Sonntag, 5. August 2018

Interview mit Autorin Tanja Karmann über ihr Fantasy-Debüt, Magie und Saarbrücken

In der letzten Woche habe ich euch meine Highlights für Saarbrücken verraten und warum ich zur Lagerfeuerlesung von Tanja Karmann gefahren bin. Bei Kaffee und Kuchen im Deutsch-Französischen-Café hatte ich die Gelegenheit mit der Autorin über ihr Fantasy-Debüt "Der Mitternachtsladen - Verbundene Zeiten", Magie und das französische Flair in Saarbrücken zu sprechen.

Autorin Tanja Karmann während sie aus "Der Mitternachtsladen - Verbundene Welten" im Deutsch-Französichen-Café in Saarbrücken liest

Die Autorin Tanja Karmann kenne ich durch meine Arbeit im Leipziger familia Verlag. Im Juni 2018 erschien ihr Debütroman in unserem Imprint fehu-fantasy. Da ihr Roman Anheihen zur keltischen Mythologie hat, passte eine Lagerfeuerlesung in Saarbrücken hervorragend. Der Name der Stadt hat nämlich nichts mit dem modernen Wort Brücke zu tun, denn zu dieser Zeit gab es noch keine Brücke über die Saar, sondern stammt von dem keltischen Wort Sarabriga ab. Sinngemäß übersetzt heißt es Flussfels. Die Kelten, was viele nicht wissen, breiteten sich im 3. Jh. vor Christus bis nach Süddeutschland (sogar bis nach Südeuropa) aus. Sie bauten u.a. an der Mosel Wein an. Das begegnete mir bereits bei meinem Abenteuer Brodenbach.

Zur Autorin

Als Gründungsmitglied der Phantastischen Akademie ist sie in der Literaturszene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sie gründete mit zwei Partnern das Unternehmen WerkZeugs, welches Merchandising-Produkte zu den Romanen deutscher Fantasy-Autoren, wie Markus Heitz, herstellt und verkauft, und aus dem 2011 die berühmte Buchhandlung Drachenwinkel hervorging. Bis 2016 hat sie außerdem auf der Leipziger Buchmesse die Fantasy-Leseinsel mitorganisiert. Sie hat in Saarbrücken studiert und ein paar Jahre in der Stadt gewohnt. Nun lebt sie mit Mann und Kind in Zweibrücken und unterstützt den saarländischen Conte Verlag bei der Pressearbeit.

Klappentext von "Der Mitternachtsladen - Verbundene Welten"

Ein Laden mitten im Wald? 

Lina staunt nicht schlecht, als sie die sanften Lichter im strömenden Regen entdeckt. Erleichtert steigt sie die wenigen Stufen hinauf und ahnt nicht, dass sie damit die Schwelle zu einer anderen Welt übertritt. Als ihr der Besitzer des Ladens einen Job anbietet, greift Lina dankbar zu, denn ihr finanzielles Polster ist kurz vor dem Abitur alles andere als üppig.
Lina packt Ware aus, ölt Holzregale und arrangiert Kristallkugeln ‒ aber bis spätestens Mitternacht muss sie den Laden stets verlassen haben. Zudem scheint ihre Kollegin Mara etwas vor ihr zu verbergen. Dann aber lernt Lina Brendan kennen, den attraktiven Sohn des Ladenbesitzers, und stolpert unversehens in eine Welt voller Gefahren und magischer Begegnungen. Wird Brendan Lina das Geheimnis des Mitternachtsladens anvertrauen?

Der perfekte Ort für eine Open-Air Lesung oder einen entspannten Nachmittag: Das Deutsch-Französische-Café

Namida Magazin: Ein Laden mitten im Wald bei Noswendel im Saarland? Warum fängt deine Geschichte ausgerechnet dort an?

Tanja Karmann: Ich bin im Saarland geboren und habe bis vor zwei Jahren dort gelebt. Auch wenn ich nun vier Kilometer über die Grenze gezogen bin, bin und bleibe ich Saarländerin mit Leib und Seele. Deswegen darf ich auch weiterhin Poprätin sein, also Mitglied im PopRat Saarland e.V.

Ich wollte die Handlung für meinen ersten Fantasy-Roman nicht an einem mir unbekannten Ort spielen lassen, sondern in einer Gegend, die mir vertraut ist, und an das Nordsaarland im Allgemeinen und Noswendel im Besonderen habe ich einige sehr schöne Erinnerungen. Außerdem ist die Gegend abgelegen genug, dass man sich zumindest vorstellen kann, dass der Mitternachtsladen dort tatsächlich existiert. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass sich „mein“ Noswendel nicht 1:1 mit dem realen deckt.

