Sonntag, 23. September 2018

Mexiko Teil 1: Chichén Itzá und Übernachten in der Hacienda Chichén

Mit jeder Reise kommen bei mir etliche neue Erfahrungen und Erkenntnisse hinzu. Man lernt also nie aus, besonders nicht auf Reisen. Teilweise bestätigen sich auch meine Vermutungen und  ich muss feststellen, dass manche Dinge überall auf der Welt gleich sind. Eine dieser wiederkehrenden Erfahrungen: Mir gefallen keine gehypten Sehenswürdigkeiten. Und Chichén Itzá ist leider so eine - besonders seitdem es 2007 zu einem der neuen sieben Weltwunder ernannt wurde: Souvenirhändler drängen sich dicht beieinander und preisen ihre billigen Waren aus Fernost an. Scharen von Touristen werden von einer Ruine zur nächsten gescheucht und haben kaum Zeit für ein ordentliches Erinnerungsfoto. Wer ein Foto von den Ruinen ohne Menschenmassen machen möchte, muss zu den Randzeiten kommen oder, so wie ich, einfach Glück haben.



Von Cancun  nach Playa del Carmen - Erste Eindrücke

Aufgrund der Zeitverschiebung waren wir anfangs sehr früh wach und sind zwischen 6 und 7 Uhr in den Tag gestartet. Dies hatte auch den Vorteil, dass wir die ersten zwei Stunden den Strand fast für uns allein hatten. Ich nutzte den noch menschenleeren Stand für die ersten Urlaubsfotos. Da wir selbst am Strand WLAN hatten, konnten wir entspannt mit Bastis Schulfreund, der zufällig zur gleichen Zeit mit seiner Familie in Playa del Carmen war, absprechen wo wir ihn und seine Schwestern am nächsten Tag abholen konnten.

Als wir abends im Supermarkt unseren Wasservorrat für 87 MEX$ mit einem 500er mexikanischen Dollarschein (umgerechnet 25 EUR) bezahlen wollten, kam zu unserer Verwunderung eine Mitarbeiterin des Supermarktes, zog den Geldschein ein und brachte das Welchselgeld von irgendwo her. Das haben wir nicht mehr gesehen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir uns noch keinen Reim darauf machen, aber die Auflösung kommt weiter unten. 

Am folgenden Tag checkten wir nach dem Frühstück aus, warteten bis das Zimmermädchen ihr Okay an die Rezeption gefunkt hatte und erhielten unseren Passierschein, um den Hotelparkplatz verlassen zu dürfen. Wir finden dies reichlich übertrieben, aber es muss ja einen Grund geben, warum es so fast überall in Mexiko gemacht wird. 

Die Fahrt nach Playa del Carmen war sehr nervig, da wir uns erst an das verwirrende Verkehrssystem gewöhnen mussten. Wo muss man bei roten Ampeln anhalten, das war nicht immer eindeutig zu erkennen und so fuhren wir über ein paar rote Ampeln. Andere Ampeln wurden eins mit den Palmen und waren nicht rechtzeitig zu erkennen. Also wieder über rote Ampeln gefahren. Auch war oft nicht zu erkennen, ob man nun jetzt links abbiegen darf oder nicht. Wir haben es einfach gemacht. Bevor wir in Playa del Carmen ankamen, tankten wir noch bei einer Pemex und Basti musste mit dem Tankwart um das Trinkgeld verhandeln. Es war ihm zu wenig und er wollte daher nicht das restliche Wechselgeld herausrücken. Hinterher haben wir erfahren, dass Basti ihm durchaus ausreichend gegeben hatte.

Leider darf man kein Bauwerk in Chichén Itza besteigen.


