Sonntag, 28. April 2019

Müssen wir jetzt alle plastikfrei, vegan und CO₂-neutral leben, um unsere Erde zu retten?*

Ich schaue aus dem Küchenfenster im Innenhof und sehe, dass die zwei gelben Tonnen wieder überquillen und ich keine Chance habe meinen Müllsack da noch reinzuquetschen. Die zwei Gemeinschaftstonnen reichen nicht für die 14 Wohneinheiten unseres Hauses aus. Ein normaler Wocheneinkauf im Discounter geht nicht ohne in Plastik verpackte Lebensmittel zu kaufen. Auch wenn ich reise, sehe ich hohe Müllberge am Straßenrand, verdreckte Parks und Strände. Plastik scheint überall zu sein. Seit ich auf der Fashion Revolution in Leipzig war, beschäftige ich mich wieder mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit und da kommt man auch an plastikfrei leben nicht vorbei. Zufällig entdeckte ich das Buch #Einfach plastikfrei leben von Charlotte Schüler, fand es interessant und habe es beim Bloggerportal angefordert. Im ersten Teil meines Blogbeitrags werdet ihr meine eigenen Gedanken zum Thema lesen und im 2. Teil rezensiere ich das Buch.

Einfach plastikfrei leben - Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Alltag

*Anzeige/Werbung: Dieser Beitrag enthält eine Rezension zum Buch #Einfach plastikfrei leben von Charlotte Schüler aus dem Südwest Verlag. Dieses Buch wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt.


Einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil zu führen, sollte eigentlich das Ziel der meisten Menschen sein, allerdings ist das in der Praxis nicht so. Ich möchte nicht mal unterstellen, dass dies mit bewusster Absicht geschieht. Vielmehr hindert uns unser stressiger Alltag in der Großstadt, bzw. generell das Leben in Industrienationen daran wieder zur Natur zu finden und mit ihr im Einklang zu leben.

Es gibt eine Reihe von schlechten Lebensmitteln, die wir überall herbekommen, sei es im Fast Food Restaurant oder im Disounter. Sehr viele Waren sind in Plastik verpackt und/oder werden aus Dritte Welt Ländern zu Spottpreisen importiert. Wo man auch hinschaut, findet man Probleme und Dinge, die uns und der Umwelt schaden. 

Aber eine radikale Veränderung ist auch nicht drin. Jedenfalls nicht, wenn wir unseren gewohnten Lebensstil beibehalten wollen. Und überstürzter Aktionismus ist in der Regel auch nicht von Dauer. 
Also kann eine positive Veränderung nur langfristig erreicht werden und durch ein Umdenken der gesamten Gesellschaft. 

Nutze deinen Kassenzettel als Stimmzettel!


Diese kurze Aufforderung habe ich auf Instagram gelesen und sie drückt in fünf Worten das aus, was ich sonst hätte lange erklären müssen. Ihr werdet wahrscheinlich denken: "Was kann ich schon bewirken?" Erst einmal vielleicht nicht viel. Aber: Wenn jeder mit einer Kleinigkeit anfängt und z. B. im Supermarkt die Gurken kauft, die nicht in Plastik verpackt sind, dann werden sich die Produzenten darauf einstellen. Denn sie werden sehen, dass ihre Plastikgurken einen geringeren Absatz haben werden. Die Folge ist, dass sie sich auch nach Alternativen umsehen müssen, wenn sie keine Einbußen hinnehmen möchten. 

Früher wurden neue Produkte einfach "auf den Markt geworfen" und anschließend wurde darüber nachgedacht, wer die eigentliche Zielgruppe für das neue Produkt ist. Das ging solange gut, solange wir noch keine Konsumgesellschaft waren, die alles im Überfluss hat und eigentlich von allem gesättigt ist.

Heute wird zunächst geschaut, wo Bedarf an neuen Produkten besteht. Wo gibt es einen Bereich in dem es eine steigende Nachfrage gibt, aber noch ein zu geringes Angebot. Dies sind Wachstums- und Trendmärkte, die eine zunehmende Anzahl an Käufern vermuten lassen. Allein schon durch den technischen Fortschritt werden Produkte und Dienstleistungen von neuen abgelöst.

