Sonntag, 11. März 2018

La Palma Teil 2: Im verzauberten Norden*

Es gibt viele Inseln von denen behauptet wird, dass sie so vielfältig wie ein ganzer Kontinent seien. Auf La Palma trifft das auch zu. Das Wetter und die Natur sind sowohl von der Himmelsrichtung als auch von der Höhenlage abhängig. Der Norden der Vulkaninsel ist durch dichte Lorbeerwälder, hohe Berge, tiefe Schluchten sowie viel Niederschlag und Nebel geprägt. Die meiste Zeit umgeben dichte Nebelschwaden die Landschaft und tauchen alles in einen mystischen Glanz.


Hinweis: Der im Beitrag vorgestellte DUMONT Reiseführer wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar überlassen.

Als ich kurz vor halb 9 wach wurde, sah ich wie sich die Sonne ihren Weg zum Himmel bahnte und gegen die dunklen Wolken ankämpfte. Der Atlantik lag ruhig vor mir und die Aussicht aus dem Küchenfenster unserer Ferienwohnung war ein unglaublich kraftvolles Bild. Gegen 11 Uhr verließen wir unsere Herberge um zu unserer ersten Wanderung aufzubrechen. Aber bereits nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass der Weg zum Startpunkt der Wanderung gesperrt war und so musste schnell eine Alternative her:

Brücke über den Barranco del Agua


Auf der Einbahnstraße, die über die Schlucht "Barranco del Agua" führt, legten wir einen Fotostopp ein und zum ersten Mal fiel mir auf wie grün La Palma ist. Überall wachsen Palmen, Bananenstauden und andere Pflanzen um die Wette. Die Beete bzw. Anpflanzungen schlängeln sich in dünnen Streifen um die steilen Berghänge und nur mit Mühe kann sich der Laie vorstellen wie diese unwegsamen Orte von den Bauern der Umgebung kultiviert werden. Auf dem Foto seht ihr übrigens mit 357 Metern Europas längste Einbogenbrücke, die Puente de Los Tilos. 150 Meter hoch thront sie über der Schlucht.

Barranco del Agua

Im Lorbeerwald von Los Tilos


Nicht weit davon entfernt, erhebt sich der prachtvolle Lorbeerwald von Los Tilos. Als wir dort ankamen, standen schon etliche PKWs und Reisebusse auf dem Parkplatz. Wir stellten unseren Wagen in einer Ecke ab und liefen die steile Straße hoch. Auf der linken Seite kam nach wenigen Schritten ein Kanalweg, der auf einem schmalen, betonierten Weg zu dem künstlich angelegten Wasserfall "Cascada de Los Tilos" führt. Ich habe erst hinterher im Reiseführer gelesen, dass es hierbei um keinen natürlichen Wasserfall handelt. Der wundervollen Kulisse tut das keinen Abbruch. Das satte Grün und die Gischt des Spritzwassers ließen mich einen Moment lang glauben, dass ich wieder auf Kuba sei. 
Obwohl wir an diesem Tag noch nicht viel getan hatten, beschlossen wir für ein kleines Mittagessen in den Kiosco "Bar Restaurante Casa Demetrio" auf der anderen Seite einzukehren. Basti bestellte sich Süßkartoffeln mit Palmenhonig und ich nahm Kanarische Kartoffeln mit Soße und Käse. Beises typisch kanarische Gerichte.
Die Berge waren noch immer Wolken verhangen, aber es blieb trocken und so beschlossen wir zum Mirador de Las Barandas zu wandern. Wir folgten dem für örtliche Verhältnisse ausgebauten Wanderweg 7.1 für ca. 2 Kilometer und legten in dieser Zeit gut 300 Höhenmeter zurück. Dementsprechend anstrengend war die Wanderung. Der Weg war steil, matschig, glatt, aber auch wunderschön grün. Für den tollen Ausblick nahmen wir dies bereitwillig in Kauf. Trotz der dichten Wolkendecke konnten wir gerade noch so zum Meer blicken und sahen wieder die Einbogenbrücke. Auf dem Rückweg kam Nebel auf und der Regen reichte, trotz des dichten Blätterdaches aus Lorbeerbäumen, Lianen und Riesenfarne, bis auf den Boden. Wir beeilten uns, um nicht gänzlich durchzunässen. Als ich endlich das kleine lachsfarbige Haus des Besucherzentrums sah, war ich erleichtert, denn der Boden weichte immer mehr durch und es wurde immer schwieriger sicher aufzutreten. Als wir wieder im Auto saßen, stellten wir die Heizung an und freuten uns auf unsere Ferienwohnung am Meer.


Cascada de Los Tilos

Typisch kanarisch: Kartoffeln mit Mojo und Käse

Riesenfarne im Lorbeerwald

Auch im Lorbeerwald von Los Tilos benötigt man ein bisschen Trittsicherheit
Mirador de Las Barandas


Auf dem Weg in den  Märchenwald von La Zarza und La Zarcita


In der Nacht hatte es viel geregnet und wir hatten am Abend zuvor einen Ausflug zum Roque de Los Muchachos geplant. Aber leider war auch dieser Zufahrtsweg durch die heftigen Schneefälle in der Nacht geschlossen worden (span. cerrado). Was im Tal als Regen niederging, war in den Höhenlagen als Schnee zu Boden gefallen. Nachdem wir das Schild gesehen hatten, Starkregen mit Hagel einsetzte und zu allem Überfluss noch Steinsbrocken von den Steilwänden fielen, kehrten wir um und brachen unsere geplante Tour ab. Wieder einmal! Dass es auf den Kanaren Ende Januar/ Anfang Februar zu einem Wintereinbruch kam, habe ich bereits im ersten Reisebericht geschildert. Die Temperaturen fielen pro 100 Höhenmeter um gut einen Grad. Nach einem kurzen Blick in unseren DuMont La Palma Reiseführer* entschieden wir uns für den Wald von La Zarza. 