Von Playa del Carmen nach Chichén Itzá - Autofahrt über die MEX 305D und MEX 180D

Wir hatten die Wahl: Die kostenfreie Straße oder die kostenpflichtige MEX 305D zu nehmen. Nach unserer nervigen Anreise über eine kostenfreie Straße entschieden wir uns für die Mautstraße. Zu Beginn der Strecke zieht man einfach ein Ticket und fährt weiter. Gottseidank hatten wir bereits getankt, denn eine Tankstelle gab es auf der MEX 305D nicht.Wie erhofft, war die einspurige Straße fast leer. Teilweise haben wir kilometerlang kein Auto entgegen kommen gesehen. Für die ca. 35 km haben wir satte 254 mex.$ Maut gezahlt (ca. 12,70 EUR). Anschließend sind wir auf die MEX 180D aufgefahren und haben für den 2. Abschnitt bis Chichén Itza (110 km) 75 mex.$ bezahlt. Sodass wir im Endeffekt für die Strecke Playa del Carmen - Chichén Itza 329 mex.$ (16,45 EUR) Maut gezahlt haben. Es ist auch möglich nach ca. 79km bei Valladolid abzufahren, da sich viele auch diese kleine Stadt ansehen wollen.  Auf der MEX 180D gibt es übrigens eine Tankstelle, einen Rastplatz mit Toilette und Straßenverkäufer, die in ihrer Warnweste auf die Autos zustürmen und die Fahrer zum Anhalten bewegen wollen. Im ersten Moment dachten wir, dass es Polizisten wären, es waren aber nur übermotivierte Verkäufer. ^^

Ab Cancún und Playa del Carmen fahren auch ADO Busse nach Chichén Itza. Diese sind schnell ausgebucht, aber viel günstiger als eine Taxifahrt oder eine geführte Tour ab dem Hotel. Es lohnt sich darüber nachzudenken den Ausflug selbst zu organisieren (Bus buchen, mehrere Leute) oder sich gar ein Auto zu mieten, da die Touren, die ab den Hotels angeboten werden teilweise um die 130 US$ kosten.

Chichén Itzá wird täglich von vielen Reisebussen und Individualtouristen angefahren.

Besuch der Ausgrabungsstätte Chichén Itzá - Eintrittskarte

Da wir in der Hacienda Chichén einen Bungalow für 2 Tage gebucht hatten, sind wir zunächst zum Hotel gefahren und haben eingecheckt. Glücklicherweise mussten wir nicht mit dem Auto zurück zum offiziellen Eingang fahren, sondern erhielten unsere Eintrittskarten im Hotel. Ein besonderer Service des Hotels. Der Eintritt kostet pro Person 254 mex.$ (ca. 12,70 EUR; Ticket besteht aus 2 Teilen, die an 2 Kassen gekauft werden müssen). Ein Mitarbeiter des Hotels führte uns 5 zu dem privaten Eingang und so kamen wir ohne Anstehen und ohne Stress auf das Gelände.

Direkt hinter unserem Privateingang war es noch ruhig und idyllisch.

Die Ausgrabungsstätte Chichén Itzá - Lohnt es sich?

Anfangs liefen wir über einen schattigen, bewaldeten Weg und sahen als erstes das Observatorium. Voller Elan schossen wir die ersten Fotos. Ich hatte mich vorab nicht viel über Chichén Itzá angelesen. Ich wusste nur, dass es auch überlaufen ist und zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Für Pauschaltouristen, die ihren Urlaub in Cancún oder Playa del Carmen verbringen, gehört diese Ausgrabungsstätte vorallem zum Pflichtprogramm, weil man sie als Tagesausflug besichtigen kann. Viele andere Stätte, die sich weitaus mehr lohnen als Chichén Itzá, sind nicht so schnell zu erreichen. Aber sich Chichén Itzá anzusehen, ist für viele eine erfreuliche Abwechslung zur Algenplage am Meer. Und wer noch keine anderen Pyramiden dieser Größe gesehen hat, wird auf alle Fälle etwas für sich mitnehmen können. Wer hingegen Uxmal, Palenque oder Calakmul fest für seine Reise eingeplant hat, kann auf den Besuch dieser gehypten Ausgrabungsstätte verzichen ohne wirklich etwas verpasst zu haben. Rückblickend fanden wir Calakmul tief im Urwald am beeindruckendsten.