Und das ist unsere Chance eine positive Veränderung herbeizuführen.

Wie soll ich mit einem nachhaltigen, gesunden und ganzheitlichen Lebensstil anfangen?


Die große Frage vor der wir nun stehen, lautet: Wie und wo anfangen? Und vorallem in welchem Bereich? Es gibt so viele Möglichkeiten:

  • Plastikfrei leben
  • Sich gesund ernähen und auf Schadstoffe in der Nahrung verzichten
  • Sich vegetarisch/vegan ernähren
  • CO₂-neutral leben
  • Zucker- und/oder weizen- oder sogar glutenfrei leben
  • Kleidung aus faier Produktion kaufen
  • Unnötigen Konsum vermeiden
  • Friedlich und mich sich im Einklang leben 
  • Sich digitale Auszeiten nehmen
  • Wasserverbrauch reduzieren
  • Nachhaltig Reisen und vor Ort lokale Kleinunternehmen unterstützen
  • Die eigene regionale Wirtschaft unterstützen (buy local)
  • "Bienenfreundlich" leben
  • Für kurze Wege das Rad nehmen oder zu Fuß gehen
  • Im eigenen Garten selbst Gemüse anbauen und F1-Hybride-Samen vermeiden 
  • ...
Du kannst die Erde nicht allein und sofort retten. Und vielleicht musst du das auch gar nicht allein. Die Debatte ums CO₂ erinnert mich doch etwas an den Ablassbriefhandel im Mittelalter. Daher setze ich meine Prioritäten an anderer Stelle. Bereits vor Jahren habe ich mich eine längere Zeit mit Schadstoffen in unserer Nahrung befasst und mir Alternativen gesucht. Ich trinke keine Softdrinks mehr, die mit Aspartam gesüßt sind, würze mit Meersalz ohne Zusätze, benutze nur aluminiumfreies Deo, trinke Mineralwasser ohne Flourid und putze mir auch nur mit flouridfreier Zahncreme die Zähne. Wenn ich auf weizenhaltige Produkte verzichte, geht es mir gesundheiltlich besser. Dazu findet ihr hier einen Beitrag auf meinem Blog. Ich habe mich auch mit Detoxing beschäftigt, konnte es aber nicht erfolgreich in meinem Alltag integrieren. 

Nun möchte ich mir neue Ziele suchen, um mein Leben nachhaltiger zu gestalten. Nicht nur weil ich BWL studiert habe, weiß ich, dass es keine Konsumgesellschaft mit endlosem Wachstum (und der einher gehenden erhöhten Müllproduktion) geben kann. Wir sollten daher einlenken, bevor der nächste große Wirtschaftscrash kommt, denn nicht selten ging dieser in der Vergangenheit mit einem Krieg einher.

Meine zwei neuen Projekte, wenn man es so nennen möchte, sind den Plastikanteil in meinem Hausmüll zu verringern und mehr ökologische, nachhaltige, fairgehandelte Kleidung zu kaufen. Es sind nie 100%ige-Ziele. Ich möchte nicht, ab sofort nur noch plastikfrei leben und nur noch Öko-Klamotten tragen. Ich möchte vielmehr durch mein Kaufverhalten Einfluss nehmen und:
  • Nach und nach mehr plastikfreie Alternativen finden.
  • Nach und nach meine Kleidung durch nachhaltige Kleidung ersetzen.

