Dienstag, 30. Juli 2019

Kann das Kulturgut Postkarte überleben?*

Heute ist Weltpostkartentag! Ich habe dies zum Anlass genommen meinen Postcrossing Account nach über einem Jahr zu reaktivieren und so stand ich nun an einem Samstagvormittag vor dem Postkartenständer einer Buchhandlung und arbeitete meine Einkaufsliste ab. Ich benötigte eine Postkarte mit einem unrealen Cartoon Hasen, einer Lotus Blüte, mit einem öffentlichen Verkehrsmittel, einem traditionellen Gewand, einem Inge-Löök-Motiv und eine Keep-calm-Karte.Viele Postcrosser sind seit Jahren dabei und haben genaue Vorstellungen über die Postkartenmotive, die sie erhalten möchten.

Das Foto zeigt die Hand einer Frau, die eine für Kinder illustrierte Postkarte in einen großen gelben Briefkasten der Deutschen Post einwirft.
Postkarten schreiben - verbindet mit Menschen auf der ganzen Welt


Im August 2013 habe ich mich bei Postcrossing angemeldet und über die letzten sechs Jahre 195 Postkarten verschickt und 194 Postkarten erhalten. Wer jetzt denkt, dass dies viel sei, muss sich eines besseren belehren lassen. Ich habe schon etliche Accounts gesehen, wie weitaus mehr verschickt haben. In vielen Ländern gibt es sehr aktive Mitglieder, die sogar Treffen organisieren. Für Briefmarkensammler ist dies wohl die beste Möglichkeit Briefmarken aus allen Ländern der Erde zu sammeln. Die Community hat über 770.000 Mitglieder, verteilt auf 209 Länder. Seit 2005 wurden über 53 Millionen Postkarten verschickt. Die Idee zu Postcrossing hatte der portugiesische Student Paulo, da er gerne Postkarten von Familie und Freunden erhält und wusste, dass er damit nicht der einzige Mensch ist. Um uns Postkartenliebhaber zu verbinden, schuf der diese Plattform. Mit Erfolg!

Viele Postkarten auf einem bunten Haufen. Mit Tiger, englischer Küste, Zeichnungen, Städte bei Nacht und sogar eine Postkarte aus der Anarktis
Postcrossing - Postkarten aus der ganzen Welt

Am 1. Oktober 2019 feiert die Postkarte ihren 150. Geburtstag


Angesichts dieser Erfolgsgeschichte verwundert es auch nicht, dass die Plattform am 1. Oktober 2019 den 150. Geburtstag der Postkarte ganz groß feiern will. Dafür wurde eigens eine Website gelauncht. Auf dieser Seite können Veranstaltungen rund um den runden Geburtstag der Postkarte eingetragen werden. Eine davon ist die Ausstellung "Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße" im Berliner Museum für Kommunikation. Außerdem gibt es einen "Call for postcards" für eine Ausstellung im Hauptsitz des Weltpostvereins in Genf.

Über die Geburtsstunde der Postkarte am 1. Oktober 1869


Alles begann im Januar des gleichen Jahres mit einem Artikel in einer Wiener Tageszeitung. Der Professor Emanuel Herrmann schrieb darin über die Vorteile einer Postarte. Sie sei günstiger als ein Brief und oft habe man nur eine kurze Mitteilung zu machen und muss gar keinen Brief senden. Diesen Artikel las auch der Direktor der österreichischen-ungarischen Post und die Idee fand er so gut, dass er diese direkt umsetzte. Ob Herrmann tatsächlich der Erfinder der Postkarte oder ob er "nur" von anderen inspiriert wurde, ist unklar. Fakt ist aber, dass es um die gleiche Zeit mehrere Menschen mit ähnlichen Ideen gab. Die Postkarte war also ein dringend benötigtes und gewolltes Kommunikationsmittel. Und so konnte man ab 1. Oktober 1869 eine Correspondenzkarte mit vorgedrucktem Postwertzeichen kaufen. Diese Postarte hatte das Format 8,5 x 12,2 cm und kostere nur 2 Kreuzer anstatt der 5 Kreuzer für einen Brief. Die Correspondenzkarte wurde bereits im ersten Monat 1,4 Mio Mal verkauft. Im folgenden Jahr führten weitere Staaten die Postkarte als neues Kommunikationsmittel ein. Im Deutsch-Französischen-Krieg wurden zwischen Juli und Dezember 1870 ca. 10 Mio Feldpostkarten verschickt. Zunächst hatten die Karten kein Motiv. Auf der einen Seite schrieb man die Adresse und auf der anderen seine Mitteilung. Ansichtskarte etablierten sich aufgrund neuer Drucktechniken ab ca. 1896.
Obwohl durch E-Mail und Whatsapp Informationen heute binnen Sekunden über den ganzen Erdball geschickt werden, denke ich, dass die Zeit der Postkarte noch nicht abgelaufen ist. Ihre Bedeutung hat sich nur geändert. Sie wird heute nicht mehr zum Austausch von Informationen benötigt, sondern ist ein besonderes Geschenk an liebe Menschen. Als erstes muss eine Postkarte ausgewählt werden. Anschließend muss man zu einer Postfiliale oder Kiosk gehen, um eine Briefmarke zu kaufen. Im Ausland ist das oft nicht einfach und man muss mit Händen und Füßen artikulieren, um das richtige Porto zu erhalten. Nun kommt die eigentliche Hauptaufgabe: Ein paar Zeilen schrieben. Zum Schluss bringt man die Karte zum Briefkasten.

