Sonntag, 11. August 2019

Leipziger Neuseenland Teil 3: Der Markkleeberger See als Domizil für Freizeitsportler und Archäologen

Der Markkleeberger See ist besonders bei Sportbegeisterten beliebt. Es gibt einen Kanu- und Kletterpark, einen schönen Strandbereich und einen ausgebauten Wanderweg, der um den See führt. Wer ein paar Tage am See verbringen möchte, dem steht neben einem Zelt- und Campingplatz auch das Feriendorf "Seepark Auenhain" zur Verfügung. Noch vor einigen Jahrzehnten sah die Zukunft des Ortes weitaus weniger rosig aus. Denn der Stadt Markkleeberg, die auf einem großen Braunkohlevorkommen errichtet wurde, drohte die vollständige Zerstörung durch den Tagebau.

Sommerausflug an den Markkleeberger See - Schilfrohr im Vordergrund, Personenschiff auf dem See, blauer Himmel

 
Dank zahlreicher Bürgerproteste und dem Mauerfall in Berlin kam es gottseidank nicht mehr dazu. Auf die Geschichte des Braunkohleabbaus in der Region Leipzig bin ich bereits in den ersten beiden Teilen dieser Reihe eingegangen. Daher möchte ich in diesem Teil eher auf die archäologische Bedeutung der Region eingehen. Bereits 1895 fand der Geologe Frank Etzold in einer Kiesgrube Überreste aus der Steinzeit. Diese Funde sind so besonders, weil sie den frühesten Nachweis liefern, dass Menschen in der Eiszeit Kältesteppen besiedelt haben.

Archäologische Funde aus der Steinzeit machten Markkleeberg in der Fachwelt bekannt


Die in Markkleeberg ausgegrabenen altsteinzeitlichen Funde machten den Ort weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. In Kiesgruben, am südöstlichen Rand von Alt-Markkleeberg, wurden immer wieder Steinwerkzeuge aus der Steinzeit gefunden. Viele dieser Gruben fielen dem Braunkohletagebau Espenhain zum Opfer und es konnten zunächst keine umfangreichen Ausgrabungen stattfinden. Erst nach der Schließung des Tagebaus konnte das Landesamt für Archäologie von 1999 bis 2001 an dieser Stelle die letzten systematischen Grabungen im Zuge der Sanierungsmaßnahmen für den Markkleeberger See durchführen. Die geborgenen Stücke stammen aus der Epoche der Sammler und Jäger. Die ältesten Funde sind etwa 280.000 Jahre alt und die aus der Saaleeiszeit stammenden Exponate werden heute in Museen in ganz Europa ausgestellt. Wo die frühzeitlichen Siedlungen vermutet wurden, befindet sich heute der Markkleeberger See.

Der Markkleeberger See zeigt wie sich "Landschaften nach der Kohle" entwickeln können.

 

Vom Tagebaurestloch zum Erholungs- und Erlebnisgebiet


Der Fall der innerdeutschen Mauer läutete bekanntlich das Ende des Braunkohletagebaus ein. Für die Natur kam der politische und ökonomische Wandel allerdings zu spät. Erholungsgebiete, Flussauen und ganze Ortschaften wurden unwiederbringlich zerstört. Beispielsweise musste das 1902 errichtete Fluss- und Familienbad aufgrund der Verschmutzung der Pleiße infolge der Braunkohleförderung schließen. Die Ortschaften Cröbern und Crostewitz sowie Teile von Markkleeberg-Ost und das Vorwerk Auenhain mussten für die zeitweise größte Förderbrücke Europas weichen. Schließlich wurde 1996 der letzte Kohlezug zu Tage gefördert und die umfangreichen Sanierungsarbeiten konnten beginnen. Im Juli 1999 startete die Flutung des Sees. Dazu wurde Grundwasser aus dem Tagebau Profen abgepumpt und durch eine Ringleitung bis in den Markkleeberger See geleitet. Sieben Jahre später wurde der See offiziell eingeweiht.