Praktischerweise eröffnet im August ein Unverpackt-Laden in meinem Viertel und ich habe durch den Fair Fashion Bloggerwalk eine Menge Geschäfte kennengelernt, die in Leipzig Öko-Kleidung anbieten. Da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass die Kosten für nachhaltige Mode durchaus in der gleichen Preiskategorie liegen wie bspw. meine Fast Fashion, die ich gern bei Esprit und S.Oliver eingekauft habe. Denn bei aller Liebe zur Nachhaltigkeit muss jede/r auch schauen, ob man sich diesen neuen Lebensstil leisten kann und wie umsetzbar es ist. Wer auf dem Land lebt, wird nicht in den Genuss eines Unverpackt-Ladens kommen oder eine Boutique für nachhaltige Mode in der Nähe haben. Aber wer in einem Dorf lebt, hat vielleicht einen eigenen Garten und baut selbst Gemüse an. Dann muss er/sie im Sommer keine in Plastik verpackten Tomaten, Gurken und Co. im Supermarkt kaufen. Spargel kann im Frühjahr direkt beim Hofladen in der Gemeide gekauft werden - natürlich bringt man sich seinen Stoffbeutel mit. Das WC kann sogar mit gesammeltem Regenwasser gespült werden. Je nachdem wo und wie man lebt, sind unterschiedliche Dinge möglich.
Es bringt nichts, wenn dies alles nur ein Hype bzw. neuer Trend für Besserverdienende ist, die es sich ein besseres Gewissen leisten möchten.

Bereits kleine Neuerungen können eine große Wirkung haben.

Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Alltag - #einfachplastikfreileben


Gerade als ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, bin ich zufällig auf das Buch "#Einfach plastikfrei leben" von Charlotte Schüler gestoßen und vermutete zunächst ein typisches "Influencerbuch". Aber ich fand mich direkt in ihren Ansichten wieder. Daher habe ich nach einem Rezensionsexemplar beim Südwest Verlag gefragt.

Charlotte steht dafür es langsam anzugehen, keine "Crashdiät" zu machen. Wie ich bereits oben erwähnt habe, ist es unrealistisch von heute auf morgen zu 100% auf Plastik zu verzichten - ohne das gesamte Leben umzukrempeln. Effektiver ist es Produkte mit Plastikanteil dann gegen eine Alternative auszutauschen, wenn man sowieso ein neues Produkt benötigt. Dann kann man einfach nach Alternativen vor Ort oder im Internet suchen - am besten gleich welche nutzen, die auch länger halten. Denn dann amortisiert sich der möglicherweise höhere Preis. Allerdings muss man auch auf Schadstoffe in Plastikprodukten achten. Im ersten Teil des Buches erklärt die Autorin Basics rund ums Plastik und geht darauf ein, warum Kunststoffe so beliebt wurden, welche Schadstoffe, wie Weichmacher, enthalten sind und wie der Müll ins Meer gelangt. Ebenso interessant sind Charlottes leicht verständliche Erklärungen zu den verschiedenen Arten, wie Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere. Um diese zu verstehen, muss man sich nicht an seinen Chemieunterricht erinnern. Mit Thermoplaste werden dünne Kunststoffe bezeichnet. Aus diesen werden Becher, Verpackungen und Kleidung hergestellt. Je dünner oder lockerer, wie man es bezeichnen will, desto leichter können Schadstoffe austreten und sich kleine Partikel ablösen. In meinen Augen ist das gefährlicher als Hartplastik. Insgesamt problematisch ist, dass sich Kunststoffe nur sehr, sehr schwer in der Natur abbauen lassen. Der Begriff Bioplastik ist nicht geschützt und dementsprechend gibt es keine Regelungen wie und wie lange Bioplastik abgebaut werden müsste. Daher kommt auch Charlotte zu dem Schluss: Es muss sich etwas Grundsätzliches ändern. Wir müssen uns damit befassen, was aus unserem Müll wird und wie mehr recycelt werden kann.

Müll am Straßenstrand in Mexiko auf unserem Weg nach Calakmul


Sie erkärt den Recycling-Code und beschreibt, wie man selbst auf Verpackungen nachsehen kann, welche Art von Kunststoff verwendet wird. Oft handelt es sich um Verbundstoffe, die nicht mit der Hand voneinander getrennt werden können. 

