Sonntag, 2. Dezember 2018

Mexiko Teil 5: Auf den Spuren der Haciendas - Ein Ausflug zum Landgut Yaxcopoil*

Während des Henequén-Booms gab es über 180 Haciendas auf der Yucatan-Halbinsel. Die Sisalplantagen waren eine Mischung aus traditionellen, kolonialen Landgütern und modernen, auf den Weltmarkt ausgerichteten, Produktionsstätten. Bei einer Tour südlich von Mérida kann man etliche Ruinen bzw. restaurierte Haciendas besichtigen. Wir haben uns die Hacienda Yaxcopoil auf dem Weg nach Campeche angeschaut.

Die Hacienda Yaxcopoil südlich von Mérida


Wir sind nach dem Frühstück gegen halb 10 aufgebrochen. Auf den Straßen war wenig Verkehr. Kein Wunder bei den schlechten Straßenverhältnissen. Teilweise gab es keine Asphaltstraßen, sondern nur sandige Schotterpisten (zwischen der Hacienda Sotuta de Peón und Temozin).
Es war mühsam den großen Baufahrzeugen und Trucks auf der schmalen Piste auszuweichen In den heruntergekommenen Dörfern sahen wir oft die Reste verfallener Torbögen, die darauf hindeuteten, dass hier einst der Eingang zu einer prächtigen Hacienda gewesen sein muss. Streckenweise konnten wir nicht schneller als 20 km/h fahren. Das war den noch immer schlechten Straßenverhältnissen mit tiefen Schlaglöchern und den Topes (Bodenschwellen) geschuldet. Am Straßenrand verbrannten Menschen riesige Müllberge. Wir waren froh, dass wir auf dieser Strecke keine Panne hatten und freuten uns, als wir bald auf eine Hauptstraße mit richtigem Asphalt kamen.


Nebeneingang zur Hacienda Yaxcopoil


Die Hacienda Temozón - ein Luxushotel im Elendsviertel


Die Umgebung hatte im August 2018 wenig zu bieten: schlechte Straßenverhältnisse, mit größeren Schlaglöchern als auf Kuba, hohe Müllberge, ein paar kleine Weiler mit Kiosken und den obligatorisch aufgemalten Coca Cola Bildern. Schlicht weg eine Gegend, wo man abends nicht gern rausgehen möchte. Warum wird hier eine alte Hacienda zum Luxushotel umgebaut? Welche Art von Gästen nimmt die beschwerliche Anreise in Kauf?

Die Hacienda Temozón, die auf dem Weg lag, wurde bereits restauriert und nach zweijähriger Bauzeit als Hotel wieder eröffnet. Von der Straße erkennt man leider nur das Haupttor. Nicht-Hotelgäste dürfen nur nach vorheriger Anmeldung auf die Anlage und bspw. im Restaurant speisen.
Früher wurde auf der über 6000 ha großen Hacienda Viehzucht  betrieben, ab dem 19. Jahrhundert dann auch Sisal hergestellt. Leider brannte 1900 der Großteil der Plantage ab. In den 1920er Jahren kam es aufgrund der mexikanischen Landreform zu einer teilweisen Enteignung.


Die Hacienda Yaxcopoil


Die Hacienda Yaxcopoil ist bereits auf der Bundesstraße ausgeschildert. Für die rund 30 Kilometer benötigten wir eine dreiviertel Stunde. Wir stellten unseren Mietwagen einfach auf der Wiese vorm Maschinenhaus ab und liefen zur Werkstatt. Dort stehen noch immer die alten Maschinen. Zum Beispiel ein 110 PS Dieselmotor der deutschen Firma Körting (Baujahr 1913). Dieser war noch bis 1984 in Betrieb. Wir hatten Glück und das Tor war noch geöffnet, ansonsten erledigen dies gern die Angestellten der Hacienda für ein kleines Trinkgeld. Wir liefen weiter zum Innenhof der Werkstätten und machten ein paar Fotos. Anschließend schlenderten wir durch den prächtigen Garten zum Haupthaus. Der Gärtner wies uns den Weg zur Kasse, wo wir den Eintritt von 100 mex. Pesos bezahlten und ein Informationsblatt auf Englisch erhielten.Dort erfuhren wir u.a.:

Der Großgrundbesitz kann auf das 17. Jahrhundert zurück datiert werden. Yaxcopoil bedeutet in der Mayasprache "der Platz der grünen Espen". Der Ort vereint die drei großen Epochen Mexikos: die vorspanische Mayazeit, die Zeit der spanischen Kolonisation und die Zeit des Sisal-Booms. Unser Tourguide in der Hacienda Sotuta de Peón sprach ja nur von 2 großen Epochen. Sicherlich ein bisschen Ansichtssache, ob man die Kolonialisierung als große Epoche betrachtet. Mit einer Ausdehnung von mehr als 22.000 Morgen (1 Morgen entspricht ca. 4047 qm) war es eines der größten Landgüter Yucatans. Neben der Henequén Plantage gab es auch eine Rinderzucht. Durch die mexikanische Landreform wurde das Gut auf weniger als 3% seiner urprünglichen Größe geschrumpft.

Das Hauptgebäude (casa principal) besteht aus einem langen Foyer, einem Salon und geräumigen Fluren mit hohen Decken umgeben von einem großen Garten mit einer unzähligen Vielfalt und Farbenpracht. Die alten, aus Europa importierten Möbel, können noch heute besichtigt werden und verleihen dem Ort seine Atmosphäre. Am Eingang hängen zwei Ölgemälde, die Don Donaciano García Rejón und seine Ehefrau zeigen. Sie haben 1864 die Hacienda erworben. Seit dem wurde das Gut bis heute von den Eltern an die Kinder vererbt. Der heutige Besitzer ist ein Nachfahre von Don Donaciano und seiner Frau Mónica. Im Büro werden ein paar Bücher, Landkarten und Dokumente sowie andere Sammelstücke von der Gutsverwaltung gezeigt.

Die Werkstatt und das Lagerhaus sind mit neoklassischen Säulen und vier Skulpturen, die die Jahreszeiten repräsentieren, verziert. Wenn man vom Maschinenraum weitergeht, können weitere Gebäude, wie die Schule, das Krankenhaus, ein Geschäft und die Häuser der Belegschaft, angeschaut werden. Ein besonderer Blickfang ist der doppelte maurische Torbogen, der den einstigen Reichtum der Besitzer zeigt. Aufgrund der schönen Architektur diente der Ort als reizvoller Drehort für verschiedene Kino- und TV-Produktionen.

Maschinenraum

Sisal-Agaven Verkleinerer


deutscher Dieselmotor

Werkstätten - rechts davon steht das Lagerhaus

Eingangsbereich mit den Gemälden von Don Donaciano und seiner Frau


Viehhof (Corrales)


Besucherinformationen:

  • Öffnungszeiten: Montag-Samstag von 8.00-18.00 Uhr; Sonntag von 8.00-15.00 Uhr; das gesamte Jahr über
  • Service: Es gibt Hacienda-Touren, ein Maya-Museum, eine Pension, Toiletten, ein Souvenirshop (wo es auch Getränke zu kaufen gibt) und Parkplätze (beim Maurischen Tor oder einfach auf der Wiese ^^).
  • Anreise: Die Entfernung von Mérida beträgt 33 Kilometer (ca. 30-45 Minuten mit dem Auto). Nehmt die Bundesstraße 261 in südwestlicher Richtung nach Uxmal, die Hacienda liegt bei Kilometer 186.
  • Plant ca. 1 Stunde Zeit ein und nehmt euch eine Flasche Wasser und Ersatzkleidung mit. Nach der einen Stunde waren wir total durchgeschwitzt.
Hacienda Yaxcopoil