Namida Magazin: Bei deinen Lesungen liest du die Szene vor wo Lina einen magischen Schokoriegel im Mitternachtsladen kauft. Anschließend verteilst du auch besagten "magischen" Schokoriegel an deine Zuhörer. Glaubst du an Magie? Könnte es den Mitternachtsladen und die Anderswelt geben? 

Tanja Karmann: Ich glaube nicht, dass es Magie im Harry-Potter-Style gibt. Leider. Auch einige der Dinge, die Lina im Laufe des Buches erlebt, sind rein meiner Phantasie (oder auch meiner Wunschvorstellung) entsprungen. Allerdings bin ich schon davon überzeugt, dass es Kräfte gibt, die wir nicht sehen können.
Im Mitternachtsladen wollte ich aber den Blick auch auf eine andere Art von Zauber lenken, nämlich die allen Menschen und der Natur innewohnende Schönheit, die sich uns offenbart, wenn wir darauf achten.

"Magische" Schokoriegel aus dem Mitternachtsladen gibt es nur exklusiv bei Lesungen von Tanja Karmann.

Namida Magazin: Du beschreibst u.a. die Stadt Trier in der Anderwelt. Dort sieht die Stadt wie das antike Trier aus. Wärst du gern eine Zeitreisende und würdest auch ins alte Trier reisen? 

Tanja Karmann: Wenn man im Saarland zur Schule geht, lernt man zwangsläufig eine ganze Menge über das antike Trier, und so hatte ich fast automatisch beim Übertritt in die Anderwelt das Bild des römischen augusta treverorum vor Augen. Außerdem hatte ich somit die Gelegenheit, mein Wissen aus dem Studium anzubringen: Ich bin Kulturwissenschaftlerin und habe im Zuge dessen auch einige Seminare der Vor- und Frühgeschichte besucht.
Ja, in die Antike würde ich auf jeden Fall reisen wollen! Aber auch ins europäische Mittelalter, hier hat mich schon immer die Zeit der Kreuzzüge fasziniert. Spannend fände ich es auch, noch weiter zurückzureisen und das alte Sumer zu sehen.

Namida Magazin: Wie sieht dein Schreiballtag aus? In deinem Fantasy-Debüt beschreibst du Orte sehr genau. Warst du dort schon überall oder wie recherchierst du?

Tanja Karmann: Ich bin noch freiberuflich als Tänzerin aktiv, mache PR für den saarländischen Conte-Verlag und bin Mutter einer fast vierjährigen Tochter, da kann man von Alltag kaum sprechen. Wenn alles nach Plan läuft, schreibe ich an Wochentagen morgens eine gute Stunde, sobald alle aus dem Haus sind, und natürlich versuche ich auch, mir darüber hinaus noch Schreibräume zu schaffen, insbesondere wenn eine Deadline ansteht oder mich eine Idee so packt, dass ich einfach schreiben muss.

Nein, ich war leider noch nicht an allen Orten, die ich im Mitternachtsladen beschreibe, habe aber zu allen einen direkten Bezug: z.B. war ich schon einmal in einer bestimmten Stadt, aber nicht genau an derselben Location. Zum Glück gibt es das Internet, da kann man viel herausfinden. In speziellen Fällen habe ich mir Rat von Freunden geholt – oder auch von Fremden in speziellen Foren.
 
"Der Mitternachtsladen - Verbundene Welten" von Autorin Tanja Karmann

Namida Magazin: Ohne zu viel verraten zu wollen, aber in deinem Roman kommen auch Pferde- und Kampfszenen vor. Reitest du selbst und wie hast du die Kampfszenen geschrieben? 

Tanja Karmann: Nein, leider kann ich nicht reiten und bis auf einen geführten Ausritt vor vielen Jahren auf dem Kaltblüter einer Freundin habe ich auch noch nie auf meinem Pferd gesessen. Das steht aber auf jeden Fall auf meiner Bucket List!
Zum Glück ist meine Lektorin Mona Gabriel eine versierte Reiterin und sie hat den ein oder anderen Fehler und so manche romantische Vorstellung revidiert.

Die Kampfszenen waren ein Alptraum. Ich hätte mich am liebsten davor gedrückt, aber natürlich kam ich nicht darum herum. Zum Glück bin ich seit Jahren Liverollenspielerin, d.h. ich treffe mich am Wochenende mit Gleichgesinnten, ziehe mir eine Gewandung an und tue so, als wäre ich jemand anderes, meist vor einem mittelalterlich-phantastischen Hintergrund. Da auf diesen LARPs auch gekämpft wird, musste ich mir „nur“ meine Erlebnisse ins Gedächtnis rufen und aufschreiben. Um den Überblick im Kampfgetümmel zu behalten, habe ich auf meinem Schreibtisch kleine Gegenstände hin- und hergeschoben. Schließlich musste ich immer wissen, wer wo war und mit welcher Waffe gegen wen kämpfte. Vielleicht sollte ich dem Beispiel meines Kollegen Bernhard Hennen folgen und mir ein paar Zinnfiguren zulegen.
 