Nach soviel Theorie möchte man aber endlich selbst loslegen und Plastik einsparen. Dazu hat die Autorin ein Vier-Punkte-Programm ausgearbeitet. Dieses kann jede/r von uns individuell im eigenen Tempo umsetzen. Es ist wie beim Sport. Manchmal liegt man lieber auf dem Sofa und isst Schokolade als zum Fitti zu gehen. Manchmal hat man auch keine Zeit, Lust und Geld auf plastikfreie Umstellungen. Die einzenen Schritte können sich der Reihe nach oder nach den Rubriken Lebensmittel, Haushalt, Bad, Unterwegs vorgenommen werden. So hat jede/r die Chance sich individuelle Aspekte herauszusuchen, die realistisch umgesetzt werden können. Ich finde diesen Ansatz der smarten Zielsetzung sehr gut. Bevor es mit dem ersten Schritt losgeht, gibts uns Charlotte noch 10 Tipps an die Hand. Gleich an erster Stelle: Es ist ein Prozess, der seine Zeit dauert und es auch Rückschläge geben kann.



In den nächsten Woche werde ich diese vier Schritte durchlaufen und über meine Erfahrungen berichten. Mal schauen wie viele schnelle, effektive Veränderungen ich dauerhaft umsetzen kann.

Für wen ist das Buch geschrieben/geeignet: Die Autorin ist Influencerin und auf Instagram aktiv. Ich denke, dass ihr Buch genau zu dieser Zielgruppe passt. Es ist für junge Leute geschrieben, die sich leicht und locker mit diesem Thema beschäftigen möchten ohne sich permanent mit einem erhobenen Zeigefinger konfrontiert zu sehen. Außerdem gefällt mir sehr, dass das Buch auf Apfelpapier gedruckt ist.

Da ich übrigens schon stets ein oder zwei Stoffbeutel in einem Rucksack für Einkäufe dabei habe, kann ich direkt zum nächsten Schritt übergehen und mir eine Bambuszahnbürste kaufen, wenn meine aktuelle ausgedient hat. Und da ich sowieso neue Reinigungsmittel einkaufen muss, schau ich hier mal nach Alternativen.

Was ist dein erster Schritt zu einem Leben mit weniger Plastik?

Kommentare:

  1. Hallo Myriam,

    danke für deinen tollen Beitrag. Ich habe mich mit diesem Thema auch schon öfters beschäftigt, aber wie du schon schreibst, funktioniert ein Komplettverzicht nicht. Aber auch die kleinen Schritte können eine große Wirkung haben. Ich nehme z.B. seit geraumer Zeit meine Obst- und Gemüsebeutel mit in den Laden und habe seitdem keinen Plastikbeutel mehr gebraucht. Für den restlichen Einkauf habe ich immer einen Stoffbeutel dabei und im Auto eine große Tragetasche.

    Beim Deo verzichte ich auch auf Aluminium. Das hat den Vorteil, dass meine T-Shirts nun länger halten und keine wachsartige Kruste mehr bilden. Leider hält die Wirkung der alternativen Deos nicht den ganzen Tag vor, so dass man nochmal "nachlegen" muss.

    Am meisten stört mich die Verpackung von Käse und Wurst, aber letztlich ist es eine Preisfrage, da die verpackte Ware deutlich günstiger ist als direkt vom Fleischer oder der Käsetheke.

    Liebe Grüße

    Dirk

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    1. Lieber Dirk,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Die Verpackungen für Käse und Wurst verursachen richtig viel Müll. Das stimmt. Leider gibt es noch kaum plastikfreie Alternativen, die günstig sind.

      Viele Grüße

      Myriam

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  2. Liebe Myriam,
    was für ein informativer Beitrag! Das Buch klingt spannend! Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns alle ein wenig (oder gerne eingehend) mit dem Thema Nachhaltigkeit in allen Bereichen unseres Lebens beschäftigen. Schritt für Schritt ist sicherlich die beste Herangehensweise.. Das versuche ich bei uns zuhause auch!
    Liebe Grüße,
    Claretti

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