Tipps für eine Hacienda Tour südlich von Mérida


Wir haben Mérida nicht angefahren, weil es uns nicht in hässliche Großstädte zieht. Aber die Flug- und Busverbindungen nach Mérida sind gut ausgebaut und wohl auch günstig zu haben. Daher eignet sich die Stadt gut für Tagesausflüge in den Süden - zu den Haciendas oder zur Ausgrabungsstätte Uxmal. Ausgangspunkt  ist die mautfreie Bundesstraße MEX 261 (Puuc-Route) Richtung Uxmal. Die Strecke ist ca. 200 km lang und laut Reiseführer soll man zwei Tage für die Hacienda-Tour einplanen. Da etliche restaurierte Landgüter als Hotel wieder eröffnet wurden, lohnt es sich in einer Hacienda zu übernachten. Nicht jede Hacienda ist für Tagesgäste geeignet, da nur Hotelgäste Zutritt erhalten. Wir haben drei Haciendas besichtigt: Die Hacienda Sotuta de Peón (einzig betriebsbereite Sisalplantage auf Yucatan, Tour für Tagesgäste möglich, Hotelanlage und 2 Restaurants); die Hacienda Temozón (nur das Tor des Luxushotels) und die hier beschriebene Hacienda Yaxcopoil.


Weitere Haciendas:

 
Zu den bekanntesten Haciendas der Region, die heute als Hotel oder Luxus-Spa fungieren, gehören u.a.: 
  • Die Hacienda Santa Rosa soll die schönste ehemalige Hacienda Yucatans sein. Heute ist das Landgut ein Luxushotel und eine Übernachtung kostet um die 360 US Dollar.
  • Die Überreste der Haciendas in Chunchucmil und Uayalceh liegen mitten im Ort und sind frei zugänglich. Laut Reiseführer bietet sich die Dorfjugend als Reiseführer an und die Besitzverhältnisse der Landgüter sind ungeklärt.
  • Die Haciendas Petac und Sac Chic wurden zu Ferienhäusern umgebaut.
  • Die Hacienda Ochil ist ein Restaurant und auf Tagesgäste eingestellt. Es gibt einige Geschäfte mit Kunsthandwerksläden, restaurierte Werkstätten und eine Cenote zum Baden.
  • Auch die Hacienda Chichén, ein Luxus- sowie Wellnesshotel und Naturschutzgebiet in unmittelbarer Nähe der archäologischen Stätte Chichén Itzá, lohnt sich für ein Besuch. Es handelt sich bei ihr um die älteste Hacienda Yucatáns. Das Restaurant ist leider sehr teuer und hat spezielle Gerichte. 
  • Weitere Haciendas findet ihr hier.

 

Reiseführer Tipp: Yucatán & Chiapas von Hans-Joachim Aubert aus dem DUMONT Verlag*


Wenn ein Reiseführer mit einem Vorwort und persönlichen Tipps des Autors beginnt, bin ich schon von dem Buch gefesselt und schaue es mir genauer an. Ich habe etliche Reiseführer über Mexiko gelesen und kann nicht sagen, dass einer schlechter oder besser geeignet ist. Es kommt immer auf den Reisestil und eure Interessen an. Nicht in jedem Reiseführer steht etwas zu den Haciendas drin. Aber im Reise-Taschenbuch von DUMONT sind ein paar näher beschrieben und daher eignet sich dieses Buch bestens zur Planung einer Hacienda-Tour. Während der Lonely Planet Mexiko eher für Backpacker geeignet ist, bietet sich das DUMONT-Reise-Taschenbuch für Individualtouristen an. Am Anfang des Buches gibt Daten, Essays und viel Hintergrundwissen. Dann werden die einzelnen Regionen in Abschnitte gegliedert, angefangen über Cancún, über die Riviera Maya, bis hin zur Golfregion und dem Bundesstaat Chiapas, wo auch die Ausgrabungsstätte Palenque liegt. Zwischendurch gibt es Exkurse, "Entdeckungstouren" genannt, die besondere Themen oder Sehenswürdigkeiten herausgreifen und näher beschreiben.
Der Reiseführer kostet 17,99 EUR, ist Ende Januar 2018 erschienen, umfasst knapp 300 Seiten und wiegt weniger als ein halbes Kilo - somit perfekt für Koffer und Rucksack. Die ISBN lautet: 9783770175536.

*Offenlegung: Der Reiseführer wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Nach unserem Zwischenstopp ging es weiter zur Ausgrabungsstätte Uxmal. Die Nacht haben wir dann in Campeche am Golf von Mexiko verbracht. Aber das sind schon neue Abenteuer, die ich euch in den folgenden Tagen erzählen werde.

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