Observatorium

Zwar sind die meisten Bauwerke in Chichén Itzá weitesgehend rekonstruiert worden, trotzdem gibt es noch viel Ungeklärtes. Beispielsweise liegen die Ursprünge größtenteils im Dunklen. 
Das Aushängeschild der Ausgrabungsstätte ist die 25m hohe Pirámide de Kukulcán. Sie ist das beliebteste Fotomotiv der Anlage und jeder kann es direkt mit Mexiko und der Maya-Kultur in Verbindung bringen. Darüber hinaus hat die Pyramide des Kukulkán eine tiefe kosmische Bedeutung: Die Plattformen können als Verkörperung der neun Unterwelten angesehen werden, die 18 Teilabschnitte der Treppen als die 18 Monate des Maya-Kalenders und die Addition der 91 Stufen an den vier Seiten ergibt mit der Plattform zusammen die Zahl 365. Zu den Tag- und Nachtgleichen im März und September kriechen Schatten, die wie Schlangen aussehen, zur Spitze der Pyramide empor. Dieses Schauspiel der Natur zieht besonders viele Besucher an. Weitere Fotomotive sind der Ballspielplatz, der Tempel des bärtigen Mannes, der Tempel der Jaguare und der Tempel der Venus.
Wer sich für die Maya-Kultur und die Geschichte der Ausgrabungsstätten interessiert, findet in vielen Reiseführern ausführliche Erklärungen dazu. Das würde nämlich den Rahmen meines Blogbeitrages sprengen. ;)


Interessante Bauwerke und Co.

Reichlich verzierte Bauwerke

Mein Buchtipp: Yucatán & Chiapas von Hans-Joachim Aubert aus dem DUMONT Verlag (Reise-Taschenbuch-Reihe); 17,99 € [D]; ISBN: 978-3-7701-7553-6; 5. aktualisierte Auflage von 2018.

 Zur Hacienda Chichén - Übernachten wie einst die Archäologen

Die Ausgrabungsarbeiten begannen 1924 und dauerten bis 1945. Die Archäologen kamen während dieser Zeit in der Hacienda Chichén direkt neben dem Gelände unter. Heute ist es ein Hotel - für 2 Nächte war es auch unser Hotel. Die alten Bungalows der Wissenschaftler wurden allerdings durch neue ersetzt. Die Anlage ist landschaftlich sehr schön in einem tropischen Garten mit Pool eingebettet und kann auf einem abendlichen Spaziergang erkundet werden. Zu entdecken gibt es alte Torbögen, Brunnen, eine alte Kapelle sowie weitere Ruinen. Nach dem Besuch der Ausgrabungsstätte noch ein kleiner Pluspunkt. Es können auch weitere Exkursionen im Hotel gebucht werden, etwa Vogelbeobachtung. 

Auf Erkundungstour in der Hacienda Chichén (unser Hotel)

Leider ist das Hotel-Restaurant sehr teuer. Daher sind wir ins nahgelegene Dorf Pisté gefahren, um zu essen. In Pisté gibt es u.a. eine Tankstelle, eine Bank, die Geld wechselt (das machen nicht alle Banken in Mexiko), einen kleinen Supermarkt und ein paar kleine Lokale, wo wir sehr herzlich bewirtet wurden. Hier isst man günstig und sehr lecker. Nachdem die Touristenbusse abends die Gegend verlassen haben, verirren sich dort nicht viele Touristen hin und so freut man sich über die wenigen, die nicht im Hotel speisen, sondern sich auf die Straße trauen. :)


Leckeres Abendessen in dem Dorf Pisté, nahe Chichén Itzá

Das Beste am Besuch von Chichén Itzá war gar nicht die Ausgrabungsstätte selbst, sondern dass wir sie gemeinsam mit Bastis Schulfreund und seinen beiden Schwestern besucht haben. Das Feilschen, um die besten Souvenirpreise waren sehr amüsant. Als Tipp für euch: eine teure Kamera, die um euren Hals hängt, erleichtert die Preisverhandlung nicht unbedingt. Und bis auf das Restaurant war unsere Unterkunft auch gut: schöner Garten, Pool, ruhig gelegen und ein schönes Zimmer (leider ohne warmes Wasser). Der Ort Pisté ist auch einen Abstecher wert. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass es unser Lieblingsdorf auf unserer Rundreise war.

Ein paar der zahlreichen Souvenirstände. Hier muss man hart verhandeln, um einen fairen Preis zu bekommen.

Im zweiten Reisebericht verrate ich euch warum wir am Golf von Mexiko zwar Pink gesehen haben - dies aber nichts mit Flamingos zutun hatte, die wir eigentlich sehen wollten. ... Und warum du niemals Instagram vertrauen solltest, wenn es um die Farbe Pink geht.

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