Sonntag, 15. Juli 2018

Naturlehrpfad um den Grabschützer See im Norden Leipzigs

In den Sommerferien sind die großen Leipziger Badeseen oft überlaufen. Wer sich nach Erholung und Natur sehnt, muss daher ins Leipziger Umland fahren. Hier findet man noch lauschige Ecken. Da uns selbst der Schladitzer See in der Nähe des Flughafens zu überfüllt vorkam, setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren nach Zwochau. Das sächsische Dorf ist südwestlich von Delitzsch gelegen und der Ausgangspunkt für einen 7 km langen Naturlehrpfad im ehemaligen Bergbaugebiet.



"Wildnis statt Braunkohle" steht als Überschrift auf einem Prospekt, das ich als letztes aus dem Kasten an einem der zahlreichen Schautafeln entnehme. Nachdem 1993 die Förderung der Braunkohle eingestellt wurde, begannen die Sanierungsarbeiten. Es wurden nur die notwendigsten Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, auf die üblichen Tagebausanierungsmaßnahmen wurde verzichtet. Denn das Gebiet um den Grabschützer See sollte von Anfang an nur dem Naturschutz vorbehalten bleiben. Seit mehreren Jahren wird an dieser Stelle nun schon die einzigartige "Schüttrippenlandschaft" entwickelt und ein sanfter Tourismus etabliert.

Naturlehrpfad am Grabschützer See


Sowohl die Land- als auch die Wasserflächen bieten Lebensraum für zahlreiche geschütze Vogelarten. Darunter sind u.a. der Baumfalke, das Blaukehlchen, der Grauammer, die Löffelente, die Rohrdommel und die Saatgans. Außerdem sind hier 9 Amphibienarten heimisch. Diesen Artenreichtum kann man beim Spaziergang auch tatsächlich spüren. Von überall her hörten wir das Gezwitzscher der Vögel und im trockenen Gras huschten kleine Tierchen vor unseren Schritten davon. Schmetterlinge umkreisten uns und die Blätter der Pappeln rauschten beruhigend im Wind. Überall standen Sanddornsträucher, die sich an den mageren Boden im Tagebaugebiet perfekt angepasst haben. Die Wurzeln der Pflanzen können sich bis zu 2 Metern ins Erdreich graben und so findet der Strauch auch an steilen Abhängen guten Halt.


Sanddorn findet hier günstige Bedingungen

Wegweiser für den Naturlehrpfad



Der Naturlehrpfad für kleine und große Entdecker

Der Naturlehrpfad führt um den Grabschützer See, ist gut ausgebaut und kann auch mit dem Rad befahren werden. An 18 Stationen, die entlang des Weges stehen, kann der Wanderer kurz verschnaufen und viele interessante Fakten zur Geologie, Flora, Fauna und zum Tagebau erfahren. Auch für Kinder sind Elemente, wie das Hörrohr, integriert worden.


Hörrohr - um die vielfältige Fauna besser wahrzunehmen


Der Grabschützer See ist noch nicht vollständig "geflutet" oder besser ausgedrückt er hat noch nicht seine komplette Wasserfläche erreicht. Infolge der Stilllegung des Tagebaubetriebs steigt wieder das Grundwasser an und daher hat der See bereits eine Wasserfläche von ca. 78 Hektar erlangt. Im Jahr 2022 wird der Mittelwasserstand erreicht werden und der See eine Tiefe von 23 Metern haben, schätzen Experten.




Ich könnte euch noch u.a. von den Schottischen Hochlandrindern, den Findlingen aus Skaninavien, den Überresten aus der Eiszeit oder einem Dorf, welches für den Braunkohleabbau weichen musste, erzählen. Aber dann hättet ihr keinen Grund mehr selbst in die Natur zu gehen und diesen wundervollen Ort zu entdecken.


Der Rundweg ist gut ausgebaut und auch mit dem Rad befahrbar.


Anreise, Parken & Orientierung

Der Rundweg ist in gängigen Navigationssystemen hinterlegt und auf Google maps zu erkennen. Außerdem ist er vor Ort gut ausgeschildert. Man kann sich also nicht verlaufen. Da es sich trotzdem noch um ein altes Bergbaugelände handelt, ist das Verlassen des Rundweges nicht gestattet. Dies ist übrigens auch nicht möglich, weil das Gebiet größtenteils dicht bewachsen ist. In der Nähe des Parkplatzes befindet sich eine kleine Badestelle mit Sandstrand.

Am Beginn des Lehrpfades gibt es einen kostenfreien Parkplatz.
Adresse des Parkplatzes: Hallesche Str. 51, 04509 Zwochau; Koordinaten: 51.473125, 12.275804 (Angaben vom Flyer)

Weitere Informationen findet ihr auf der Internetseite der Sächsischen Landesstiftung - Natur und Umwelt.



Extra-Tipp: Bockwindmühle in Zwochau am Sportplatz

Unweit des Parkplatzes befindet sich eine Bockwindmühle aus dem Jahr 1806. Zunächst stand diese in Schkeuditz, musste aber wegen der Flughafenerweiterung 2006 "umziehen". Im Juni 2007 gründete sich ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat die Mühle am Sportplatz in Zwochau zu pflegen sowie Kunst und Kultur in der Region zu fördern. Im Juni 2009 wurde dann schließlich die alte Mühle am neuen Standort eingeweiht und eröffnet. Von April bis Oktober finden verschiedene Veranstaltungen in der Mühle statt. Das nächste Mal öffnet die Mühle für Sonderführungen am Tag des Denkmals, den 9. September. Den Saisonabschluss macht am 7. Oktober die 2. Zwochauer Oldtimer-Schau.

Kennt ihr den Grabschützer See bereits? Oder habt ihr noch andere Orte, die ich in Leipzig und Umgebung unbedingt selbst besuchen muss? Schreibt es mir bitte in die Kommentare. Ich freue mich von euch zu lesen.


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