Bereits wenige Monate später eröffnete der Kanupark Markkleeberg, Deutschlands modernste Wildwassersportanlage. Die Anlage hat sich schnell als Gastgeber für Sport-Großveranstaltungen einen Namen gemacht. Freizeitsportler können hier aber genauso gut eine Raftingtour buchen. Am Übergang zum Störmthaler See soll ein Anlaufpunkt für Segler errichtet werden. Schon heute können private Paddel- und Segelboote sowie größere Ausflugsschiffe durch eine Schleuse zwischen beiden Seen verkehren. Zu Lande lädt ein 14 Kilometer langer Geopfad an der Nordostseite beider Seen zum Eintauchen in die Erd- und Menschheitsgeschichte der Region ein. Wer eher ein Interesse an der jüngeren Vergangenheit hat, kann den Bergbau-Technik-Park besuchen - ebenfalls zwischen beiden Seen gelegen. Seit Juli 2019 gibt es im Kletterpark am Markkleeberger See einen Adventure-Minigolf-Park.
Auf der Internetpräsenz des Markkleeberger Sees findet ihr noch viele weitere Informationen rund um den See und geplante Projekte. Auch der gleichnamigen Stadt Markkleeberg solltet ihr einen Besuch abstatten. Wie ihr am besten mit dem Bus ab Leipzig nach Markkleeberg kommt findet ihr hier. Selbst für (Wahl-) LeipzigerInnen gibt noch soooo vieles am und auf dem See zu entdecken.

Aus dem einstigen Bergbaugebiet ist ein Erholungsgebiet vor den Toren Leipzigs geworden
Ab der Seepromenade können Passagiere eine Tour über beide Seen machen.

Blick auf den Markkleeberger See mit Bergbau Technik Park im Hintergrund
Vom See aus ist der Bergbau-Technik-Park zu sehen.

Wer sein Auto heute an der Seepromenade parkt oder mit dem Rad unterwegs ist, wird die Bergbau-Vergangenheit des Ortes nicht auf Anhieb erkennen. Die Steilwände und Innenkippen des ehemaligen Tagebaus fügen sich in die Leipziger Tieflandsbucht wie natürliche Hügelketten ein. Als ich nach Leipzig gezogen bin, habe ich mich auch nicht mit der jüngeren Geschichte der Region beschäftigt. Ich habe es einfach genossen am Cospudener See zu liegen, Freunde zu treffen, entlang des Markkleeberger Sees spazieren zu gehen oder an der Promenade ein leckeres Fischbrötchen zu essen. Zwölf Jahre nachdem ich von Brandenburg nach Leipzig gezogen bin, fällt mir auf, wie sehr sich die Stadt und das Umland erneut verändert haben und ich beginne mich verstärkt sowohl mit der Geschichte als auch mit der Zukunft zu beschäftigen.
An der Böschung über der Seepromenade wurden Ferienwohnungen, Villen mit Seeblick, gebaut, es gibt weitere Cafés, Restaurants, ein Ausflugsschiff und einen Bootsverleih. Leipzig und die neuen Seen im Süden der Stadt haben sich zu attraktiven Zielen für Touristen entwickelt. Dies ist natürlich durchaus positiv zu sehen, birgt aber auch neue Herausforderungen für unsere Stadt. Der Wohnungsmarkt hat sich inzwischen von einem Käufermarkt zu einem Verkäufermarkt entwickelt. Günstiger Wohnraum, außerhalb von DDR-Plattenbausiedlungen, ist immer schwieriger zu bekommen. Eigentumswohnungen werden in Ferienwohnungen umgewandelt und auf Booking.com angeboten. Aber trotzdem möchte ich meiner Wahlheimat #LieblingsLeipzig treu bleiben und weitere Seen für euch entdecken.


Markkleeberger See bei Leipzig

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