Ich schreibe gern an Familie und Freunde Postkarten, wenn ich auf Reisen bin. Im Durchschnitt schreibe ich mehr als zehn Postkarten pro Urlaub. Es ist nicht immer leicht im Ausland an die richtigen Briefmarken zu kommen. Ich schreibe aber auch Postkarten zu Weihnachten und an meine Mutter. 

Viele wissen nicht was sie auf eine Postkarte schreiben sollen. In Urlaubszentren gibt es daher schon seit Jahren sogenannte "Faulenzer-Karten" zu kaufen. Hier muss nur noch angekreuzt werden wie das Wetter, Essen und der Spaßfaktor sind.

Autor Leon Alexander Schmidt während einer Lesung im Leipziger Hugendubel zur LBM 2019

Verschick doch mal eine Geschichte! Wie einer beschloss die Postkarte zu retten ...


Seit November 2017 gibt es auch Postkartengeschichten: Ein Set besteht aus 5 Postkarten, die eine Fortsetzungsgeschichte erzählen. Auf der Vorderseite ist eine liebevolle Illustration bzw. eine Fotomontage und auf der Rückseite steht der Text. Platz für einen kleinen persönlichen Gruß ist natürlich auch vorhanden. Es gibt bislang vier Abenteuergeschichten rund um den kleinen Fuchs Strubbelrute und seine Freunde, eine Fantasy-Geschichte, einen Krimi, einen Thriller, eine Geschichte um "Die kleine Biene Osmia" und demächst erscheint eine Drachen-Geschichte. Erfunden hat die Postkartengeschichte der Wahlleipziger Spieleentwickler und Autor Ronald Hild, alias Leon Alexander Schmidt, gemeinsam mit der Leipziger Illustratorin Nicole Pustelny. Von ihr stammen u.a. die Illustrationen zu den Fuchs Strubbelrute Geschichten.

Ich liebe diese Postkartengeschichten (und das sage ich nicht nur, weil ich für den Leipziger Verlag arbeite) und habe schon 2 Sets an meine Mama geschickt, die total begeistert war. Ich mag diesen offline Gegentrend. Ich mag Instagram und Whatsapp, aber jemanden eine Postkarte zu schreiben, zeigt die Wertschätzung, die man diesen Menschen entgegen bringt. Bei einer Postkartengeschichte erhält ein Empfänder alle 5 Postkarten der Reihe nach im Abstand von 2-3 Tagen und freut sich 5 Mal. :)

In Vorbereitung auf den Weltpostkartentag am 30. Juli habe ich im Verlag eine kleine Blogger Aktion geplant und so kam ich auch dazu Jana und Aimee von Simply JAimee ein Fuchs Strubbelrute Set zu senden. Und zwar Karte für Karte. Da sich zu diesem Zeitpunkt gerade das Porto von 45 Cent auf 60 Cent erhöht hatte, musste ich zu einer Postfiliale gehen und neue Briefmarken bzw. Ergänzungsmarken kaufen. Wenn ich Briefmarken für Postcrossing kaufe, gehe ich immer zum Philatelie-Schalter am Brühl in Leipzig. Aber an diesem heißen Sommertag erklärte mir die Dame hinter dem Schalter, dass sie keine große Auswahl hätte und froh sei überhaupt schon die neuen Briefmarken zu haben. Hm. Am nächsten Morgen schrieb ich die erste Karte mit einem kleinen Gruß und legte sie dem Postboten hin, der immer unsere Post mittags im Verlag abholt. Ich freute mich über die erste Antwort von Jana, dass die ersten beiden Karten angekommen sind. In der Hektik vertauschte ich Karte 4 mit 5 und schickte die Karten nicht in der richtigen Reihenfolge. Aber auch dies tat zum Glück der Freude keinen Abbruch. Auch heute werde ich eine Postkarte versenden und Du? Hast du nun auch Lust bekommen eine Postkarte zu schreiben und versenden?

Wie könnt ihr mitmachen?

 

Ihr könnt heute, wann immer ihr wollt oder am 1.Oktober 2019 selbst eine Postkarte schreiben und den Hashtag #150yearsofpostcards für Beiträge darüber auf Instagram oder Twitter verwenden. So habt ihr einem geliebten Menschen eine kleine Freude gemacht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die gute alte Postkarte nicht in Vergessenheit gerät.

Werbehinweis: Die im Beitrag erwähnten Postkartengeschichten stammen aus dem familia Verlag, Leipzig. Ich arbeite für diesen Verlag.

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