinen unterhalb der Arkaden des Klosters erkennt, dass die verwendeten Steine von den benachbarten Tempeln stammen. Leider hab ich das nicht gefunden. Aber auch so ist das Unrecht vergangener Tage im Stadtzentrum nicht mehr offensichtlich zu sehen. Im Gegenteil: An dem Platz vor dem Kloster stehen sich Souvenirhändler die Beine in den Bauch und unzählige Kutscher bieten ihre Dienste für eine Stadtrundfahrt an. Die Pferdewagen sind kitschig bunt geschmückt - typisch mexikanisch.
Die Treppen zum Kloster sind ein beliebtes Fotomotiv und der Innenhof des Klosters ist kostenlos zu besichtigen. Lediglich für den Besuch der abendlichen Lichtshow und fürs Museum muss man bezahlen.

Vor dem Eingang zum Franziskanerkloster Convento de San Antonio de Padua in Izamal

Vor dem herannahenden Gewitter und der dunklen Wolkenkulisse wirkte das Gelb des Klosters noch intensiver.

Um den Innenhof des Klosters zu besichtigen, muss man keinen Eintritt zahlen.

Da wir vorab in der Mittagshitze auf die Kinich-Kakmó Pyramide (Calle 27) geklettert sind, stand uns der Sinn nicht nach noch einer Besichtigungstour. Die Pyramide ist eine der drei Pyramiden der Stadt, die teilweise restauriert wurden. Die Kinich-Kakmó Pyramide ist mit ihren 34 Metern die größte im Ort und drittgrößte der Yucatán-Halbinsel. Laut einer Legende stößt eine Gottheit in Form eines Aras vom Himmel herab und schnappt Opfergaben, die dort niedergelegt wurden.
Im Verhältnis zu Chichén Itza finden nur wenige Touristen den Weg nach Izamal und so fanden wir einen Parkplatz direkt neben dem Eingang zur Pyramide. Der Eintritt ist kostenlos. In der Mittagshitze ist das Klettern auf die Pyramide anstrengend. Oben angekommen, genießt man einen weiten Ausblick auf sattgrüne Wälder. Bis nach Chichén Itzá soll man blicken können, wenn man weiß wohin man schauen muss. ^^ Die kurze Klettereinlage erfordert Trittsicherheit und ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit. Sonnencreme und Kopfbedeckung nicht vergessen.

Kinich-Kakmó Pyramide in Izamal: Der Eintritt ist kostenfrei ...

... erfordert aber Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Nach einer kleinen und anstrengenden Kletterpartie wird man mit einem grandiosen Ausblick belohnt.

Nach unserer sportlichen Einlage brauchten wir etwas Kaltes zu trinken. Zwar hatten wir unseren Mietwagen voller Wasserflaschen, die wurden aber in der Sonne ordentlich warm. Also schlenderten wir die Calle 27 entlang und fanden zum Restaurant Kinich. In den Reiseführern* steht, dass das Restaurant für seine yucatekische Küche berühmt ist und sehr touristisch sein soll. Über die Küche können wir nicht urteilen, da wir nur eine Karaffe frische Zitronenlimonade (Karaffe für 95 mex$, Chips mit Dip gratis) bestellt haben, aber touristisch fanden wir das Lokal überhaupt nicht. Allenfalls sind die Preise gehobener. Das gesamte Restaurant ist allgemein gehoben und hübsch eingerichtet. Wäre der Service nicht soooo extrem langsam gewesen, würde ich das Lokal auch vorbehaltslos empfehlen. Aber die Toiletten waren sauber sowie funktonstüchtig und es gibt Ventilatoren.

Nich weit von der Kinich-Kakmó Pyramide entfernt, befindet sich das Restaurant Kinich.

Service:

Mautkosten: Von Chichén Itzá nach Izamal nahmen wir die 180D und bezahlten 101 mex$. Auf dem Weg zur Hacienda Satuta de Peón bezahlten wir bis Mérida 175 mex$ Maut. (Preise für einen PKW. Andere Fahrzeugklassen haben andere Preise).
Verkehr und Straßenverhältnisse in Izamal: Natürlich macht Izamal keine Ausnahme was die Schlaglöcher betrifft. Es gibt viele und tiefe Schlaglöcher. An den Häusernn schlängeln sich sehr schmale Gehwege, sodass man lieber auf der Straße läuft. Am schlimmsten ist das Wirrwarr aus Einbahnstraßen, die unser Navi nicht angezeigt hat. Aber trotz dessen und der engen Straßen war der Straßenverkehr sehr gesittet. Rechnet damit, dass ihr euch ein paar Mal verfahrt und umdrehen müsst.
Busverbindungen: Ab Izamal fahren laut Lonely Planet* Busse nach Cancún, Chichén Iztá, Dzilam de Bravo, Mérida, Tizimín und Valladolid.
Sicherheit: Wir haben uns im Zentrum von Izamal sicher gefühlt. Es gibt etliche Straßenverkäufer, die aber nicht aufdringlich sind.

Der Straßenverkehr in Izamal ist verwirrend: Ein Gewirr aus Einbahnstraßen und engen Gassen, aber dafür gibt es wenig Verkehr und ausreichend Parkplätze.

Als es am Nachmittag anfing zu regnen, stiegen wir ins Auto und setzten unsere Fahrt in Richtung Mérida fort. In Izamal kann man gut einen halben Tag verbringen. Im vierten Teil meiner Mexiko-Reiseberichte erzähle ich euch von der leider fast vergessenen Kunst der Sisalverarbeitung und nehme euch mit auf eine Hacienda Tour.

Kutschfahrt durch Izamal

* Die im Beitrag erwähnten Reiseführer wurden mir von den Verlagen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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