Sonntag, 21. Januar 2018

Zypern Teil 5: Der Westen - Pétra tou Romioú & Páfos

Als ich las, dass Páfos "Europäische Kulturhauptstadt 2017" war, hatte die Stadt im Westen Zyperns mein Interesse geweckt und ich wollte sie mir um jeden Preis ansehen. Wann würde ich schließlich wieder die Gelegenheit bekommen eine Kulturhauptstadt genau zum passenden Zeitpunkt zu besuchen. Auf dem Weg lag der Aphrodite Rock, auch bekannt als Pétra tou Romioú. Hier entstieg Aphrodite, die "Schaumgeborene" dem Meer.



Aphrodite's Geburtsstätte: Pétra tou Romioú


Bereits im letzten Reisebericht über die geteilte Hauptstadt Nikosia erzählte ich euch von den vielen verschiedenen Epochen und Besatzer auf Zypern. Darunter auch die Griechen und so gilt dieser markante Felsen an Zyperns Westküste als "Stein der Griechen". Hier soll Aphrodite dem Meer entstiegen sein. Heute ist der Strand ein beliebtes Fotomotiv und Ausflugsziel.
Als wir in Skarinou, wo wir unsere Ferienwohnung gemietet hatten, aufbrachen, war der Himmel noch wolkenverhangen. Zum Glück besserte sich das Wetter je weiter wir gen Westen fuhren und so brannte am Felsen der Aphrodite die Sonne wieder auf unseren Köpfen. Von der Autobahn biegt man für wenige Meter auf die Landstraße ab, wo sich dann auf der linken Seite ein kostenloser Parkplatz befindet. Neben einem Souvenirshop mit Bistro, Toiletten und Umkleidekabinen befindet sich dort auch eine Unterführung zum Strand. Die Beliebtheit des Strandes unter Touristen drückt sich auch in den Preisen aus. Souvenirs oder Kleidung, wie etwa Basecaps, sind dort doppelt so teuer wie etwa in Agía Nápa gewesen.
Wir ließen den Strand und die stürmische Brandung auf uns wirken, ich breitete mein Handtuch, setzte mich in den Schatten der Felsen und Basti nahm sich die Kamera, um auf gleichen zu klettern und Fotos von oben zu schießen. Ich beobachtete in der Zwischenzeit ein Hochzeits-Fotoshooting am Strand. Als mir Basti die Kamera wieder brachte, schoss ich auch noch ein paar Fotos: 

Blick auf den Strand von Pétra tou Romióu

Obwohl die Wegweiser nach links zeigen, sollte man erst rechts auf die Landstraße abbiegen.

Das azurblaue Wasser fasziniert


Der berühmte Aphrodite Rock auf Zypern


Tipp: Der Aphrodite Rock eignet sich hervorragend als Fotomotiv. Als Einkehr für ein Mittagessen oder für einen ganzen Strandtag ist dieser Ort sicherlich nicht die beste Wahl, da es viel zu teuer ist und es am Strand kaum Schatten gibt, zudem ist die Brandung sehr stark.

Der archäologische Park von Páfos


Nach einer Stunde setzten wir unsere Fahrt Richtung Páfos fort. Die Fahrt ging weiter am Meer entlang, an blühendem Oleander und etlichen Palmen. Es herrschte viel Verkehr auf den Straßen, aber die Straßenführung war durch Kreisverkehre und Ampeln gut geregelt. Als wir am Archäologischen Park ankamen, stellten wir unseren Mietwagen auf dem Parkplatz davor im Schatten eines schmächtigen Baumes ab. An der Kasse bekamen wir auch eine Karte des Parks mit all seinen Ruinen aus fünf verschiedenen Epochen:
  • Hellenistische Epoche (310-30 v. Chr. / 30 v. Chr.-330 n. Chr)
  • Römische Epoche (30 v. Chr.-330 n. Chr)
  • Frühchristliche Epoche (330-650 n. Chr.)
  • Fränkische Epoche (1191.1489 n. Chr.)
  • Osmanische Epoche (1571-1878 n. Chr.)

Der Park befindet sich auch am Meer, bietet aber längst nicht so eine atemberaubende Aussicht die Ausgrabungsstätte in Koúrion. Der Park ist sehr groß, was uns vorher nicht so bewusst war. Trotz unseres zwei stündigen Aufenthaltes haben wir nur knapp die Hälfte gesehen. Die Überreste der Häuser zeigen wunderschöne und filigrane Bodenmosaiken. Einige Ruinen sind überdacht, um die wertvollen Funde vor den Elementen  und der Witterung zu schützen.

Das Haus des Dionysos entdeckte ein Bauer per Zufall in den 1950er Jahren. Die Bodenmosaike aus dem 3. Jahrhundert nach Christus zeigen Bilder aus der griechischen Mythologie. Wie die abertausend kleinen Steinchen nach Zypern gekommen sind, können die Wissenschaftler nicht zu 100% sagen. Es könnte aber sein, dass die Motive in Alexandria entworfen und nach Páfos per Schiff gebracht wurden. Auf mehreren Mosaiken ist der Weingott Dionysos abgebildet. Man vermutet das der Bauherr eine besondere Vorliebe dafür hatte. Insgesamt hat der Archäologische Park 22 Ruinen, die angeschaut werden können. Darunter befinden sich frühchristliche Kirchen, Katakomben, Amphiteather, das Haus des Orpheus und Theseus, eine  Festung sowie mittelalterliche und osmanische Bäder. In guten Reiseführern erhält man detaillierte Beschreibungen der einzelnen Überreste.
Am besten hat mir die Saránta Kolónes, eine byzantinische Burg aus dem 7. Jahrhundert mit "40 Säulen" gefallen. Sie fiel 1222 einem Erdbeben zum Opfer.