Ich bin ein großer Fan von der Kultur der Altkanarier und in diesem Wald hinterließen die Ureinwohner der Kanaren geheimnisvolle Zeichen im Gestein. Die LP-1 dorthin führt direkt am Meer entlang. Je nach Ausgang der Kurve hat man eine atemberaubende Sicht auf Bananenplantagen dicht am Meer, tiefe Schluchten, die sich bis zum Meer hin öffnen, oder grüne Berge, die geheimnisvoll in dicken Nebenschaden zu verschwinden drohen. Bei uns stellte sich der Aha-Effekt ein: Wo es so grün ist, muss es auch regnen. Und so verschwand unser Ärger über das Regenwetter im Nu. Spätestens da verstand ich auch warum eine große Bananenstaude das Cover meines Reiseführers ziert. Bananen - sie wachsen überall auf der Insel. Es erweckt den Anschein, dass in jede freie Ritze eine Bananenstaude gepflanzt wird. Bananen sind auch das Haupt-Exportgut La Palmas. Auf der Insel herrscht eine Monokultur vor. Der Tourismus macht nur einen kleinen Bruchteil der Einahmen aus. La Palma ist nicht Teneriffa. Aber dazu und zu den Bananen mehr in einem der folgenden Reiseberichte.

Die Nebelberge im Norden La Palmas
Die satte Natur auf La Palma entschädigt für das meist regnerische Wetter im Norden.

Im geheimnisvollen Parque Cultural La Zarza


Im Reiseführer ist die Rede von einem "Zauberwald, in dem es unentwegt von den Zweigen tröpfelt" und sich die Guanchen einen Kulturort schufen, dessen geheimnisvolle Zeichen bis heute ein Rätsel sind. Eine kleine, unscheinbare Straße führt zum Besucherzentrum. Schnell fährt man an der Einfahrt vorbei und muss umdrehen. Das ist uns jedenfalls passiert. Das Besucherzentrum, kaum diesen Namen wert, liegt verlassen inmitten des dichten Waldes. Für 2 EUR darf man in den Park, sich die kleine Ausstellung ansehen und die Toilette benutzen. Das Highlight ist ein Spazierung durch den dichten Urwald. Alles wirkt mystisch. Hier und dort sind Petroglyphen an den bemoosten Felswänden zu sehen. Diese Zeichen, die wahrscheinlich mit Spitzkeilen in den Stein geritzt wurden, geben den Archäologen viele Fragen auf. Stellen die Spiralen den Kreislauf des Lebens dar und weisen sie auf eine Naturreligion hin? Oder sind sie gar in den Stein gemeißelte Botschaften? Lange Zeit sprach man den Ureinwohnern der Kanaren Schriftkenntnisse ab. Funde auf der Insel, die an Überreste aus Nordafrika erinnern, sprechen eine andere Sprache. Waren die Ureinwohner der Kanaren Berber aus Nordafrika? Gab es vielleicht viel früher als wie bislang annehmen einen Austausch auf dem Seeweg?

Im Zauberwald von La Zarza


Geheimnisvolle Petroglyphen

Die Bedeutung der Petroglyphen ist noch ungeklärt.


Nach unserem Aufenthalt im Park fuhren wir noch zum Startpunkt einer anderen Wanderung und ließen uns durch den dichten Wald treiben - immer mehr Nebel stieg auf. Laut Navi musste das Meer in Sichtweite sein, wir konnten es aber nicht sehen. Der Norden der Insel ist faszinierend. Wer seine Freude an urwaldartigen Landschaften hat, wird auch diesen Teil der Insel lieben. Für alle anderen gehts im nächsten Reisebericht in den Südwesten der Insel - wo die Sonne fast immer scheint.


Vorstellung des DuMont direkt Reiseführers für La Palma


Quelle:dumontreise.de
Auf der Suche nach einem geeigneten Reiseführer für La Palma blieb mein Auge an dem frischen und jugendlichen Cover des DuMont Reiseführers hängen. Er ist 2017 erschienen und somit sehr aktuell. Von der Aufmachung her hebt sich dieser Reiseführer positiv von anderen ab, denn er versucht nicht auf Zwang alle Detailinformationen zu nennen, bietet aber trotzdem alle wichtigen Informationen, die der Reisende sucht.
Die Insel wird in fünf Teile gegliedert, die nach und nach vorgestellt werden. Hervorzuheben ist der "La-Palma-Kompass". Hier werden 15 Orte zum "direkten Eintauchen in die Insel" vorgestellt. Sozusagen die "must-dos" auf der Insel. Aus der Übersicht "La Palma in Zahlen" hab ich übrigens, wie im ersten Reisebericht erwähnt, entnommen, dass die kanarische Kiefer bis zu 15 cm dick werden kann.
Die Rubriken im Buch heißen: Was tun in ...?, Museen, die lohnen oder Schlemmen, Shoppen, Schlafen. Informationen und Termine kommen auch nicht zu kurz und werden im Anschluss genannt. Der Schreibstil ist locker, leicht, angenehm eben.
Fazit: Ein Reiseführer für Genießer, die sich treiben lassen können, aber auch ein bisschen über ihren aktuellen Urlaubsort erfahren möchten.

ISBN: 978-3-7701-8359-3
Preis: 11,99 EUR [D]  12,99 EUR [AT]

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