Die "Quittungen" aus dem Mitternachtsladen" dienen der Autorin als Autogrammkarten.

Namida Magazin: Wow! Tänzerin und Liverollenspielerin - du hast viele Interessen und Talente. 
War dann was "mit Büchern machen" bereits dein Berufswunsch als Kind? 

Tanja Karmann: Ich kann mich offen gesagt gar nicht erinnern, was ich als Kind werden wollte. Jedenfalls wollte ich nicht „schon immer“ Autorin werden und ich kann auch nicht mit Geschichten aufwarten, die ich als Kind geschrieben hätte. Obwohl ich mal als etwa 8-jährige angefangen habe, alle möglichen Umwelttipps auf meiner Schreibmaschine abzutippen, um sie als Buch zu veröffentlichen. Als Teenager habe ich mit meiner damaligen besten Freundin davon geträumt, eine Buchhandlung mit angeschlossener Teehandlung und Café zu eröffnen, was mir ja mit dem Drachenwinkel zumindest ansatzweise gelungen ist. Ansonsten habe ich mich in meinem Leben gern treiben lassen und immer geschaut, welche Gelegenheit sich gerade bietet.

Namida Magazin: Hier in Saarbrücken spüre ich überall das französische Flair in der Stadt. Empfindest du das auch so? Seid ihr im Saarland, auch durch die bewegte Geschichte, mehr mit Frankreich verbunden?

Tanja Karmann: Das sagen viele, wobei es einem als Saarländer gar nicht so auffällt – das französische Element gehört bei uns eben einfach schon zum Alltag. Kein Wunder, immerhin gehörte das Saarland in seiner Vergangenheit öfter zum französischen Hoheitsgebiet. Und heute? Fährt der Saarländer rüber ins „Cora“ zum Einkaufen und an französischen Feiertagen hört man überall auf der Bahnhofstraße (der Einkaufsmeile in Saarbrücken) französische Gesprächsfetzen. Viele Saarländer wohnen auch im grenznahen Frankreich und pendeln jeden Tag nach Deutschland. Außerdem trinkt der Saarländer gern mal einen Crémant d’Alsace statt eines schnöden Sektes und feiert jedes Jahr mit dem Primeurfest den neuen Beaujolais-Wein. Mit dem Perspektives haben wir auch ein einmaliges deutsch-französisches Kulturfestival. Ja, ich würde sagen, wir sind sehr mit Frankreich verbunden – bis hin zur Sprache: Bei uns geht man auf dem trottoir, bewahrt sein Geld im portemonnaie auf und deckt sich mit einem plumeau zu.

Namida Magazin: Vielen Dank für das Interview und deine Saarbrücken Tipps. Schade, dass ich es nicht mehr in den Pub Baker Street geschafft habe. Das victorianische Flair bei ein paar Sandwiches und Scones gönne ich mir dann halt beim nächsten Besuch in Saarbrücken. :)

Blick von der Alten Brücke in Saarbrücken auf die Schlosskirche auf dem Saarfelsen

Die anschließende Lesung am Lagerfeuer war einfach toll - und das schreibe ich nicht nur, weil ich beim Verlag arbeite. ;) Tanja liest verschiedene Szenen aus dem Buch vor, verteilt ihre "magischen" Schokoriegel und verrät die ein oder andere Anekdote zum Buch. Wer nun auch Lust auf eine Lesung von Tanja Karmann bekommen hat, findet die Termine auf ihrer Homepage.

Die drei nächsten Lesungen der Autorin:

Wann? 19. August 2018, 11:30 Uhr
Wo? Phantasie- und Mittelaltertage, Deutsch-Französischer Garten, Saarbrücken

Wann? 22. August 2018, 17 Uhr
Wo? Pressezentrum Pfälzischer Merkur, Hauptstr.51, 66482 Zweibrücken
(bitte vorab reservieren unter 06332 – 800012)

Wann? 10. Oktober 2018, ab 19 Uhr
Wo? Thalia Limburg, Neumarkt 3-5, 65549 Limburg an der Lahn


Es leuchtet im Dunklen. :)


Informationen zum Buch: 

Bei Dunkelheit zeigen sich fluoreszierende Elemente auf dem Buchumschlag.

ISBN: 978-3-96131-065-4

Preis: 16,95 € [D]; 17,50 € [A]

Hardcover, 336 Seiten, Lesealter 14+

Erhältlich im Buchhandel, bei Amazon und im familia Shop.


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