Villa des Theseus

Bodenmosaike

Bodenmosaik im Haus des Dionysos

Haus des Dionysos: Raum 8: Zeus in Gestalt eines Adlers, der Ganymed auf den Olymp entführt.

 Saránta Kolónes, eine byzantinische Burg aus dem 7. Jahrhundert

Das Odeon mit dem Leuchtturm im Hintergrund

Tipp: Für einen kompletten Rundgang sollte man 3-5 Stunden einplanen, je nach Interessenlage und ob man mit oder ohne Kind unterwegs ist. Es gibt nur einen Haupteingang, aber mehrere Ausgänge, so muss man nicht immer den weiten Weg zum Eingang zurücklegen. Der Eintritt kostete im Oktober 2017 4,50 EUR/Person.

Der Hafen und das Hafenkastell


Nach unserem gut zwei stündigen Rundgang hatten wir ehrlicherweise keine rechte Lust mehr noch die Ruinen aus der frühchristlichen Epoche "abzuhaken" und so nahmen wir eine Abkürzung zum Ausgang. Da es bereits 17 Uhr war, liefen wir in Richtung Hafen, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Vom Archäologischen Park sind es nur wenige Schritte bis zur Hafenpromenade an dessen Ende ein Kastell aus dem 16. Jahrhundert steht. Sie wurde 1592 von den Osmanen erbaut. Leider schließt die Anlage bereits um 17 Uhr für Besucher und so blieb uns noch der Blick von außen.

Im Hafen von Páfos

Páfos - Kulturhauptstadt 2017


Hafenkastell in Páfos aus der osmanischen Epoche

Hafenkastell in Páfos vom Strand aus 

Spaziergang am Strand


Die Sonne hatte nicht mehr viel Kraft, aber wir wollten trotzdem die letzten warmen Strahlen des Tages genießen und entschlossen und zu einem Strandspaziergang. An der langen Promenade waren verschiedene Kunstwerke, die im Rahmen der Kulturhauptstadt 2017 entstanden waren, aufgebaut. Dabei handelte es sich immer um die gleiche Grundfigur: Das Idol von Pomos - ein Fruchtbarkeitssymbol aus der Kupfersteinzeit.

Das Idol von Pomos:Dargestellt ist eine weibliche Figur mit ausgebreiteten Armen und angewinkelten Knien. Mehrere dieser Figuren wurden auf Zypern in der Nähe des Dorfes Pomos entdeckt. Die Exponate werden auf ca. 5000 Jahre geschätzt und sind derzeit in Nikosia im  Archäologischen Museum ausgestellt. Da diese Zeugnisse von einer Kultur stammen, die es nur auf Zypern gab, wird dieses Symbol auch auf den 1 und 2 Euro Münzen abgebildet.

Dieses Projekt trug den Namen "Signs in Time and Space - Views of Infinity". Die einzelnen Kunstwerke trugen unterschiedliche Botschaften und thematisierten mehrfach den Zypernkonflikt - natürlich nach griechisch-zyprischer Auffassung mit den türkisch Zyprioten als Verursacher des Konfliktes. Hier eine Auswahl an Fotos: 

"Idol von Pomos"-Kunstwerk am Strand von Páfos

Kunstwerke in Páfos - Europäische Kulturhauptstadt 2017

Strandpromenade in Páfos
Sonnenuntergang am Strand von Páfos



Fazit: Sowohl der Archäologische Park als auch der Hafen mit dem osmanischen Hafenkastell sind ein Besuch wert. Die Fußgängerzone an der Hafenpromenade ist hübsch zurecht gemacht worden und etliche Bars, Cafés und Restaurants laden zum Verweilen und aufs Wasser gucken ein. Abseits des Hafens ist Páfos nicht besonders schön anzusehen. Dort hatte Páfos rein gar nichts von dem Charme einer Europäischen Kulturhauptstadt. (Liste der Europäischen Kulturhauptstädte

Unmengen am Leuchtreklame an den Hausfassaden wiesen daraufhin, dass Immobilien gemietet bzw. gekauft werden können - oft sogar auf russisch oder chinesisch. Dazu muss man wissen, dass Páfos eine der ärmsten Städte ist, die je zur Kulturhauptstadt gewählt wurden. Daher sind reiche Russen als Investoren auf der Insel gern gesehen. Wer auf Zypern in Immobilien, Unternehmen oder Staatsanleihen investiert, kann die Staatsbürgerschaft Zyperns beantragen und sich somit in der gesamten EU frei bewegen. Die Voraussetzung sind 2 Mio. Euro Kapital und keine Vorstrafen. Bislang hat die zypriotische Regierung 2.000 Pässe an ausländische Investoren verteilt. Und so scheint es, dass Russen allgegenwärtig auf Zypern sind. In Restaurants sind die Speisekarten u.a. auf russisch und in Museen gibt es auch immer Prospekte in russischer Sprache.

Kommentare:

  1. Liebe Myriam,
    den Titel Kulturhauptstadt hat dieser Ort mehr als verdient.
    Griechenland insgesamt hat eine beeindruckende Geschichte, Zypern ganz besonders.
    Deine wunderschönen Fotos wecken die Reiselust.
    Man kann nur hoffen, dass sich die Völker nicht NUR vom Geld verführen lassen, stattdessen ihre Kultur bewahren.
    Danke für den ausführlichen Post.
    Liebe Grüße von Heike

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    1. Liebe Heike,
      vorallem fand ich die Zyprioten sehr entspannt und freundlich. Das hat mir sehr gefallen. Die Natur war auch atemberaubend, die schönste Wanderung habe ich mir zum Schluss aufgehoben, da kommt der Reisebericht erst noch. :)

      Liebe Grüße
      Myri

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